Kärnten

“Waldmensch” haust wochenlang im Freien

13.03.2021 • 15:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hier hauste der Mann
Hier hauste der Mann Schild

Rumäne wurde am Freitag in einem Wald in Kärnten aufgegriffen

Freitagvormittag wurde in einem Wald bei Krumpendorf ein Mann aufgegriffen. Er hauste in einem Unterschlupf aus Ästen und Decken. Jetzt wurden weitere Details bekannt.

Der 32-jährige rumänische Staatsbürger hat den Polizisten erzählt, dass er seit etwa einem Monat in dem Wald oberhalb von Krumpendorf lebte. Sein Lager bestand aus Ästen, die mit einer Plane abgedeckt waren und mehreren Decken. Er hatte Essen (einige Wurstsemmel) bei sich und trug mehrere Schichten Kleidung. So hauste der Mann bei Minusgraden zwischen Bäumen in der Nähe eines Forstweges, etwa 50 Meter hinter einer Wohnsiedlung. Warum? “Das ist nicht klar. Er macht das angeblich schon seit einem Jahr so, dass er immer wieder in einem Wald lebt”, berichtet eine Polizistin, die vor Ort war. Das Lager des Mannes war nur zu Fuß erreichbar und lag auf einer kleinen Anhöhe. Die Polizeikaserne in Krumpendorf liegt nicht weit davon entfernt.

Zehn Meter hinter diesem umgestürzten Baum war das Lager
Zehn Meter hinter diesem umgestürzten Baum war das LagerKleine Zeitung

Ein Spaziergänger hatte den Rumänen zufällig schlafend im Wald gesehen. Weil er es nicht gewagt hatte, ihn anzusprechen, informierte der Spaziergänger die Polizei. “Der Rumäne war kooperativ und ist gleich mit uns mitgegangen, vorher hat er noch seinen Müll weggeräumt”, schildert die Beamtin. Der Betroffene habe bruchstückhaft Deutsch und Englisch gesprochen. Eine Anrainerin hat beobachtet, wie der Mann von der Polizei abgeführt wurde. Sie sagt zur Kleinen Zeitung: “Er hatte mehrere große Säcke bei sich und einen Schlafsack.” Der Rumäne wurde zur Überprüfung seines Gesundheitszustandes ins Krankenhaus gebracht. Wie es mit ihm weitergeht, sei noch unklar, sagt Polizeisprecherin Waltraud Dullnigg.

Fast verhungerter Aussteiger

Der Fall erinnert ein an einen Kärntner, der im Jahr 2019 in einer Waldhütte bei Wernberg aufgegriffen wurde: In einer abgelegenen Hütte war damals ein stark dehydrierter und extrem abgemagerter junger Mann gefunden worden. Er kauerte am Boden und war nur noch Haut und Knochen. Der 32-jährige „Aussteiger“ hatte allein dort gelebt, bis ihn ein Wanderer fand und rettete.

Waldmensch und Taliban

Im Jahr 2012 wurde bei Lavamünd eine Frau aufgegriffen, die mit ihrem drei Monate alten Baby im Wald lebte. Zuvor war sie mit ihrem Lebensgefährten, einem 27-jährigen Deutschen, zwei Jahre lang durch Wälder gewandert. Sie ernährten sich von Lebensmittel-Abfällen und sollen für eine Reihe von Einbrüchen verantwortlich gewesen sein. Der Mann wurde später, im Jahr 2013, in Slowenien verurteilt. Der Fall erregte besondere Aufmerksamkeit, weil es sich bei dem Deutschen um einen zum Islam übergetretenen Konvertiten handelt. Vor Gericht erschien er im Stil der Taliban gekleidet, inklusive Turban.