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Was Sie über Bitcoin wissen sollten

10.01.2022 • 20:01 Uhr / 13 Minuten Lesezeit
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Symbolbild AFP

2021 sind die Kurse bei Kryptowährungen massiv gestiegen.

Bitcoin ist zu Wochenbeginn erstmals seit September unter die Marke von 40.000 US-Dollar gefallen. Die älteste und weltweit bekannteste Kryptowährung fiel am Montagnachmittag auf der Luxemburger Handelsplattform Bitstamp bis auf 39.559 Dollar, erholte sich danach aber rasch wieder. Dennoch notierte Bitcoin damit rund 40 Prozent unter seinem am 10. November erreichten Rekordhoch von rund 69.000 Dollar. Am Markt wurde die jüngste Kursschwäche der Digitalwährungen mit der Geldpolitik in den USA begründet. Die US-Notenbank Fed könnte die Zinsen schneller erhöhen als bisher gedacht.

Die Kurssprünge des vergangenen Jahres haben Bitcoin und Co. noch stärker in den Fokus gerückt – häufig ist Anlegern aber nicht bewusst, wie riskant der Krypto-Markt ist. Was man unbedingt wissen sollte. Ein Überblick.

Was ist Bitcoin?

Bitcoin wird gemeinhin als Kryptowährung bezeichnet. Grundlegend handelt es sich dabei aber einfach um einen Eintrag in einem digitalen Verzeichnis, einer Datenbank. Bitcoin ist damit nicht viel mehr als eine Kombination von Zahlen und Buchstaben auf einer Festplatte. Das Besondere daran: Durch ein kryptografisches Rätsel werden die Einträge in dieser Datenbank miteinander verkettet. Von der Datenbank gibt es zahlreiche Kopien, was die Manipulation der Daten nahezu unmöglich macht.

Warum ist Bitcoin so wertvoll?

Der Kryptomarkt ist komplett unreguliert. So lange jemand Bitcoin kaufen will und jemanden findet, der Bitcoin verkaufen will, funktioniert dieser Markt. Allerdings steigt das Angebot nur in einem sehr klar vorgegeben Tempo und bei 21 Millionen Bitcoin ist dann auch Schluss. Steigt die Nachfrage nach Bitcoin schneller als das Angebot, erhöht sich daher der Preis.

Wo kann ich Bitcoin kaufen?

Um Bitcoin wirklich zu kaufen, muss man sich auf einer Tauschbörse registrieren. Die größte österreichische Tauschbörse ist Bitpanda. Bitpanda hat eine Kooperation mit der Post, so dass man sein Bitpanda-Konto auch bei der Post aufladen kann. In Graz kann man Bitcoin auch beim Unternehmen Coinfinity kaufen. Insgesamt gibt es in Österreich 20 Unternehmen, die bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) als “Dienstleister in Bezug auf virtuelle Währungen” registriert sind. Nur sie dürfen in Österreich Kryptowährungen wie Bitcoin verkaufen.

Welche anderen Kryptowährungen gibt es?

Es gibt inzwischen über 16.500 Kryptowährungen. Für Aufsehen hat beispielsweise die Kryptowährung Dogecoin gesorgt, die ursprünglich ein Satire-Projekt war. Doch viele der Kryptowährungen sind sogenannte Token, also eine Art Gutschein für eine gewisse Anwendung. Viel Medienrummel gab es in den vergangenen Monaten zu den sogenannten NFT, eine Art unfälschbares Wasserzeichen für digitale Kunstwerke. Doch es gibt auch Token, die man sich in Videospielen erspielen kann oder Token, die als Payback-System von gewissen Kryptobörsen verwendet werden. Was diese Gutscheine gemeinsam haben: Sie benutzen dabei ein gewisses Blockchain-System für die Abwicklung dieser Gutscheine. Das größte davon ist Ethereum mit der Kryptowährung Ether. Diese Token lassen sich sehr einfach erstellen, es gibt dafür eigene Webseiten. Deshalb gibt es leider auch unzählige Betrugssysteme, die darauf basieren.

Wie unterscheide ich seriöse von unseriösen Angeboten?

Der erste Schritt ist immer einen Blick auf die Webseite der FMA. Dort findet sich eine Liste mit “Investorenwarnungen“, wo sich zahlreiche unseriöse Kryptoanbieter finden. Auch das deutsche Pendant, die Bafin, warnt regelmäßig. Als nächstes überprüft man, ob der Anbieter in Österreich als virtueller Dienstleister gelistet ist. Nur diese Unternehmen dürfen in Österreich mit Kryptowährungen handeln. Was praktisch alle unseriösen und betrügerischen Kryptoprojekte gemeinsam haben. Sie setzen auf sogenanntes Multi-Level-Marketing. Das Versprechen, man bekommt für jedes weitere Opfer, das man anwirbt einen gewisse Entlohnung in einer unbekannten Kryptowährung, die man auch nur bei den Betreibern des Betrugssystems kaufen und eintauschen kann. Garniert wird das ganze mit Rendite-Erwartungen aus dem Reich der Fantasie. Und wenn ihr Gegenüber von “passiven Einkommen” spricht, ist das ein klarer Hinweis, dass es sich um ein unseriöses Angebot handelt.

