Jahresrückblick 2021

Lecher Bürgermeister: “Ich kann nicht mehr”

08.11.2021 • 21:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stefan Jochum zieht sich zurück. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Stefan Jochum zieht sich zurück. Stiplovsek

Stefan Jochum erklärt seinen Rücktritt. Die Gründe für seinen Rücktritt.

Stefan Jochum hat nach rund einem Jahr als Bürgermeister der Gemeinde Lech überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der 55-Jährige war seit 27. September im Amt und folgte damals Ludwig Muxel nach, den nach 27-jähriger Amtszeit seinen Sessel räumen musste.

Nun wirft Jochum nach etwas mehr als einem Jahr bereits wieder das Handtuch. Gründe für den Noch-Bürgermeister, der am Freitag um 16 Uhr sein Amt niederlegen wird, waren vor allem die politische raue Diskussionskultur und persönliche Angriffe gegen ihn oder seine Mitarbeiter und politischen Wegbegleiter.

Keine gute Konstellation

Diese hätten mittlerweile „eine Regelmäßigkeit und Heftigkeit erreicht, die ich persönlich schlicht und ergreifend nicht mehr ertragen kann. Heute muss ich mir eingestehen, dass es mir trotz all meiner Bemühungen nicht gelungen ist, eine Kultur des wertschätzenden Umgangs auf Augenhöhe in den politischen Debatten zu etablieren. Ganz im Gegenteil: Das Ergebnis meines guten Willens war das, dass ich zunehmend zum Sündenbock für alle und für alles geworden bin.“
Gleichzeitig bemängelt er die Kompromissbereitschaft und die „besondere Konstellation“ in der Gemeindevertretung, weswegen in der Gemeindevertretung nur sehr wenig zu erreichen gewesen sei. Mit besonderer Konstellation meinte Jochum wohl die Verteilung der Gemeindevertreter. Denn die Liste Lech von Ex-Bürgermeister Muxel hält acht Sitze, Jochum mit seiner Liste „Unser Dorf“ hingegen nur fünf. Vier weitere Gemeindevertreter stellt „Zusammen uf Weg“ und dann sitzt noch Brigitte Finner als Einzelkämpferin von „Zukunft wagen“ in dem Ortsgremium.

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Stiplovsek

Enttäuscht

„Und so ist für mich heute ein Punkt erreicht, an dem ich leider nach reiflicher Überlegung sagen muss: Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr Bürgermeister für Lech sein, weil mir die gegenseitige Wertschätzung fehlt, weil ich keine gemeinsame Gesprächsbasis finde und weil ich letztlich deswegen, die vielen Ideen und Visionen, die ich – die wir – für Lech hatten, in dieser aktuellen Konstellation niemals umsetzen werden können. Das musste ich in den vergangenen Wochen und Tagen leider einsehen“, erklärte Jochum.
Enttäuschend bezeichnet der scheidende Bürgermeister die Debatten um das Budget und die Haushaltskonsolidierung sowie jene um das Gemeindezentrum und das damit einhergehende Ergebnis. „Es ist uns leider trotz allen Einsatzes und allen Bemühungen nicht gelungen, die Gebäudehöhen tatsächlich zu reduzieren“, heißt es in der Stellungnahme.

Als Errungenschaften zählt Jochum in seiner Amtszeit die Herausforderungen der Corona-Krise, die man „hervorragend gemeistert“ habe. Ebenso listet Jochum den Organisationsentwicklungsprozess in der Gemeinde und die Einrichtung eines Livestreams in den Gemeindevertretungssitzungen als Erfolge seiner Amtszeit sowie die Bausperre, die „dem Ausverkauf der Heimat einen wirksamen Riegel vorschiebt“, wie Jochum es nennt.

Am kommenden Freitag ist Jochums Amtszeit somit frühzeitig beendet. Interimsmäßig übergibt er an Vizebürgermeisterin Cornelia Rieser.

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