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Metropole Mailand ruft Notstand aus

27.06.2022 • 14:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wasser gegen die brütende Hitze in Mailand.
Wasser gegen die brütende Hitze in Mailand. (c) AP (Luca Bruno)

Am Wochenende wurde die Wasserversorgung gedrosselt.

In Italien spitzt sich die Lage der Wasserversorgung wegen der seit Wochen anhaltenden Dürre weiter zu. Die großen italienischen Flüsse, etwa der Po oder die Adda sind zum Teil ausgetrocknet. Daher befürchten die Behörden die Stilllegung von Wasser- und Elektrizitätskraftwerken. Landwirtschaftsexperten prognostizieren massive Ernteausfälle, da die Wasserversorgung nicht mehr garantiert wird. Ein Problem ist dabei, dass aufgrund des geringen Wasserdrucks im Po-Delta Salzwasser aus dem Meer flussaufwärts drängt und die Bewässerung der Reis- und Kornfelder unmöglich macht.

Nachdem die norditalienische Region Piemont bereits vor zehn Tagen den Notstand verkündet hatte, hat nun die Region Lombardei nachgezogen. Am Wochenende rief Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala den Notstand für die Finanzmetropole aus, drosselte die Versorgung von Trinkwasser und untersagte den Wasserzufluss in rund 50 der insgesamt hundert Mailänder Stadt-Brunnen. Die Temperatur in Wohnungen, Büros und Geschäften soll nicht unter 26 Grad gesenkt werden.

Regierung erwägt Wasserrationierung tagsüber

Regionalpräsidenten und andere Verantwortliche fordern die Ausrufung des nationalen Notstands. Damit würde Rom zu Finanzhilfen gezwungen sein. Und eine zentrale Stelle würde die Verteilung des knappen Wassers auf Haushalte, Landwirte, Stauseen und Energieversorger übernehmen. Denn “Hilfe von außen” ist kaum zu erwarten. “Nur eine Behörde mit einem Regierungsmandat kann sich durchsetzen und den provinziellen Egoismus beenden”, betonte der Präsident des Wasserverbandes Anbi, Massimo Gargano. Er unterstrich damit die Notwendigkeit eines staatlichen Eingriffs. Denn die meisten Regionen scheiterten bisher, als sie ihre Nachbarn um Wasserunterstützung baten.

Lago Maggiore
Eine Archivaufnahme des Lago Maggiore im Normalzustand.AP

Dadurch ist das Volumen, das für die Bewässerung in der Landwirtschaft und die Energieerzeugung in einem nahe gelegenen Wasserkraftwerk zur Verfügung steht, nach Auskunft des zuständigen Konsortiums innerhalb eines Jahres von 95 Prozent des Höchststandes in der vergangenen Woche auf 20 Prozent eingebrochen: das niedrigste Niveau seit 1946. Im Comer See sind es nur noch rund 13 Prozent der Höchstmenge. Relativ gut davon kommt noch der Gardasee, der aber seinerseits seine Reserven nicht abgeben will.

Dem Ansuchen wurde bislang nicht nachgekommen. Die Bitte wurde mit der Begründung abgelehnt: Primär müsse die Versorgung der Wasserkraftwerke in der Schweiz garantiert werden. Auch die Schweiz habe nicht genug Wasser, um es abzulassen, begründet Stadtrat Norman Gobbi aus dem Tessin die verweigerte Hilfe.

Aber es geht nicht nur um die durch die Dürre verursachte mangelnde Versorgung mit Trinkwasser. Italiens Reis- und Getreideernte droht infolge mangelnder Wasserversorgung bis zu 30 Prozent zurückzugehen. Und die Energieversorgung ist nicht nur infolge rückläufiger russischer Erdgas- und Erdöllieferungen in Gefahr – denn manch ein italienisches Wasserkraftwerk musste bereits stillgelegt werden. “Es handelt sich hier nicht um einen einmaligen Notstand, sondern um eine durch den Klimawandel bedingte Krise. Eine Realität, der wir ins Auge schauen und mit Investitionen zuvorkommen müssen”, mahnte Susanna Genni, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskommission im Parlament.