Wie verwahre ich Kryptowährungen?

Eine Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether besteht aus zwei Teilen: Einer Walletadresse und einem sogenannten Private Key. Das System erkennt nur denjenigen als echten Eigentümer an, der diesen Private Key hat. Deshalb sollte man Kryptoguthaben keinesfalls nur auf den Tauschbörsen liegen lassen. Wer mit mehreren Geräten auf sein Guthaben zugreifen will, kann eine sogenannten Hotwallet nutzen. Die Programme identifizieren ihre Nutzer mit einer Kombination aus vielen Wörtern. Diese muss man sicher auf Papier verwahren. Außerdem sollte man regelmäßig die Private Keys exportieren. Die sicherste Variante seine Coins zu verstauen sind Hardwallets. Diese sehen aus wie USB-Sticks. Dort werden die Private Keys sicher verwahrt. Die bekanntesten Anbieter sind Trezor und Ledger Nano.

Gibt es Gebühren?

Ja. Jede Aktion auf der Blockchain muss bezahlt werden, sei es die Überweisung einer Bitcoin, eines Token oder der Kauf eines NFT. Die Gebühr orientiert sich nach der Dringlichkeit und dem Aktivitätsniveau auf der Blockchain. Die Gebühren können je nach Aufwand schon mal einen dreistelligen Eurobetrag ausmachen. Bitcoin versucht das Thema Gebühren mit einem Parallelsystem Namens Lightning zu lösen. Ethereum stellt dafür seinen Algorithmus um.

Welche Risiken gibt es?

Kryptowährungen gelten als besonders sicher. Das liegt am Design der Blockchain, die alle Überweisungen verkettet. Da es zahlreiche Kopien davon gibt, fällt eine Manipulation auf. Und dennoch gibt es immer wieder Berichte über Hacks, verschwundene oder gestohlene Kryptowährungen. Schuld daran sind aber stets die Menschen. Wer beispielsweise seine Kryptowährungen bei einer Tauschbörse lagert, hat keine Kontrolle über die Private Keys. Knacken Hacker die Sicherheitsvorkehrungen der Kryptobörse, können diese die Coins stehlen. Verliert man den Code für seine Hotwallet, hat man keinen Zugriff mehr auf die Coins. Selbiges gilt für die Hardwallet. Geht diese verloren, sind auch die Coins dahin. Selbst wenn man alles richtig macht, gibt es noch die massiven Kursschwankungen, die am Kryptomarkt ganz normal sind. Verkauft man zur falschen Zeit, kann man schnell viel Geld verlieren.

Wo sehe ich die Kursentwicklung?

Tauschbörsen zeigen die jeweilige Kursentwicklung auf ihrer Plattform an. Die kann von Börse zu Börse durchaus unterschiedlich sein. Ein Umstand, den sich sogenannten Arbitrage-Händler zu Nutze machen. Den besten Überblick bietet daher die Webseite Coinmarketcap.

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Seit wann gibt es Bitcoin überhaupt?

Bitcoin wurde 2008 von einem Hackerkollektiv unter dem Synonym “Satoshi Nakamoto” entwickelt. Der Australier Craig Wright behauptet zwar Satoshi zu sein, er bleibt bisher den finalen Beweis allerdings schuldig. 2009 gab es die erste Transaktion auf der Blockchain von Bitcoin.

Was ist die Blockchain?

Die Blockchain ist die technische Basis und die eigentliche Innovation von Bitcoin. Sie ist eine Art digitales Kassabuch, von dem es unzählige Kopien gibt, die sich gegenseitig kontrollieren und aktualisieren. Eine Manipulation ist daher nahezu unmöglich. Ein Block entspricht darin einer Seite in einem Kassabuch. Dort werden Transaktionen gesammelt. Mit einem kryptografischen Rätsel wird ein Kontrollwert, ein Hash, errechnet. Dieser Kontrollwert wird in den nächsten Block übertragen. Dadurch entsteht eine Kette von Blöcken, eine Blockchain.

Gibt es auch andere Blockchains, abseits von Bitcoin?

Blockchain wird als die echte Erfindung der Kryptowährungen gesehen. In den kommenden Jahren sind daher zahlreiche weitere Blockchains entstanden. Es gibt dabei zwei Strömungen. Public Chains sind Blockchains, bei denen jeder mit einem Computer Teil des Systems werden kann. Private Chains sind Blockchains, bei denen die Teilnehmer des Systems begrenzt sind. Die bekannteste Public Chain ist Ethereum, die populärste Private Chain ist Hyperleger. Beide zeichnen sich dadurch aus, dass nicht nur Werte übertragen werden können. Innerhalb der Blockchain lassen sich auch kleine Programme ausführen, sogenannten Smart Contracts.

