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Greta Thunberg legt im Klima-Kampf nach

14.11.2022 • 17:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Greta Thunberg legt im Klima-Kampf nach
Das direkte, 512 Seiten starke Essay-Bündel ist faktenlastiges Nachschlagewerk, aber auch eine harte Abrechnung.(C) APA/AFP/Justin Tallis

Thunbergs “Klima-Buch” wird Groll ihrer Kritiker nicht kühlen.

Es ist die Quadratur des Kreises, bei gleichzeitig tickender Uhr: Der mediale Kampf um das leidende Klima bedarf einer gewissen Emotionalität, um die Menschen zu “erwischen” und die Dringlichkeit des Themas zu verdeutlichen. Zu viel davon lässt aber die latente Blockadehaltung noch viel vehementer werden. Von den durchaus diskussionswürdigen Protestmethoden gewisser Klimaaktivisten in diesen Wochen und Monaten hier einmal ganz zu schweigen.

Klima-Krise zum Nachschlagen

Greta Thunberg, seit dem Jahr 2018 und ihrem allerersten Klimastreik-Auftritt vor dem schwedischen Reichstag in Stockholm so etwas wie die allgegenwärtige Säulenheilige des Klimaschutzes und Jeanne d’Arc in der ökopolitischen Schlacht unserer Zeit, legt nun ihr “Klima-Buch” vor: Es wurde eine Enzyklopädie zu Entwicklungen, die niemand mehr mit einem nonchalanten Handstreich der Ignoranz zur Seite wischen kann – sollte man meinen.

Greta Thunberg am 11. November 2022 vor dem schwedischen Reichstag
Greta Thunberg am 11. November 2022 vor dem schwedischen ReichstagAPA
Das Klima-Buch, 512 Seiten stark, erschienen im S. Fischer Verlag, bietet eine aktuelle Übersicht aus dem Feld der Klimaforschung
Das Klima-Buch, 512 Seiten stark, erschienen im S. Fischer Verlag, bietet eine aktuelle Übersicht aus dem Feld der KlimaforschungSonstiges

“Großartiges und unterkomplexes Buch”

Rezensenten beraten noch über Wert und Schlagrichtung des “Klima-Buches”: “Großartig und unterkomplex”, befand etwa der SWR. Gelobt werden die wissenschaftlichen Kapitel, gleichzeitig wird aber für den Mangel an Verweisen auf technische Möglichkeiten zur Bewältigung der Krise getadelt. Der pauschale Vorwurf an die Medien, die Klimakrise “nicht so dargestellt, verpackt und vermittelt zu haben, wie es sein sollte”, stößt sauer auf. Klimakrise sei auch “Krise der Information” – eben diese Kritik Thunbergs greife zu kurz: Man muss davon ausgehen, dass der Abnutzungseffekt durch – berechtigte! – Kritik am Untätigsein der Welt nicht kleiner würde, bestünden Nachrichten ausnahmslos aus der Klimakrise.

Dazu kommt spätestens seit Corona unverhohlene Wissenschaftsskepsis: Sogar ZDF-Moderator Markus Lanz, der seine Rolle in seiner Sendung missverstand, forderte von der jungen “Klima-Kleberin” Carla Rochel Optimismus und Vertrauen in die menschliche Anpassungsfähigkeit. Um, auf die drohende Erderwärmung hingewiesen, allen Ernstes zu fragen: „Woher wissen Wissenschaftler das?“ Auch das “Klima-Buch”, dessen Tantiemen Thunberg spendet, trifft auf den (unbelegten) Vorwurf, man finde stets “Forscher, die einem nach der Meinung schreiben”.

In der ideologisch hocherhitzten Debatte prallt der Ball vom Berg aus Fakten ab. Thunberg zückt die Karte der Aufklärung. Als streitbare Herausgeberin eines Buches, das ohne blanken Alarmismus auf den Tisch legt, was längst unser aller Realität ist. 512 Seiten und ob ratloser Klimakonferenzen die eine Frage: Wann kommen Politik und Welt ins Tun?

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