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Wie kommt es zu Impfdurchbrüchen?

18.10.2021 • 21:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der frühere US-Außenminister Colin Powell verstarb im Alter von 84 Jahren.
Der frühere US-Außenminister Colin Powell verstarb im Alter von 84 Jahren. EPA

Früherer US-Außenminister Colin Powell ist an Covid verstorben.

Der frühere US-Außenminister Colin Powell (2001-05) ist tot. Laut einem Eintrag auf seiner Facebook-Seite starb er im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. In der Mitteilung war von Komplikationen wegen der Infektion die Rede. Der Republikaner Powell war u.a. auch General und gehörte den Vereinigten Stabschefs (Joint Chiefs of Staff/JCS), einem wichtigen Beratungsgremium, des Präsidenten und des Verteidigungsministers in Militärangelegenheiten an. Powell war laut dem Posting zweifach geimpft. “Wir haben einen bemerkenswerten und liebenden Ehemann, Vater, Großvater und einen großartigen Amerikaner verloren”, erklärte die Familie.

Impfdurchbruch

Somit dürfte es sich in diesem Fall um einen sogenannten Impfdurchbruch handeln. Von einem Impfdurchbruch spricht man, wenn jemand trotz Vollimmunisierung an Covid-19 erkrankt. Doch warum kommt es bei einigen Menschen zu Impfdurchbrüchen, während andere geschützt scheinen? „Dieses Phänomen ist vor allem auf die große Heterogenität unter den Immunisierten zurückzuführen“, sagt Lukas Weseslindtner, Virologe an der Med Uni Wien. Erstens gäbe es eine große Schwankungsbreite, was die neutralisierenden Antikörper angeht. So bilden ältere und kranke Menschen im Schnitt weniger davon aus.

Zweitens seien die Impfstoffe nicht ganz gleich – eine doppelte Immunisierung mit einem mRNA-Vakzin erzeuge nachweislich mehr Antikörper als eine einzige Impfung – etwa mit Johnson & Johnson. Drittens lässt der Impfschutz mit der Zeit nach.

Zahlen der AGES zeigen: Impfdurchbrüche in Österreich machen bisher 8,81 Prozent der Covid-Erkrankungen aus. Österreichs Spitäler geben an, dass unter jenen Menschen mit Impfdurchbrüchen, die zur Behandlung ins Krankenhaus kommen, vor allem ältere und auch kranke Menschen sind. Auch Powell soll laut Angaben der US-Medien an Blutkrebs gelitten haben. Diese Erkrankung beeinträchtigt das Immunsystem erheblich: Immunzellen werden in ihrer Funktion gestört und von den Krebszellen verdrängt.

Auch bei anderen Erkrankungen

Impfdurchbrüche sind kein Phänomen, das ausschließlich bei der Coronaimpfung vorkommt. Sie treten auch bei Präparaten gegen andere Krankheiten auf. Etwa bei der Influenza-Impfung, der Masern-Impfung, der Keuchhusten-Impfung, der Hepatitis-Impfung, der Windpocken-Impfung oder auch der FSME-Impfung.

Powell war der erste Afroamerikaner als US-Außenminister. Dieses Amt bekleidete er unter Präsident George. W. Bush, als es zu den 9/11-Anschlägen der Al-Kaida in New York und Washington kam. Unter Ronald Reagan war er zuvor von 1987 bis 1989 Nationaler Sicherheitsberater gewesen. Unter George Bush senior war er JCS-Vorsitzender, also Generalstabschef. Nach dem Sturm von Anhängern des abgewählten Präsidenten Donald Trump auf das Kapitol in Washington Anfang dieses Jahres trat Powell aus der Republikanischen Partei aus. Er war ein entschiedener Trump-Gegner in den eigenen Reihen.

Impfdurchbrüche

Rein statistisch steigt mit dem Anteil der geimpften Bevölkerung auch die Anzahl der Impfdurchbrüche, denn je mehr Menschen geimpft sind, desto häufiger besteht die Möglichkeit einer Infektion trotz Impfung. 

Was stimmt ist, dass der Impfschutz Studien zufolge vor allem bei Älteren nach einigen Monaten etwas nachlässt. Daten belegen ganz klar: die Impfstoffe wirken, sollten nach einer gewissen Dauer aber aufgefrischt werden, um den Schutz auch längerfristig zu gewährleisten.

Powell kam 1937 im New Yorker Stadtteil Harlem als Sohn jamaikanischer Einwanderer zur Welt. Er studierte Geologie und startete eine Karriere in der US-Armee, die ihn unter anderem nach Deutschland und zweimal nach Vietnam führte. 1989 wurde der hochdekorierte General als erster Afroamerikaner Generalstabschef der US-Streitkräfte. Für viele wurde er das Gesicht des Golf-Kriegs 1991.

Berüchtigter Auftritt

Berüchtigt ist Powells Auftritt im UNO-Sicherheitsrat 2003, wo er angebliche Beweise vorlegte, wonach der Irak Massenvernichtungswaffen besitze. Danach zogen die USA gegen den irakischen Machthaber Saddam Hussein in den Krieg. Später kam heraus, dass die Rechtfertigung für den Krieg auf falschen und ungedeckten Analysen des Geheimdienstes beruhte. Den Auftritt bezeichnet Powell später selbst als “Schandfleck” in seinem Lebenslauf.

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