Kärnten

Urteil: 15 Monate Haft für Unglücksfahrer

24.08.2021 • 16:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Prozess am Landesgericht Klagenfurt
Prozess am Landesgericht Klagenfurt Martinz

Landesgericht Klagenfurt: 19-Jähriger alkoholisiert mit 148 km/h im Ortsgebiet

Er ist der einzige Überlebende einer Tragödie, die sich in der Nacht zum 6. März 2021 auf dem Klagenfurter Südring ereignete: am heutigen Dienstag stand ein 19-jähriger Klagenfurter vor Richter Alfred Pasterk ihm wurde zur Last gelegt, bei einem Autounfall grob fahrlässig den Tod zweier Pkw-Insassen (18, 19) herbeigeführt zuhaben.

Urteil

Kurz vor 15 Uhr kam es am Landesgericht Klagenfurt zum Urteil. 15 Monate Freiheitsstrafe, davon 10 Monate bedingt und 5 Monate unbedingt für den 19-jährigen Unfalllenker. Zusätzlich muss der Unglücksfahrer 4000 Euro Trauerschmerzensgeld an die Hinterbliebenen entrichten und bekommt eine Bewährungshilfe zur Seite gestellt. Der 19-Jährige nahm das Urteil an, die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Rechtsmittel, damit ist das Urteil rechtskräftig.

Der Prozesstag

Laut Strafantrag hat der 19-jährige Angeklagte das Auto – einen 5er BMW – gelenkt. Der junge Mann ist nicht nur viel zu schnell gefahren, sondern war auch alkoholisiert. „Bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h war er mit einer absolut überhöhten Geschwindigkeit von zumindest 148 km/h gefahren“, heißt es im Strafantrag. Und er sei “im alkoholisierten Zustand” gewesen – mit 0,3 Promille.

Beim Prozess sind am Vormittag zahlreiche Zeugen vernommen worden. Staatsanwältin Tina Frimmel-Hesse wirft dem jungen Mann grob fahrlässige Tötung vor. Vor Richter Alfred Pasterk zeigte sich der Mann geständig, an den Unfall selbst kann er sich aber nicht mehr erinnern.

Urteil: 15 Monate Haft für Unglücksfahrer
Angehörige und Freunde der Unfallopfer vor dem Landesgericht KlagenfurtKleine Zeitung

Zu dem folgenschweren Verkehrsunfall war es in der Nacht auf Samstag, den 6. März, gekommen. Laut Strafantrag kam das Fahrzeug von der Straße ab, flog mehr als 30 Meter durch die Luft und prallte mit knapp 100 km/h gegen eine Hausmauerkante. Die zwei jungen Beifahrer waren sofort tot, der 19-Jährige selbst erlitt schwere Verletzungen.

Keine Zweifel, wer der Fahrer war

Laut dem medizinischen Sachverständigen Wolfgang Tributsch hatte er ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma davongetragen. Dazu war sein Schlüsselbein gebrochen, er hatte eine Rippen-Serienfraktur samt Lungenkollaps, Leber und Milz waren verletzt, mehrere Wirbelfortsätze gebrochen. Zahlreiche Hautabschürfungen und Hämatome kamen noch dazu. Die Art der Verletzungen habe insgesamt ergeben, dass der 19-Jährige gefahren sei. Die Obduktion an den beiden Todesopfern habe zudem in der Rekonstruktion unzweifelhaft ergeben, dass die beiden am Beifahrersitz bzw. Rücksitz gesessen seien, als der Unfall geschah.

Pandemieparty in Tiefgarage

An jenem verhängnisvollen Abend gab es eine Pandemieparty, wie es der Richter nannte, und zwar in der Tiefgarage einer Klagenfurter Bank. Rund 25 junge Leute nahmen teil, es wurde Bier getrunken, war eine Kiste leer, wurde bei einer Tankstelle Nachschub geholt. Der Angeklagte habe im Lauf der Nacht immer wieder andere Partygäste zu einem Rennen aufgefordert, es sei aber niemand darauf eingestiegen, sagte eine Jugendliche. Gegen 2.30 Uhr fuhr der Angeklagte mit seinen beiden Freunden noch einmal “zu einer Runde” aus der Garage. Praktisch alle Zeugen bestätigten, dass er das Fahrzeug, das dem Beifahrer gehörte, gelenkt hatte, ebenso, dass sie ihn Bier trinken gesehen hätten. Ein Zeuge sprach sogar von fünf Bier, die der 19-Jährige konsumiert hätte. Laut Gutachten hatte er 0,3 Promille Alkohol im Blut.

Freundin am Telefon

Die Freundin des Autobesitzers sagte aus, sie habe in der Nacht einen Anruf von ihrem Freund erhalten, als die drei mit dem Auto unterwegs waren. “Er hat mehrmals zu B. gesagt, er soll nicht so schnell fahren“, sagte die Zeugin. Sie habe ihren Freund ersucht, das Telefon auf Lautsprecher zu stellen. “Ich habe ihn dann gebeten, langsamer zu fahren, aber er hat nur gelacht. Danach habe ich noch das Motorengeräusch gehört und dann war nur noch ein Rauschen.”

Eine Zeugin, die sofort zum Unfallort gefahren war, als sie von dem Crash erfuhr, sagte, der Angeklagte sei bereits einige Meter neben dem Wrack gelegen, als sie gekommen sei. Sie habe mit ihm gesprochen, er habe ihr zweimal gesagt, der Autobesitzer sei gefahren. Die beiden Toten habe sie nicht gesehen.

Nach der Mittagspause stand die Vernehmung weiterer Zeugen sowie die Erörterung von Gutachten am Programm. Das Urteil erfolgte am Nachmittag.

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