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Europäer werden ein Volk von Sitzenbleibern

27.08.2020 • 06:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wenn der Bürojob krank macht
Wenn der Bürojob krank macht Ana Blazic Pavlovic – Fotolia

Bett, Bürostuhl, Sofa, Bett: Studie warnt vor Bewegungsmangel.

Vom Bett geht’s auf den Bürostuhl. Nach der Arbeit wieder aufs Sofa oder vor den Heimcomputer. Und dann wieder ins Bett. So oder so ähnlich sieht der Tagesablauf von Millionen von Menschen in Europa aus. Ausreichende Bewegung? Oftmals Fehlanzeige.

Und: Dieser Bewegungsmangel wird immer schlimmer, warnen Forscher der Juan-Carlos-Universität in Madrid. Die Europäer seien auf dem Weg, ein Volk von „Sitzenbleibern“ zu werden. Mehr als jeder Zweite, konkret 54 Prozent, würden sich nicht genug bewegen – mit entsprechenden Folgen für die Gesundheit. In einer Langzeitstudie fanden die Wissenschaftler heraus, dass von 2002 bis 2017 die „Sitzkultur“ im europäischen Schnitt um acht Prozent zunahm. Dabei schneiden zum Beispiel die Deutschen mit einer Zunahme beim Dauersitzen von 7,4 Prozent noch vergleichsweise gut ab.

Die Briten sitzen am meisten

Das trägste europäische Volk sind demzufolge die Briten. Bei ihnen stellten die Forscher fest, dass die Bewegungslosigkeit um 23 Prozent stieg. Auch die Franzosen glänzen nicht gerade mit einem Zuwachs von 18 Prozent. Die Spanier scheinen hingegen besser in Form zu sein. Bei ihnen wuchs der Aktivitätsmangel in den letzten 15 Jahren nur um vier Prozent. Der spanische Lebensstil hilft offenbar auch beim Altwerden: Die Spanier haben, nach den Schweizern, mit 83,6 Jahren die höchste Lebenserwartung in Europa.

„Wenn wir mehr als viereinhalb Stunden pro Tag sitzen, steigt das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen“, schreibt der spanische Forschungsleiter Xián Mayo Mauriz im britischen Magazin „BMC Public Health“. Die meisten Menschen verbringen sogar deutlich mehr als diese viereinhalb Stunden auf dem Allerwertesten. Eine Studie der Deutschen Krankenversicherung kam zum Beispiel zu dem Schluss, dass wir im Durchschnitt 7,5 Stunden am Tag sitzen. Andere Untersuchungen gehen gar von bis zu neun Stunden aus. Dies sei auch für die europäischen Staaten eine Herausforderung, sagen die Forscher. Denn der zunehmende Bewegungsmangel könne erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme mit sich bringen.

Frauen bewegen sich mehr als Männer

Überraschend ist übrigens das Studienfazit, dass die ältere Generation aktiver ist als die jüngere: also von wegen „altes Eisen“. Und noch zwei Dinge sind bemerkenswert: Den Forschern zufolge bewegen sich Frauen mehr als Männer. Und bei den männlichen Personen nahm der Bewegungsmangel überproportional zu.

Österreich schneidet beim Dauersitzen übrigens deutlich schlechter ab als der EU-Schnitt: Nahezu zwei Drittel der Männer, genau 65,4 Prozent, verbrachten 2017 mehr als viereinhalb Stunden im Sitzen – das EU-Mittel liegt bei 55,8. Bei Österreichs Frauen wurden 61,1 Prozent eklatanter Bewegungsmangel bescheinigt; das EU-Mittel beträgt 53,1.