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Türkischer Präsident prahlt mit Impfstatus

07.06.2021 • 11:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Präsident Erdogan
Präsident Erdogan AP

Millionen Türken warten sehnsüchtig auf ihre Corona-Impfung.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan prahlte jetzt bei einem Fernsehauftritt, er sei schon dreimal gegen das Coronavirus geimpft: „Nach den drei Impfungen habe ich prüfen lassen, ob meine Antikörper gestiegen sind oder nicht – ich habe 2160, Gottseidank“, sagte er und lächelte zufrieden. Viele Türken wollten ihren Augen und Ohren nicht trauen. Der 67-jährige, der seine Karriere auf dem Image eines Mannes aus dem Volk aufgebaut hat, wirkt komplett entrückt von den Menschen des Landes und ihren Sorgen.

Erdogan sprach in einer Live-Sendung des Staatssenders TRT, in der er zahme Fragen von regierungstreuen Journalisten beantwortete. Kein Journalist fragte den Präsidenten, wieso er drei Impfungen hat, wo das türkische Impf-System nur zwei Dosen pro Person vorsieht und Millionen überhaupt noch auf die erste Impfung warten.

Erdogan hatte laut Regierungsangaben Mitte Jänner die erste und im Februar die zweite Impfung erhalten; damals war in der Türkei nur das chinesische Präparat Sinovac zugelassen. Inzwischen wird auch der Impfstoff von Biontech-Pfizer verimpft. Der Präsident erwähnte in der Fernsehsendung nicht, welchen Impfstoff er erhalten hat.
Das macht die Opposition misstrauisch. Sie hatte Erdogans Regierungspartei AKP in den vergangenen Monaten vorgeworfen, heimlich Biontech-Impfstoff an ihre Anhänger verteilt zu haben. Beweise dafür gibt es nicht, doch nach Erdogans Mitteilung fühlen sich Regierungsgegner bestätigt: Seine Partei habe von Anfang an gesagt, dass sich die AKP unter der Hand Impfstoff sichere, sagte der Abgeordnete Murat Emir von der Oppositionspartei CHP: „Jetzt zeigt sich, dass wir recht hatten.“

Offiziellen Zahlen zufolge haben Ärzte und Kliniken in der Türkei, einem Land mit rund 80 Millionen Menschen, bisher 30,5 Millionen Dosen verabreicht, 13 Millionen Menschen sind vollständig geimpft. Derzeit können die über 50-jährigen einen Termin beantragen, bis Ende des Monats soll die Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen an die Reihe kommen. Die Abgeordnete Oya Ersoy von der pro-kurdischen Partei HDP will in einer parlamentarischen Anfrage von der Regierung wissen, ob noch andere Politiker eine dritte Dosis erhalten haben. Kritik kommt auch von Ärzten. „Politiker sollten Vorbild sein“, sagte Mehmet Ceyhan, Vorsitzender des türkischen Infektologen-Verbandes. Dritte Impfungen gebe es weltweit bisher überhaupt nicht.

Die Fernsehsendung könnte Erdogans Beliebtheit einen weiteren Schlag versetzt haben. Schon vor dem Auftritt stand er unter Druck: Die Inflation in der Türkei liegt bei knapp 17 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei offiziell 13 Prozent und nach Gewerkschaftsangaben beim doppelten Wert.

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