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Vom Ölmanager zum Kirchenoberhaupt

18.09.2022 • 21:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Erst mit 37 Jahren ließ sich Justin Welby zum Priester weihen.
Erst mit 37 Jahren ließ sich Justin Welby zum Priester weihen. APA/AFP/BEN STANSALL (BEN STANSALL)

Justin Welby (66) hat eine für einen Kleriker ungewöhnliche Biografie.

Wenn sich heute Hunderte in der Westminster Abbey und Million vor den Fernsehschirmen von Queen Elisabeth verabschieden, werden sie auch den Worten von Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, lauschen. Der 66-Jährige wird vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Predigt zum Abschied der Queen halten. Nun holt er nach, was er – wenn auch unter anderen Vorzeichen – eigentlich beim Gottesdienst zum 70. Thronjubiläum von Elizabeth II. im Juni machen wollte. Doch da musste er coronabedingt das Bett hüten.

Welby könnte man durchaus als Spätberufenen bezeichnen. Erst mit 37 Jahren ließ er sich zum Priester weihen. Nach einem Studium an der Universität Cambridge arbeitete er in Paris und London elf Jahre lang in der Erdölindustrie. Er machte Karriere. Sein Leben schien nach Plan zu verlaufen.

Doch dann brachte ein Schicksalsschlag seine Welt ins Wanken und ihn persönlich Gott näher. Der Unfalltod seiner Tochter, einem seiner sechs Kinder, führte 1989 zu einer radikalen Umorientierung. Er ließ die erfolgversprechende weltliche Laufbahn hinter sich, es folgten Theologiestudium, Priesterweihe und Dekan der Kathedrale von Liverpool, 2013 wurde er zum 105. Erzbischof von Canterbury geweiht. Dabei war er stets in Brennpunkten aktiv, nah bei den Menschen. Auch was die eigenen Schwächen betrifft. 2019 sprach er zum Welttag der seelischen Gesundheit offen über seinen Kampf gegen Depressionen. Er habe 2018 erkannt, dass er Hilfe brauche.

Welbys Leben wurde oft durch Unvorhergesehenes erschüttert. So erfuhr er erst mit 60 Jahren durch einen DNA-Test, dass er der uneheliche Sohn eines Privatsekretärs von Ex-Premier Winston Churchill ist. Nicht gerade passend für das Oberhaupt einer Kirche. Seiner Beliebtheit tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil. So wird auch heute erwartet, dass er gerade durch sein eigenes Schicksal die richtigen Worte finden wird.