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Wie deutscher Handel 2G kontrolliert

10.01.2022 • 16:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auch im deutschen Handel gilt die 2G-Regel
Auch im deutschen Handel gilt die 2G-Regel APA/dpa/Peter Kneffel

In Deutschland wird 2G im Handel seit längerer Zeit kontrolliert.

“Wir sind sehr föderal organisiert”, sagt Stefan Hertel, Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE), zu Beginn fast entschuldigend. Um dann schnell in den Angriffsmodus umzuschalten: “Als Verband setzen wir uns aber für eine Vereinheitlichung ein.”

Ziel der Normierung ist in diesem Fall die Art und Weise der 2G-Kontrolle im deutschen Einzelhandel. Prinzipiell gilt auch beim großen Nachbarn: Abseits der Waren für den täglichen Bedarf dürfen nur Geimpfte und Genesene einkaufen. Im Gegensatz zu Österreich, wo ab morgen, Dienstag, vom Handel kontrolliert wird, müssen die deutschen Unternehmen aber schon seit längerer Zeit selbst die 2G-Prüfung durchführen.

Bayern: Schuhe, Mode und Blumen als täglicher Bedarf

Die Rahmenbedingungen aber treiben durchaus seltsame, regionale Blüten. Während etwa in der Ulmer Innenstadt seit dem vierten Adventswochenende 2G-Stempel – nach einer einzigen Kontrolle bekommt man über eine gewisse Zeit Zutritt zu unterschiedlichsten Geschäften – von Behördenvertretern verteilt werden, ist eine derartige Universallösung auf der bayerischen Seite der Donau, in Neu-Ulm, kein Thema. “Beim Bändchen haben wir ganz klar entschieden: Das ist keine Alternative”, sagte dazu Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. “Keiner kann sehen, wer gibt das Bändchen aus, wer hat das autorisiert?”

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Im Freistaat also müssen die Händler fortan weiter jeden einzelnen Kunden überprüfen. Dafür wiederum greift die 2G-Pflicht nicht flächendeckend. Der Schuhhandel, Blumengeschäfte oder auch das Geschäft mit Mode, decken in Bayern nämlich nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) den “täglichen Bedarf”. Das wiederum lässt jetzt ein Schuhgeschäft in Baden-Württemberg versuchen, per Eilverfahren vor dem dortigen VGH die 2G-Regel zu kippen. Sie wissen schon: Wegen der unterschiedlichen Regelungen in Ulm und Neu-Ulm wär’s.

Kontrollen an der Tür: “Security-Markt leergefegt”

“Die 2G-Regelung für den Nonfood-Handel war von Anfang an sehr problematisch, insbesondere mit den Eingangskontrollen an der Ladentür”, fasst Handelsverbands-Chef Stefan Genth die Sicht des deutschen Gesamthandels zusammen. Wenngleich auch die Kontrolle an der Tür nicht in jedem Bundesland Vorschrift ist. Wo sie dennoch gefordert wird, sei es zudem komplizierter geworden, dafür notwendiges Sicherheitspersonal aufzustellen. “Der Security-Markt ist leergefegt”, sagt HDE-Sprecher Stefan Hertel.

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Jedenfalls hoffen die Händler in Deutschland nach “einem durch 2G völlig verkorksten Weihnachtsgeschäft endlich auf Besserung”, wie es vom HDE heißt. Besserung heißt freilich eine Aufweichung der Regeln. “Viele Betriebe im stationären Nicht-Lebensmittelhandel” würden zurzeit um ihre “wirtschaftliche Existenz kämpfen”. Insbesondere dort, wo die 2G-Regelung beim Einkaufen gilt, kämen “deutlich weniger Kunden und die Umsätze verharren tief im Minus”.

2G: Mehr Umsätze brechen weg

Auch mit aktuellen Zahlen, erhoben per Umfrage, kann der Verband dienen: So seien dem stationären Nonfood-Handel in der letzten Woche des vergangenen Jahres gut 29 Prozent der Umsätze weggebrochen, die noch im selben Zeitraum vor der Krise erzielt wurden. Dort, wo 2G-Zugangsbeschränkungen nicht gelten, falle der Umsatzrückgang mit “einem Minus von acht Prozent vergleichsweise gering aus”, sagt der Verband.

Die Forderung des deutschen Verbands kennt man auch in Österreich ganz gut: “Wenn 2G im Einzelhandel nun weitgehend erhalten bleibt, müssen Bund und Länder wenigstens die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen für viele Handelsunternehmen besser abfedern als bisher.”