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“Washington” Post schreibt über kommunistisches Graz

27.09.2021 • 14:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Washington" Post schreibt über kommunistisches Graz

Auch ausländische Medien greifen phänomenalen Triumph von KPÖ auf.

“Communist party wins municipal election in Austrian city”: Als Ortsmarke im Artikel wurde zwar “Berlin” angegeben, doch auch die “Washington Post” berichtet nach dem epochalen Wahlsieg von Elke Kahr und ihrer KPÖ über die politische Zeitenwende bei der Grazer Gemeinderatswahl. Dass die Wahlsiegerin bislang noch nicht bekannt gab, ob sie den Posten der Bürgermeisterin annehme, wird ebenfalls in der Meldung erwähnt.

“Impfgegner und Kommunisten überraschen bei Wahlen in Österreich”, fasst beispielsweise das Nachrichtenportal “Bloomberg” die Entwicklungen in Oberösterreich und der steirischen Landeshauptstadt zusammen. Aufgegriffen wird das Zerreiben der ÖVP und der Sieg der KPÖ auch von der “Süddeutsche Zeitung”. Die Schweizer Zeitung “20 Minuten” schreibt von einem “überraschenden Sieg”. “Zwei Wahlen, zwei Überraschungen: Kommunisten und Impfskeptiker gewinnen in Österreich”, hält die “Neue Zürcher Zeitung” fest.

Großes Medieninteresse

Im “Spiegel” war schon am Sonntagabend zu lesen, dass Kahr wohl schon bald die nächste Bürgermeisterin von Graz werden dürfte (“In Graz dürfte die Kommunistische Partei bald die Bürgermeisterin stellen”) – da will man womöglich mehr als die Wahlsiegerin selbst wissen. “Die Zeit” betont in ihrer Meldung eine Domäne der Grazer Kommunisten: “Die KPÖ ist in Graz sind vor allem wegen ihres serviceorientierten Zugangs zur Politik beliebt. Die Partei betreibt zum Beispiel eine Mieter-Hotline, die Menschen bei Problemen mit Wohnungseigentümern berät.”

Noch wesentlich ausführlicher griff den stetig wachsenden Zustrom zur “K(ahr)PÖ” naturgemäß “Jacobin”, ein sozialistisches US-amerikanisches Magazin, auf: “In Graz, Österreich, haben die Kommunisten eine Rote Festung gebaut”, heißt es. Und weiter schreibt die führende Publikation der sozialistischen Linken, die auch in Brasilien, Deutschland und Italien erscheint: “In der zweitgrößten Stadt Österreichs sind die Kommunisten auf einer Welle der Unzufriedenheit der Arbeiterklasse zum größten Herausforderer der regierenden Konservativen geworden.”

Man glaubt im “Jacobin”-Magazin auch das Erfolgsrezept zu kennen: “Die Leistungen der KPÖ in Graz und der restlichen Steiermark mögen überraschen, das Erfolgsrezept ist einfach. Geleitet von einem ungebrochenen klassenpolitischen Bekenntnis hat sich die steirische KPÖ ‘laserscharf’ (sic!) auf eine Handvoll Themen konzentriert, die den Alltag der arbeitenden Bevölkerung betreffen, aber von den großen Parteien typischerweise vernachlässigt werden. Anstatt nur im Wahlkampf über diese Themen zu sprechen, hat sie sie trotz ihrer begrenzten Ressourcen durch langfristiges Engagement in der Gemeinschaft ihre Ziele erreicht.”

Das sahen offenbar auch viele Wähler so

P.S. Erwartungsgemäß unernst die “Tagespresse”: “Dramatische Szenen spielen sich derzeit am Grazer Flughafen ab. Hunderte verzweifelte Mitglieder der ÖVP wollen einen Platz auf einem der letzten Flüge aus Graz. Grund: Die ÖVP hat Angst um das Leben ihrer liebsten Eigentumswohnungen und Bausparverträge”, schreiben die Satiriker.

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