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Das sind die Sorgenkinder der Queen

27.02.2022 • 18:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Queen Elizabeth II.
Queen Elizabeth II. (c) AFP (CHRIS JACKSON)

Viel Kummer für die an Corona erkrankte Queen.

Sie ist es, die seit dem Zweiten Weltkrieg und ihrer ersten öffentlichen Rede im Radio als 14-Jährige am 13. Oktober 1940 ihrem Volk auf angenehm unaufgeregte Art Mut zuspricht: Nun möchte vermutlich mancher Bürger im Vereinigten Königreich eher der 95-jährigen Monarchin große Dosen von Empathie zukommen lassen. Im vergangenen April, inmitten der Pandemie, verlor sie nach über 73 Ehejahren Philip, ihren Prinzen fürs Leben. Seitdem rissen die dunklen Momente kaum ab: An Skandalen, Problemen und Unstimmigkeiten besteht wahrlich kein Mangel zum Platinjubiläum von Elizabeth II.: Das von der Queen als „Annus horribilis“ (lateinisch für „schreckliches Jahr“) bezeichnete 1992, in dem Schloss Windsor teilweise abbrannte, Prinz Andrew und Sarah Ferguson sich trennten (Letztere wartete wenig später mit Oben-ohne-Fotos an der Seite ihres damaligen neuen Freundes auf) sowie Prinzessin Diana und Prinz Charles ihre Desaster-Ehe beendeten, wirkt dagegen noch beinahe harmlos.

Dass eine bald 96-Jährige weiter der einzige wahrhaft stete Fels in der Brandung ist – und das trotz einer jüngst publik gewordenen Corona-Infektion –, ist so bemerkenswert wie traurig. „Nach ihrer dritten Impfung wurde die Queen leichtsinnig“, titelten da Boulevard-Blätter, obgleich sie eben das – leichtsinnig – in ihrem gesamten Leben gewiss nie gewesen ist. Faktum ist: Die Monarchin muss Termine absagen, hat aber offenbar bislang bloß milde Symptome und scheint prinzipiell in der Lage, ihre, sich selbst auferlegte, lebenslange Pflicht weiter zu erfüllen. Hoffnung ruht auf den ersten Junitagen, an denen ihre 70 Jahre auf dem britischen Thron zelebriert werden sollen: Geplant sind dazu prächtige Paraden, ein Konzert mit Weltstars vor dem Buckingham Palace und – für das Volk wohl am wichtigsten – eine spätere Sperrstunde in den Pubs sowie ein zusätzlicher Feiertag. Das sollte dunkle Wolken zumindest vom 2. bis 5. Juni vertreiben, die brexitmaroden Briten einen – und die in vielerlei Hinsicht einzigartige Regentschaft der Queen würdigen. Verdient wäre es allemal.

Die Wirrnisse der Windsors:

Die Queen hat Corona
Die Sorge ist groß. Über all die Jahrzehnte war Elizabeth II. mit erstaunlich robuster Gesundheit gesegnet, in den letzten Jahren stellten sich ob ihres hohen Alters unvermeidliche Leiden ein. Am vergangenen Sonntag aber der Schock: In einer Zeit, in der die Pandemie zumindest halbwegs überstanden scheint und Großbritannien alle Coronaregeln kippt, infizierte sich die Monarchin. Sie leide an milden Symptomen, werde fortlaufend medizinisch betreut und sei an sich guter Dinge, hieß es zuletzt. Dass die Dreifach-Geimpfte viele Termine, darunter Online-Audienzen, absagen musste, dürfte das Volk kaum beruhigen – Vertrauen in ihre Stärke überwiegt jedoch.

Charles mit Erklärungsbedarf
Es ist ein vor der Polizei noch restlos aufzuklärendes Wirrnis, das das Königshaus gerade jetzt so dringend braucht wie ein Fisch ein kaputtes Fahrrad: Im Zentrum der Affäre steht ein einst enger Mitarbeiter des an sich soliden Prinz Charles (73), der als Geschäftsführer von dessen wohltätiger Stiftung „The Prince’s Foundation“ einem saudischen Geschäftsmann im Gegenzug für Spenden einen Ritterschlag und den britischen Pass in Aussicht gestellt haben soll. Das Prinzip „Ritterschlag gegen Geld“ wäre nicht nur ungustiös, sondern auch eine Beleidigung jener, die diesen bislang aus tatsächlich triftigen Gründen erhalten haben. Nebenbei ist Charles künftiger König.

Prinz Andrew
Prinz AndrewAP
Harry und Meghan
Harry und MeghanAPA

Die Fliehkräftigen in Amerika
Emanzipation dürfte so etwas wie die Antithese zum gehorsamen Dasein im royalen Puppentheater sein. Noch schlimmer wird es, wenn man sie auf so ungelenke Art wie Queen-Enkel Harry und seine Gattin Meghan anlegt: Der 37-jährige Neo-Amerikaner besteht darauf, dass er bei Visiten vom britischen Steuerzahler bezahlten Polizeischutz bekommen sollte, zumal er „in direkter Thronfolge“ stehe. Das Königshaus sah das anders. Harrys nachgelegtes Angebot, selbst dafür aufzukommen, wurde von den Behörden abgelehnt: Auch ein Ex-Royal könne die Polizei nicht kaufen. Der Buckingham Palace zittert indes schon vor Harrys nahender, „intimer“ Autobiografie.

Wie geht es weiter?
Die Monarchie, teuerster Spleen, den sich das Vereinigte Königreich leistet bzw. leisten muss: Aktuelle Skandale verleihen der ewigen Diskussion um den Sinn zusätzlichen Spin. Noch befürwortet das Gros des Volkes das Königshaus, vor allem, weil ihm noch Elizabeth II. vorsteht und es gerade im Tourismus viel Geld lukriert. „König Charles“ wird kaum herbeigesehnt. Wie soll der Sprung in zumindest moderate Modernität gelingen?

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