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Von einer Spitze zur nächsten

30.10.2021 • 13:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie sieht es in Europa aus?
Wie sieht es in Europa aus? AP

Inzidenzen und Impfquote: Wo stehen Österreich und der Rest Europas?

Es kommt einem Deja-Vu schon sehr nahe. Wie auch die zweite Welle im vergangenen Herbst, baut sich die vierte 2021 auf. Am Freitag musste mit 5861 Neuinfektionen der diesjährige Höchststand verzeichnet werden. Im Krankenhaus behandelt werden mussten 1370 Personen, die Zahl der Patienten nahm innerhalb einer Woche um 36,5 Prozent. 280 Schwerkranke mussten auf Intensivstationen betreut werden, was eine Zunahme um 25 Prozent bedeutet.

Doch eins zu eins kann man die Situation mit 2020 nicht vergleichen. Die Saisonalität wirkte sich auch damals aus, 2021 grassiert aber die ansteckendere Delta-Variante. Allerdings gibt es auch die Impfung als Mittel gegen Sars-CoV-2. Dass dieses nicht ausreichend genutzt wird, ist ein Grund, wieso die Zahlen derart hoch sind. „Wir haben eine der niedrigsten Impfquoten in Westeuropa“, sagte Simulationsforscher Nikolas Popper im ORF-Radio.

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Insgesamt haben laut den Daten des E-Impfpasses 5.879.490 Menschen eine Teilimpfung erhalten: Das sind 65,8 Prozent der Bevölkerung. 5.583.040 Menschen und somit 62,5 Prozent der Österreicher sind vollständig geimpft.

Auch der Verlust der Wirksamkeit der Frühlingsimpfungen – vor allem bei älteren Personen – sei ein Faktor, so Popper. Umso wichtiger seien zeitnahe Auffrischungsimpfungen sowie auch Impfangebote für jene Menschen, die bislang darauf verzichtet haben.

Wie sieht es in Europa aus? Das sind die Schlusslichter

Niedrigste Impfquoten, hohe Inzidenzen: Besonders in Bulgarien und Rumänien zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Impfquote und dem Infektionsgeschehen. Nur knapp ein Drittel der Rumänen sind laut der EU-Gesundheitsbehörde vollständig geimpft. In Bulgarien sieht es gar nur 21 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das Land weist mit fast 23.000 Toten zudem eine der höchsten Todesraten weltweit auf. Mit schuld für die wenigen Impfwilligen in den südosteuropäischen Staaten sehen Experten Verschwörungstheoretiker in den Medien, aber auch die orthodoxe Kirche. Zugleich werden Vorsichtsregeln nur lückenhaft überwacht. Die Gesundheitssysteme beider Länder stehen vor dem Kollaps.

Baltische Staaten: Impfraten sind noch zu niedrig

Die baltischen Staaten sind derzeit Europas Corona-Hotspot. Nirgendwo ist die Zahl der Infizierten so hoch. Die Impfraten gehören zwar nicht zu den niedrigsten in Europa, sind jedoch mit einer Durchimpfungsrate von um die 50 Prozent relativ niedrig. Das Infektionsgeschehen konnte dadurch nicht genug gedrosselt werden. In Litauen gibt es außerdem Regionen, in denen nur jeder Dritte fertig geimpft ist, hier kann sich Corona beinahe ungehindert ausbreiten. Vor allem die Minderheiten würden die Maßnahmen zudem nicht mittragen. Zur Eindämmung haben die Regierungen in Riga und Tallinn zuletzt strikte Schutzmaßnahmen verhängt. In Lettland gilt bis zum 15. November ein Lockdown.

Europas Spitzenreiter

Experten gehen davon aus, dass für die sogenannte Herdenimmunität eine Durchimpfungsrate von 80 bis 85 Prozent nötig sei. Staaten, wie Malta und Portugal haben diesen Wert bereits erreicht. Sie haben derzeit auch eine der niedrigsten Sieben-Tage-Inzidenz in Europa und ein moderates Infektionsgeschehen. Doch wie hat man das geschafft? In Portugal wurde die Impfkampagne generalstabsmäßig von einem ehemaligen General organisiert, zudem gibt es kaum Impfzweifler.
Auch in Irland sind bereits 75 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft – damit war mal lange Spitzenreiter in Europa –, doch nun liegt man bei den Inzidenzen auf gleicher Höhe mit Österreich. Der Unterschied: In Irland sind seit knapp einer Woche beinahe sämtliche Corona-Maßnahmen aufgehoben worden, seither gehen auch die Zahlen wieder nach oben.

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