Warum soll man dann überhaupt in Krypto investieren?

Kryptowährungen sind ja die Verrechnungseinheiten von Blockchain-Systemen. Diese gibt es erst seit der Erfindung von Bitcoin und sind daher eine sehr junge Technologie. Es besteht durchaus weiterhin die Hoffnung, dass die Anwendungen von Blockchains über das reine Übertragen von Werten hinaus geht. Wenn man investiert, sollte man also in die Technologie investieren und nicht versuchen, nur sein eingesetztes Kapital zu vermehren. Denn beim Spiel ums große Geld hat man wenig Chancen gegen die großen Player am Markt.

Kann ich Kleinstbeträge investieren, um das Risiko zu minimieren?

Wer sich also für die Technologie interessiert und mehr darüber lernen möchte, sollte mit einem Betrag anfangen, den er oder sie ohne Sorge komplett verlieren könnte. Da genügen 50 bis 100 Euro. Danach sollte man sich intensiv in das Thema einlesen. Und wenn man sich wirklich mit der Materie auskennt und wirklich genau weiß, was man mit dem Investment bewirken will, ist die Zeit reif für weitere Schritte. Sie finden das zu mühsam? Dann sollten Sie komplett die Finger von Kryptowährungen lassen.

Was kann ich mit Bitcoin machen, außer auf einen Gewinn hoffen oder eventuell einen Tesla kaufen?

Die Idee der Gründer von Bitcoin war es, eine Art Geld zu schaffen, das von den Nutzern selbst kontrolliert wird und nicht von Zentralbanken. Echte Bitcoin-Fans sind daher der Überzeugung, dass Bitcoin irgendwann Dollar und Euro ablösen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt halten sie an ihren Bitcoin fest. Tatsächlich gibt es bereits jetzt Lokale und Geschäfte, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. In El Salvador ist Bitcoin inzwischen als Alternative zum US-Dollar etabliert. Wer nicht an Bitcoin als Geldersatz glaubt, sieht darin einen digitalen Wertspeicher, eine Art digitales Gold. Viele versuchen sich damit vor Währungsschwankungen und Inflation schützen.

Zentralbanken arbeiten auch an digitalem Geld. Warum?

Während Bitcoin angetreten ist, ohne zentrale Instanz auszukommen, gibt es auch Kryptowährungen, die eine Firma, eine Organisation hinter sich haben. So haben viele Kryptobörsen ihren eigenen Token, der oft an eine echte Währung gekoppelt ist, wie den Dollar. Das nennt man Stable Coin. Dazu kommen die Versuche von Facebook, mit Libra eine eigene Kryptowährung zu schaffen. Das hat EU-Kommission und EZB alarmiert. Denn offenbar gibt es im Zeitalter der Digitalisierung auch Nachfrage nach einer digitalen Währung. Und aus Sicht der EU ist es besser, diese kommt von der EZB als von Facebook. Bis 2026 soll der digitale Euro Realität sein.

Bin ich ein Klimasünder, wenn ich Bitcoins kaufe?

Auch wenn Bitcoin-Fans das nicht so gerne hören: Derzeit schon. Das System von Bitcoin wird von sogenannten Minern betrieben. Sie stellen Rechenleistung zur Verfügung und werden dafür mit neuen Bitcoins belohnt. Die Rechenleistung braucht sehr viel Strom. Das ist quasi der Preis für die Manipulationssicherheit von Bitcoin. Daher gehen die Miner mit ihren Computern dorthin, wo Strom billig ist. Und das sind sehr oft Länder mit günstiger fossiler Energie. Wobei es selbstverständlich möglich wäre, Bitcoin auch komplett CO2-neutral zu betreiben. Es würde halt viel mehr kosten.

Ist Bitcoin gefährlich für die Wirtschaft?

Vor allem in der Finanzwirtschaft werden Kryptowährungen mit Argwohn beobachtet. Einerseits fließt immer mehr Geld von kleinen Investoren in diesen Bereich. Geld, das sonst in Aktien oder Finanzprodukte fließen würde. Andererseits entwickeln sich unter dem Begriff “Decentralized Finance” Produkte, die wie Finanzanlagen funktionieren, nur halt ganz ohne Banken oder Hedgefonds. Kryptowährungen können der Wirtschaft auch nutzen. So bieten sie eine Form der Finanzierung für Start-ups. Auch Immobilienprojekte lassen sich über Kryptowährungen finanzieren. Blockchain-Technologie würde außerdem noch viel mehr Automatisierung möglich machen. Bisher sind Projekte in dem Bereich aber noch nicht sehr weit fortgeschritten.