International

Putin ändert die Kriegsstrategie

01.04.2022 • 17:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
So sieht es in einem Vorort bei Charkiw aus
So sieht es in einem Vorort bei Charkiw aus APA/AFP/ARIS MESSINIS

Kiew ist momentan nicht das Hauptziel, im Fokus steht die Ostukraine.

Russlands Machthaber Wladimir Putin ändert seine Strategie in der Kriegsführung gegen die Ukraine. „Der ursprüngliche Plan, die Kontrolle über Kiew und andere Großstädte der Ukraine zu bekommen, hat bis jetzt nicht funktioniert. Putin will jetzt Donezk und Luhansk vollständig erobern“, sagt Politologe und Russland-Experte Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck zur Kleinen Zeitung. Die Landbrücke von den Separatistengebieten im Donbass zur Krim hat Russland schon erobert, „bis auf Mariupol, das zwar zerstört, aber nicht eingenommen wurde“, erklärt Mangott.

Ein Vorstoß der russischen Truppen nach Kiew sei nach Ansicht der meisten Militärexperten zur Zeit nicht das Hauptanliegen. Es könne die „Ruhe vor dem Sturm“ sein, wie uns Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz erklärt. Die ukrainische Armee bereite sich vorerst auf einen massiven Angriff im Osten des Landes vor. 15.000 ukrainische Soldaten seien dorthin verlegt worden, sagt Wehrschütz.

Kleine Fortschritte

Nach Angaben des britischen Geheimdiensts machte die ukrainische Armee zuletzt kleine Fortschritte und eroberte einige Dörfer zurück. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskys entließ inzwischen zwei hochrangige Sicherheitsbeamte und nannte sie „Verräter“.

Russland warf der Ukraine unterdessen Luftangriffe auf russisches Gebiet vor. In der russischen Großstadt Belgorod steht ein Öldepot nach einem Luftangriff in Flammen. „Das Öldepot in Belgorod ist wichtig für die Spritversorgung der russischen Truppen“, erklärt Mangott. Die Stadt liegt nur knapp 80 Kilometer vom ukrainischen Charkiw entfernt. Die militärische Entwicklung lässt sich aber weiterhin nur schwer überblicken.

Nach aktuellen Angaben von Amnesty International attackieren die russischen Streitkräfte in der Ukraine wahllos dicht besiedelte zivile Gebiete und setzen auch die international geächtete Streumunition ein.

Doch mit dem Krieg, so paradox das klingt, steigen die Sympathiewerte für Putin in Russland selbst. Sanken sie Anfang des Jahres noch, liegen sie nun laut Umfragen des renommierten, unabhängigen Lewada-Centers in Moskau bei 83 Prozent.

Politologe Mangott führt das auf den „Rally ‘round the flag“-Effekt zurück, im Deutschen auch Stunde der Exekutive genannt: In Krisen- und Kriegszeiten steigt die Zustimmung für einen Machthaber. Zumindest kurzfristig.

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