International

Bitcoin: Warum es zum Kursrutsch kam

06.12.2021 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Symbolbild
Symbolbild AFP

Über 20 Prozent brach der Bitcoin-Kurs am Wochenende ein.

Während hierzulande die meisten einen besinnlichen zweiten Advent feierten, ging es am Wochenende an den internationalen Kryptobörsen heiß her. Denn am Samstag kam es bei der Kryptowährung Bitcoin zu einem regelrechten Ausverkauf. Lag der Kurs am Freitag noch bei mehr als 48.500 Euro, fiel er kurzzeitig auf weniger als 40.000 Euro. Am Montag wurde die Cyberdevise um rund 42.500 Euro gehandelt.

Der Ausverkauf stellt auch Experten vor Rätsel, erklärt Ernst Tertilt, der mit seinem Team bei Crypto Management den Kurssturz am Wochenende durchleuchtet hat. “Ein möglicher Auslöser sind weitere Einschränkungen des Kryptowährungsbesitzes in Indien.” Auch hätte ein weiterer ETF-Fonds auf Kryptowährungen genehmigt werden sollen, was nicht geschah.

Automatischer Ausverkauf

Doch beide Erklärungsversuche taugen für Tertilt nur bedingt. Der Kryptoprofi sieht viel mehr börsentechnische Auslöser. So sei die Marke von 52.000 Dollar ganz wichtig für Bitcoin, ebenso die Marke von 48.000 Dollar. “Als diese unterschritten wurden, hat das Stop-Loss-Orders ausgelöst.” Dabei handelt es sich um automatische Verkäufe, welche die Verluste reduzieren sollen. “Und dann löst ein Stopp den nächsten aus”, erklärt Tertilt. Tatsächlich wurden am Samstag binnen kurzer Zeit 4000 Bitcoin verkauft.

Dennoch sei der Vorfall nicht außergewöhnlich, sagt Tertilt. “So eine Marktbereinigung kommt im Jahr fünf bis sechs Mal vor. Das gehört dazu.” Ein Warnzeichen sei immer, wenn sich der Kurs längere Zeit in keine einheitliche Richtung bewegt, denn dann würden Spekulanten auf fallende Kurse setzen. “Was nicht rauf geht, geht dann nach unten.”

El Salvador greift zu

Doch so ein Kurssturz ist nicht für jeden schlecht. Einige große Händler nutzten die Korrektur auch, um Bitcoin einzukaufen. So hat der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, bekannt gegeben, dass sein Land 150 Bitcoin zu einem Kurs von rund 43.100 Euro gekauft hat. El Salvador ist weltweit das erste Land, in dem Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel anerkannt ist.

Vor Ort angesehen hat sich das Johannes Grill, Präsident von Bitcoin Austria, einem Verein, der über Bitcoin aufklären will. “El Salvador hat hier einen durchaus aggressiven Ansatz, der das Land etwas unabhängiger von Geldgebern wie dem IWF machen soll.” Vor Ort konnte Grill beobachten, dass das Experiment mit Bitcoin als zweites Zahlungsmittel durchaus funktioniert.

Dafür hat das Land innerhalb von nur drei Monaten mit Chivo eine eigene Bitcoin-Wallet entwickelt. “Große Supermarktketten haben das akzeptiert und umgesetzt und auch normale Leute nutzen die App. Das zeigt, dass Bitcoin als Geld funktioniert.” Dementsprechend ist Grill angesichts der Kursschwankungen auch entspannt. “Hier zerbröselt es ein paar Spekulanten. Wer Bitcoin direkt und auf lange Zeit kauft, für den ist alles in Ordnung.”

Auch der Händler Tertilt sieht die Zukunft von Bitcoin positiv, allerdings nicht als Ersatz für Geld. “Dafür schwankt Bitcoin zu stark. Es ist vielmehr digitales Gold. Dafür sorgt schon die Beschränkung auf 21 Millionen Stück.” Übrigens: Noch im Dezember werden 90 Prozent aller Bitcoin bereits geschürft sein.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.