International

Schweiz behandelt doch Kriegsopfer im Spital

23.07.2022 • 12:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die medizinische Versorgung in der Ukraine ist stark beeinträchtigt. Neben Österreich und anderen Ländern nimmt nun doch auch die Schweiz Verletzte auf
Die medizinische Versorgung in der Ukraine ist stark beeinträchtigt. Neben Österreich und anderen Ländern nimmt nun doch auch die Schweiz Verletzte auf AP

Nach einem Veto und einer heftigen Debatte folgt die Schweiz nun doch dem Beispiel Österreichs und behandelt verletzte Ukrainer.

Die Schweizer Kantone hatten sich offen gezeigt, der Bund legte aber ein Veto ein: Für großes Unverständnis sorgte die Weigerung unseres Nachbarlandes, verletzte Menschen aus den ukrainischen Gebieten zur Behandlung in Schweizer Spitälern aufzunehmen. Grund für die Ablehnung war die Befürchtung, es könnte neutralitätsrechtliche Hindernisse geben: Würde militärisches Personal unter den Verwundeten sein, müsste die Schweiz dafür sorgen, dass diese Menschen nach einer allfälligen Genesung nicht wieder in den Kriegsdienst zurückkehren, sonst wäre durch den Ablauf die neutrale Position verletzt. Nach heftigen Diskussionen und Aufrufen zahlreicher Persönlichkeiten konnte nun offensichtlich doch ein Weg gefunden werden. Vize-Staatssekretär Johannes Matyassy argumentierte, die ursprünglich eingegangene Nato-Anfrage hätte keine Möglichkeit beinhaltet, auf die Auswahl der Verletzten Einfluss zu nehmen, das habe man nun gelöst.

Die Ukraine bittet demnach um Aufnahme von 155 Menschen, dabei soll es sich hauptsächlich um Kinder, jedenfalls um Zivilisten handeln. Die jeweilige Entscheidung liegt beim Bundesamt für Gesundheit. Allerdings wollen die Eidgenossen weiterhin dazu beitragen, dass die medizinische Versorgung in der Ukraine besser wird und stellt medizinische Produkte sowie Ausbildungsmöglichkeiten für Personal zur Verfügung.

In der Schweiz wurde im Zuge der Auseinandersetzung immer wieder das ebenfalls neutrale Österreich genannt. In der Tat hat Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Aufnahme von bis zu 100 Menschen vereinbart, die auch bereits in österreichischen Spitälern behandelt werden. Auch in diesem Fall handelt es sich um Zivilpersonen, vor allem aber um Frauen und Kinder. Wie es dazu aus dem Bundeskanzleramt heißt, soll dabei besonderes Augenmerk auf die Rehabilitation gelegt werden; gerade bei schwer verletzten Kindern, denen etwa Gliedmaßen amputiert werden mussten, sollen die Spätfolgen so gering wie möglich gehalten werden.

Abgewickelt werden die Maßnahmen, die wegen des Transports aus dem Kriegsgebiet und über weite Strecken hinweg nicht einfach sind, über die AUVA. Eingebunden in die Prozesse ist auch Peter Maurer, der Präsident des Internationalen Roten Kreuzes.