Kärnten

Kärnten: Verdacht auf illegale Lerngruppen

27.09.2021 • 13:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im häuslichen Unterricht fallen soziale Kontakte weg (Sujetbild)
Im häuslichen Unterricht fallen soziale Kontakte weg (Sujetbild) vejaa – stock.adobe.com

Rund 450 Kärntner Schüler werden derzeit zu Hause unterrichtet.

Bereits in den ersten beiden Schulwochen sieht sich die Bildungsdirektion mit Verdachtsfällen von illegalen Lerngruppen konfrontiert. In Villach werden laut Magistrat in einem privaten Wohnhaus etwa zehn Kinder, die von ihren Eltern von der Schule abgemeldet worden sind, unterrichtet. Der Kleinen Zeitung wurden jetzt noch zwei angebliche Fälle aus Ober- und Mittelkärnten bekannt. Nähere Informationen gibt es derzeit noch nicht.

“Private Lerngruppen, in denen sich Schüler zusammenschließen, um gemeinsam zu lernen, sind grundsätzlich nicht verboten und unterliegen wohl auch nicht dem Privatschulrecht. Das Privatschulgesetz zieht allerdings sehr strenge Grenzen, was den Begriff der Privatschule betrifft”, sagt Rechtsanwältin Elisa Florina Ozegovic. Der Definition nach ist eine Privatschule eine “Einrichtung, in der eine Mehrzahl von Schülern gemeinsam nach einem festen Lehrplan unterrichtet wird, wenn im Zusammenhang mit der Vermittlung von allgemeinbildenden oder berufsbildenden Kenntnissen und Fertigkeiten ein erzieherisches Ziel angestrebt wird.”

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“Sobald systematischer Unterricht mit schulischen Strukturen angeboten wird, umso mehr, wenn dies entgeltlich erfolgt, sind wohl die Maßgaben des Privatschulgesetzes einzuhalten”, sagt Ozegovic. Dieses enthalte, so die Rechtsanwältin, sehr strenge Voraussetzungen für den Betrieb einer Privatschule. Im Einzelfall komme es aber auf Details an. Um einen konkreten Sachverhalt seriös kommentieren zu können, müssten sämtliche Details bekannt sein. “Jedem Elternteil, der in Erwägung zieht, eine Lerngruppe ins Leben zu rufen, ist dringend zu raten, sich im Vorfeld durch einen Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin beraten zu lassen”, sagt Ozegovic.

Laut Gesetz ist die Errichtung einer Privatschule mindestens drei Monate vor der geplanten Eröffnung anzuzeigen und ein entsprechender Nachweis der Erfüllung der Bestimmungen vorzulegen. Die Schulbehörde kann die Eröffnung der Privatschule untersagen.

Warnung vor “Parallelstrukturen”

Bildungsreferent Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) warnt vor “Parallelstrukturen” und kündigte bereits an, die Entwicklung des Heimunterrichts zu beobachten und zu kontrollieren. “Was die Frage der Kontrolle des häuslichen Unterrichts betrifft, ist die Bundesregierung respektive der Bundesgesetzgeber gefordert, rasch für klare Möglichkeiten zu sorgen. Zum Beispiel, um eine Überprüfung des Lernfortschrittes nicht nur einmal, sondern zumindest zweimal pro Schuljahr an von der Behörde vorgegebenen Einrichtungen durchzuführen”, sagt Andreas Schäfermeier, Kaisers Pressesprecher.

Auch nicht genehmigtem Gruppenunterricht müsse, so Schäfermeier, der Riegel vorgeschoben werden: “Festgehalten wird auch, dass versuchte Umgehungen umgehend bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zur Anzeige gebracht werden.”

Hand bleibt ausgestreckt

Die Hand in Richtung unzufriedener Eltern bleibe seitens des Bildungsreferenten und der Bildungsdirektorin Isabella Penz weiterhin ausgestreckt, erklärt Schäfermeier. Eine allfällige Schulabmeldung kann noch immer zurückgenommen werden. “Wir bitten alle Eltern, sich eine Abmeldung ihres Kindes oder ihrer Kinder nochmals zu überlegen. Es geht nicht nur um die pädagogische Qualität, die in unseren Bildungsinstitutionen ständig überprüft wird, sondern auch um das soziale Lernen und das soziale Gefüge mit Gleichaltrigen”, sagt der Pressesprecher.