International

Donald Trump lässt Gerüchteküche weiterhin brodeln

27.07.2022 • 12:34 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Wird Trump abermals Präsident der USA?
Wird Trump abermals Präsident der USA? APA/AFP/MANDEL NGAN

Nach monatelangen Andeutungen wird eine erneute Kandidatur von Donald Trump immer wahrscheinlicher.

Donald Trump saugte den Jubel auf, als er im Ballsaal des Marriott Masquis Hotels in Washington, DC, aus der Kulisse trat. Zu den Klängen von „Proud to be an American“ wartete er einen kurzen Moment neben dem Rednerpult, posierte für die zahlreichen Handyfotos, die das Publikum des America First Policy Institute Summits vor seiner Rede schnappen wollten. Der Ex-Präsident war zu Gast bei Freunden. Die Konferenz wurde ausgerichtet von Alumni seiner Administration und soll seine Agenda vorantreiben. Für viele gilt der Think Tank als Rohbau einer zweiten Trump-Regierung.

Teleprompter statt freie Rede

Das abgewählte Staatsoberhaupt hielt eine kontrollierte Rede. Anders als während seiner Wahlkampfrallies im ganzen Land hielt er sich überwiegend an den Teleprompter, sprach vor allem über öffentliche Sicherheit und Kriminalität – Themen, die die Republikaner vor den Zwischenwahlen im November als Gewinner ausgemacht haben. „Amerika zuerst muss heißen Sicherheit zuerst“, so Trump. Über seine eigene Zukunft sagte er nichts. Nur so viel: Es gebe viel zu tun, „wenn ein republikanischer Präsident 2024 das Weiße Haus zurückerobert“, so Trump. „Ich glaube stark, dass das passiert.“

Es war das erste Mal seit dem 20. Januar 2021, dass Donald Trump wieder in der amerikanischen Hauptstadt verweilte. Damals hatte er nur wenige Stunden vor Ablauf seiner Amtszeit Washington via Air Force One verlassen und sich auf seinen Privatsitz in Florida bringen lassen. An der Vereidigung seines Nachfolgers Joe Biden nahm er nicht teil. Seitdem ist Trumps Fußabdruck im District of Columbia weiter geschrumpft. Jüngst verschwand sein Name auch von der Front des Old Post Office Buildings, in dem das Trump International Hotel seinen Sitz hatte. Heute beherbergt das wenige Blocks vom Weißen Haus gelegene historische Gebäude ein Waldof Astoria.

Kandidatur 2024?

Doch geht es nach Trump, dann ist seine längerfristige Rückkehr in die Hauptstadt nur eine Frage der Zeit. Seit Monaten macht der Ex-Präsident Andeutungen, er werde 2024 erneut für die Präsidentschaft kandidieren. Er habe seine Entscheidung längst getroffen, sagte er kürzlich dem New York Magazine. Die eigentliche Frage sei nur noch, ob er sie vor oder nach den Midterm-Wahlen im November verkünden werde.

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Trump noch einmal antritt. Und warum auch nicht? Sein Nachfolger steht in Umfragen miserabel da. Geld hat er in den vergangenen 17 Monaten genug gesammelt, um mit voller Wucht in den Wahlkampf ziehen zu können. Eine frühe Kandidatur könnte andere ambitionierte Republikaner davon abhalten, selbst Anlauf aufs Weiße Haus zu nehmen. Und: Als erklärter Kandidat könnte US-Justizminister Merrick Garland womöglich unwilliger sein, Trump wegen seines Umsturzversuchs nach der verlorenen Wahl von 2020 anzuklagen.

Denn Ärger mit dem Gesetz verfolgt Trump auch nach seiner Präsidentschaft weiter. In den vergangenen Wochen hatten Anhörungen im Repräsentantenhaus immer wieder seine Rolle beim Sturz auf das Kapitol am 6. Januar in die Öffentlichkeit getragen, als ein von Trump aufgeputschter Mob versucht hatte, die Ratifizierung des Wahlsieges von Biden durchzuführen. Auch das Justizministerium ermittelt in dieser Sache. Weitere Prozesse sind in Bundesstaaten wie New York und Georgia anhängig. Das Weiße Haus wäre für den Ex-Präsidenten damit womöglich der Schutz vor dem Gefängnis.

Republikaner würden Wiederantritt unterstützen

An den Republikanern wird eine erneute Kandidatur wohl nicht scheitern. Rund die Hälfte der Parteigänger unterstützen einer Umfrage im Auftrag der New York Times zufolge Trumps erneute Ambitionen auf die Präsidentschaft. 25 Prozent würden stattdessen lieber Ron DeSantis, den Gouverneur von Florida, als den Kandidaten ihrer Partei sehen. Andere mögliche Bewerber, wie Ex-Vize-Präsident Mike Pence, Ex-Außenminister Mike Pompeo oder Senator Ted Cruz aus Texas krebsen im einstelligen Bereich herum. Trump ist also der Favorit. Und das mit Abstand.

Ob das jedoch reichen wird, um als zweiter Präsident nach Grover Cleveland zwei nicht direkt aufeinanderfolgende Amtszeiten im Weißen Haus zu verbringen, ist eine andere Frage. Zwar sehen manche Umfragen Trump mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2024 vor Präsident Biden und Vize-Präsidentin Kamala Harris, doch so weit vom Wahltag entfernt ist ihre Aussagekraft äußerst überschaubar – zumal auch die Demokraten in mehreren Studien vorne liegen.

Ganz auf Spekulationen wollte Trump gleichwohl auch während seiner Rede in DC nicht verzichten. „Ich habe es zweimal geschafft“, so der Ex-Präsident fälschlicherweise über einen vermeintlichen Wahlsieg 2020. „Und wir müssen es vielleicht noch einmal tun.“