International

Ukrainische Kultur mit 3D-Scans retten

28.08.2022 • 09:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Bewahrung der Ukraine, fernab von russischen Bomben, als 3D-Scan
Die Bewahrung der Ukraine, fernab von russischen Bomben, als 3D-Scan (c) Skeiron

App soll helfen, die kulturelle Identität des Landes zu bewahren.

Die Ukraine ist nicht mehr dasselbe Land wie noch vor gut sechs Monaten: Seit den Morgenstunden des 24. Februars ist man permanent der systematischen und mutwilligen Zerstörung der russischen Invasoren ausgesetzt. Viele Tausende Menschen starben, ein Drittel der Bevölkerung wurde zur Flucht gezwungen: Der UNHCR hat über elf Millionen Grenzüberquerungen aus der Ukraine registriert, innerhalb des Landes sind 6,6 Millionen Menschen auf der Flucht (Stand: August 2022). Abseits der Gefahr gegen Leib und Leben legt Russland die Ukraine mit jedem weiteren Kriegstag mehr in Schutt und Asche.

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Für größere Kulturstätten und Bauwerke, die von Menschenhand schwierig zu erfassen sind, gibt es eine Kollaboration mit dem ukrainischen Unternehmen “Skeiron”, das eine Laser-, Fotogrammetrie- und Punktwolken-Software für großflächige Scans einsetzt. Die Aufgabe von Skeiron ist es, die wichtigsten Bauwerke des architektonischen und künstlerischen Erbes der Ukraine zu erfassen, von außen wie von innen: So kann man die Kulturstätten, wie im echten Leben auch, betreten und nach Belieben hinein-, hinaus- und umherzoomen.

“Unser 3D-Modellierungsarchiv umfasst bereits mehr als 100 Objekte. Dies ist aber nur ein Teil aller Denkmäler der Ukraine. Deshalb scannen wir weiter”, sagt das Unternehmen gegenüber der Kleinen Zeitung. “Wir haben Listen von Objekten, aus allen Regionen der Ukraine, die noch gescannt werden müssen.” Je schneller, desto besser. Denn: “Im Falle einer Zerstörung sind die Scans wichtig für den Wiederaufbau der Gebäude.”

3D-Scan
Die Kirche des Heiligen Andreas und Jehoschua.Sonstiges

Das ukrainische Kulturministerium registrierte bereits bis Juni um die 400 Kriegsverbrechen gegen das kulturelle Erbe: Religiöse Gebäude litten am meisten unter den Angriffen: Kirchen, Museen, Theater und Bibliotheken sowie zahlreiche weitere öffentliche Gebäude wie Universitäten fielen den russischen Truppen zum Opfer. Mit dem Auslöschen von Architektur gerät die gesamte ukrainische Identität – Kultur, Sprache, Literatur, Musik – in Gefahr. Das Projekt Backup Ukraine, trägt nun zur Bewahrung der Einzigartigkeiten der europäischen Nation bei.

“Die Zerstörung des kulturellen Erbes ist ein Kriegsverbrechen im Sinne der Haager Konvention von 1954. Die Verbrecher werden auf jeden Fall zur Rechenschaft gezogen werden”, sagte Kateryna Chuyeva, stellvertretende Ministerin für Kultur und Informationspolitik der Ukraine. Eine eigens eingerichtete Website des Ministeriums listet alle erfassten Beschädigungen auf. Doch der zuständige Minister, Oleksandr Tkatschenko, macht auch klar: “Solche Verbrechen der Angreifer können unsere Identität nicht zerstören, im Gegenteil, sie haben die Ukrainer nur geeint.”

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Der Gedanke, so viel wie möglich des Landes zu retten und das historische Gedächtnis vor den zerstörerischen Einflüssen der Zeit zu bewahren, scheint eine perfekte Antwort an Kriegstreiber Wladimir Putin zu sein, der die Souveränität der die Ukraine bekanntlich in keiner Form anerkennen will.

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