Kärnten

Mehr Gewalt auf der Straße

07.12.2020 • 14:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Opfer von Gewalt auf offener Straße müssen sich selbst Hilfe suchen
Opfer von Gewalt auf offener Straße müssen sich selbst Hilfe suchen Helder Almeida – Fotolia

“Weißer Ring” will Opfern von Gewalt im öffentlichen Raum helfen.

Einer Pensionistin wurde die Handtasche gestohlen. Der Täter attackierte die Frau so heftig, dass sie stürzte. Seitdem ist die Klagenfurterin ein Pflegefall.
Fälle von Übergriffen auf offener Straße, mit körperlichen und seelischen Folgen für die Opfer, sind nicht selten. Sie haben heuer sogar zugenommen. Die Verbrechensopferhilfe „Weißer Ring“ in Klagenfurt betreut aktuell mehrere Opfer, sagt Natalia Russinova, stellvertretende Landesleiterin. Bei diesen Straftaten konzentriere man sich meistens nur auf die Täter, sagt sie. Dabei werde vergessen, dass Opfer noch lange nach der Tat leiden.

Opfer ist nicht gleich Opfer

Der „Weiße Ring“ will allen Opfern von Gewalt im öffentlichen Raum zu ihrem Recht verhelfen, stoßt aber dabei häufig an seine Grenzen. „Aktuell ist es so, dass die Polizei bei häuslicher Gewalt automatisch eine Opferschutz-Einrichtung informiert. Im Gegensatz dazu müssen Menschen, die auf der Straße Opfer von Gewalt werden, sich selbst auf die Suche nach einer geeigneten Organisation machen“, kritisiert Geschäftsführerin Natascha Smertnig. „Was das bedeutet sehen und erleben wir gerade nach dem Terroranschlag in Wien.“

Hier erhält man Hilfe

Kontakt. Verbrechensopferhilfe „Weißer Ring“ (Villacher Straße 83, Klagenfurt) Tel. Nr. 0699-134 34 009.
E-Mail: ktn@weisser-ring.at.
Angebot. Unbürokratische und kostenlose Hilfe für alle Opfer von kriminellen Handlungen. Professionelle Beratung, Prozessbegleitung, Klärung von gesetzlichen Ansprüche (z.B. Schmerzensgeld), finanzielle Hilfe im Notfall und vieles mehr.
Wer den „Weißen Ring“ unterstützen will: www.weisser-ring.at/spenden.

Mehr Gewalt auf der Straße
Engagiertes Kärnten-Team des „Weißen Rings“: Natalia Russinova, Karin Thuller, Landesleiter Markus Tilli, Rechtsanwalt Bernd Peck (von links)Fotograf

Opfer kennen ihre Rechte nicht

Opfer wissen häufig nicht, welche Rechte sie haben und wo sie kostenlose Aufklärung und Hilfe erhalten. Wenn sie es wissen und sich endlich getrauen, den ersten Schritten zu tun, kann es passieren, dass sie beim Büro des „Weißen Rings“ in Klagenfurt vor verschlossenen Türen stehen. „Wir kämpfen gerade darum, eine Mitarbeiterin fix anstellen zu können“, sagt Smertnig. Dann könnte man fixe Bürozeiten anbieten. Derzeit gibt es Termine nur nach Vereinbarung. Man habe gehofft, dafür heuer eine (zweckgebundene) Landesförderung zu erhalten, sagt Tilli. Die Gespräche mit dem Land seien wegen der Corona-Pandemie aber auf nächstes Jahr verschoben worden.

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