International

Britischer Gesundheitsminister missachtet eigene Regeln

27.06.2021 • 16:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Matt Hancock und seine Beraterin
Matt Hancock und seine Beraterin AP

Matt Hancock wurde gefilmt, als er im Büro seiner Beraterin nahe kam.

Die Optik ist nicht besonders gut: Mitten in der nächsten Corona-Krise, in die Großbritannien dank der Delta-Variante gerade schlittert, macht der Gesundheitsminister auf Amore statt Abstand. Britische Medien druckten am Freitag Bilder ab, die zeigen, wie der oberste Gesundheitswächter des Königreichs in seinem Büro seine Beraterin küsst. Die Sachlage ist so klar und eindeutig, dass Matt Hancock umgehend einen Verstoß gegen die Corona-Abstandsregeln zugab – die er höchstpersönlich eingeführt hat. Am Abend kündigte er seinen Rücktritt an.

Premier Boris Johnson war lange hinter ihm gestanden; die Angelegenheit sei für ihn „erledigt“. Und doch konnte Hancocks zerknirschtes „Sorry“ die Welle der Empörung, die ihm entgegenschlug, nicht beruhigen. Das lag auch daran, dass der Verdacht im Raum steht, der 42-Jährige habe die Geküsste bei ihrer Anstellung bevorzugt behandelt. Hancock sei schlicht nicht mehr zu halten, schrieben britische Zeitungen am Samstag.

Pannenminister

Es ist nicht das erste Mal, dass die Opposition den Rücktritt des Gesundheitsministers fordert. Hancock, Vater von drei Kindern und, wie seine Beraterin, verheiratet, gilt schon länger als Johnsons Pannenminister. So soll der studierte Ökonom und Philosoph Millionenaufträge für Corona-Schutzausrüstung ohne Prüfung an Freunde verteilt und Milliarden in ein unzureichendes Testsystem gesteckt haben. Johnsons ehemaliger Top-Berater Dominic Cummings hat Hancock erst kürzlich vorgeworfen, in der Pandemie mehrfach gelogen zu haben und behauptet, dass der Premierminister den Gesundheitsminister schon einmal rauswerfen wollte, weil dieser so „unfähig“ sei – was dieser bestreitet.

Dass ausgerechnet jetzt, wo erneut die Infektionszahlen steigen und Johnson sich wegen schlechten Krisenmanagements verantworten muss, der Gesundheitsminister Negativ-Schlagzeilen macht, wurde zur Belastungsprobe für die Regierung. Das Virus wird sich wohl länger halten können als der Minister, der es bekämpft.