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Geliebt und gejagt: Vor 25 Jahren starb Lady Diana

31.08.2022 • 13:08 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Prinzessin Diana mit ihrem Sohn Prinz Harry. <span class="copyright">REUTERS</span>
Prinzessin Diana mit ihrem Sohn Prinz Harry. REUTERS

Heute vor 25 Jahren starb Lady Diana 36-jährig – nach einer Hetzjagd in einer Unterführung in Paris. Das Verhältnis der britischen Royals zu den Medien blieb seitdem gefährlich ambivalent.

“Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Tag auf eine Hochzeit gehen. Als Braut. So in der Art ist mein Leben.” So sprach Prinzessin Diana, die heute vor 25 Jahren in einer Unterführung nahe der Alma-Brücke in Paris einen tragischen Unfalltod starb. Die “Königin der Herzen”, heute wäre sie 61, lebte ein so schillerndes wie trostloses Leben am schmalen Grat zwischen medialer Überhöhung und trotzdem spürbarer Menschlichkeit, für die sie das Volk in sein Herz schloss.

Das “neue Leben” währte nur kurz

Das Foto zum Artikel ist ein ikonisches Porträt des Fotografen Patrick Demarchelier von 1990. Sieben Jahre später verbringt Diana mit ihrem neuen Freund Dodi Al-Fayed ihren letzten Urlaub. Einige Bilder, die im August 1997 in Portofino an der italienischen Riviera entstehen, bilden gut ab, was in ihr vorgegangen sein muss: eine geschiedene Frau in der zweiten Hälfte ihrer Dreißiger, einer desaströs dysfunktionalen Ehe mit Thronfolger Charles (plus dessen Jugendliebe Camilla) entkommen. Eine neue Richtung, Würde und Seelenfrieden suchend. Den Hochglanz abschütteln wollend. Vergebens, wie ihr oft verlorener Blick auf unheilvolle Art zu deuten scheint.

Trotzdem: Es wäre schlichtweg verfehlt, Diana nur als Opfer zu sehen. Die Prinzessin und die Medien – es war Hassliebe: Auf der anderen Seite war sie es, die 1995 in einem BBC-Interview genüsslich die ganz große Plattform nutzte, um mit dem Palast und ihrem Noch-Mann gnadenlos abzurechnen. Kurz darauf reichte Charles die Scheidung ein. Berichte über ihre eigene Person soll Diana durchaus aufmerksam verfolgt, die positiven mit viel Freude vernommen haben. Ging es um ihre politischen Ziele wie den Kampf gegen Aids oder ein globales Verbot von Landminen, wusste sie, Medien geschickt als Teilchenbeschleuniger im Dienste der Sache zu nutzen. Ihrer eigenen Popularität dürfte es keinesfalls geschadet haben, dass ihr ehrlich wirkendes Engagement angestrahlt wurde.

Prinzessin Diana, Rosa Monckton mit Tochter Domenica
Prinzessin Diana, Rosa Monckton mit Tochter DomenicaSonstiges

Was Diana im Leben wirklich wichtig war

Gehetzt von Paparazzi, mit Vollgas durch London: Diana ist wieder einmal auf dem Weg zu McDonald’s. Für Freizeit mit ihren Söhnen William und Harry hat die Prinzessin vieles in Kauf genommen: “Zeit mit ihren Buben war Diana heilig”, erinnert sich Rosa Monckton und zückt private Fotoalben. Die 68-Jährige war einst engste Vertraute von Diana Spencer. Kennengelernt bei einem Charity-Event, sind die beiden Mütter durch dick und dünn gegangen.

Rosa war eine der drei wichtigsten privaten Stützen Dianas im “Scheidungskampf” gegen das Königshaus. “Diana brauchte ihre Freundinnen und Rückhalt, nachdem die Scheinwerfer aus waren”, erinnert sich Monckton. “Auch sie war eine loyale Freundin, die sich vielleicht zu sehr für andere eingesetzt und sich zum Teil aufgeopfert hat. Sie wollte für alle das Beste, selbst aber hat sie im Leben viel Abneigung erfahren. Sie wurde dadurch über die Jahre immer verwundbarer”, erzählt ihre Freundin.

Zwei Jahre vor ihrem Tod hatte Diana sich bereit erklärt, die Patenschaft für Moncktons Tochter Domenica zu übernehmen. “Domenica leidet am Downsyndrom, Diana war eine Taufpatin, die sich stets um sie gekümmert hat. Ist über London ein Gewitter aufgezogen, hat sie sofort angerufen und nachgefragt, ob mit ihrem Mädchen alles in Ordnung sei.” Im August 1997 – nur zehn Tage vor Dianas tragischem Tod – schipperten Rosa und Diana seelenruhig über das griechische Mittelmeer. “Kein einziger Fotograf, niemand wusste, wo wir waren. Und wir wussten nicht, dass es unser letzter gemeinsamer Urlaub sein würde …”

Ewald Wurzinger

Aus einem 2021 veröffentlichten Bericht geht hervor, dass ein Reporter der Rundfunkanstalt gefälschte Dokumente eingesetzt hatte, um Zugang zu Diana zu erhalten. Fingierte Kontoauszüge sollten beweisen, dass sie von Menschen im Umfeld bespitzelt werde – und sie weiter aufstacheln. Später vertuschte die BBC das Fehlverhalten. Das Versagen des Senders habe zu Angst, Paranoia und Isolierung seiner Mutter beigetragen, hat der künftige britische König William keinerlei Zweifel.

Faktum ist: Auch wenn William und seine Frau Kate populär sind und den Weg in die viel diskutierte Zukunft der Monarchie deuten, eine viel – kostenintensives! – royales Mittelmaß überstrahlende Figur wie Diana gab es nach ihr nie wieder. Dass die Klatschpresse indes nach wie vor keine Skrupel hat, zuzugreifen und auszuteilen, sobald sich deftige Skandale auftun, zeigte sich nach der Flucht von Harry und seiner Frau Meghan nach Kalifornien: Andererseits nutzte der jüngere Sohn Dianas die Gewalt der Medien, als er 2021 bei US-Talkshow-Legende Oprah Winfrey mit “seiner” Königsfamilie fernabrechnete.

Nicht alle Royals können punkten

Als er und die US-Amerikanerin Rassismusvorwürfe erhoben, bot das reichlich Auflagefläche für die Polterpresse, die plötzlich auf der Seite der Royals “zu Hause” zu stehen schien. Für das Volk war das Maß überschritten, als die “Cambridges” indirekt auch die hochbetagte Königin angriffen: Von seiner Familie habe er nichts als “Schweigen und Gleichgültigkeit” erfahren, klagte Harry. Seine Frau Meghan gab nun ein neues Skandal-Interview – kurz vor dem 25. Todestag von Diana.

Auf dem Boulevard geht es auf einer schiefen Ebene weiter: In einer Welt, die auf Ausschlachtung gepolt ist und in allen digitalen Kanälen abfeuert, gerade von der “Yellow Press” Diskretion und Ethos zu erwarten, ist unrealistisch. Andererseits weiß das Königshaus gut, dass seine aus der Zeit gefallen wirkende Selbstüberhöhung vor allem aufgrund der medialen Präsenz funktioniert. Noch.

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