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Aus einem Ballen Stoff Wunder zaubern

Einzigartige Handtaschen und Schmuckstücke entwirft und fertigt Barbara Schröder (58) von Hand in ihrem Atelier „Schroederbags & Accessoires“ in Dornbirn. Jedes Accessoire ist ein Einzelstück mit Geschichte. Denn die Stoffe, aus denen diese entstehen, stammen aus längst vergangenen Zeiten. Das älteste bedruckte Tuch ist aus den 1920er-Jahren.

Dunja Gachowetz

Unweigerlich folgt man mit dem Blick Barbara Schröder: Die 58-Jährige ist kurz vor ihrem Gast in ihrem Dornbirner Atelier eingetroffen, hat Schuhe und Mantel bereits abgelegt. Sie bewegt sich, ohne auf die auf dem Boden ausgebreiteten Skizzen, Stoffproben und Büchern zu steigen, in die Richtung ihres Arbeitstisches. Auf diesem liegen auf einer grünen Unterlage kleine Kugeln, dünne Drähte, ganz eng gewickelte kleine Stoffrollen und diverse Steine. Es sind die Einzelteile, welche als Ganzes einmal ein Schmuckstück ergeben sollen. Entworfen und gefertigt von Barbara Schröder.

Aber nicht nur Halsketten und Ohrringe entwirft die gebürtige Westberlinerin, die seit mittlerweile 28 Jahren in Vorarl­berg sesshaft ist. Auch von ihr gefertigte Taschen, Kissen und Schmuck für die Handgelenke sind in dem Atelier zur Schau gestellt. Eines haben jedoch alle Stücke gemeinsam. Die unterschiedlichen Blickfänger bestehen überwiegend aus Stoff.

Stoff aus den 1920er-Jahren

Die Liebe zu diesem facettenreichen Material entflammte bei der charmanten und quirligen Frau in ihrer Kindheit. Doch damals noch eher unbewusst und auf kleiner Flamme. „Denn in der Schule hat mich Nähen überhaupt nicht interessiert“, erzählt sie. Dennoch war sie immer fasziniert davon, welche Wunder die Schneiderin aus einem Stoffballen zauberte, wenn sie für ihre Mutter und die Töchter des Hauses Kleider fertigte. „Aber gefragt wurde ich nicht, was mir gefällt. Ich musste anziehen, was mein Mutter für gut befunden hatte“, sagt Schröder und lächelt.

Noch gut sind ihr die mahnenden Worte der Mutter im Ohr, als sie flügge geworden war: „Jetzt gibt es niemanden mehr, der für dich nähen wird.“ Die junge Frau dachte: Endlich kann ich meine Vorstellungen von Mode umsetzen. „Ich habe mir eine Nähmaschine gekauft und einen Kurs absolviert. Wie eine Verrückte habe ich genäht.“ Doch nach ein paar Jahren der kreativen Entfaltung ist dieser Zauber vorbei gewesen und die Wahl-Dornbirnerin verbannte sämtliche Utensilien in den Schrank. So auch unzählige alte Stoffe, die sie sich von ihrer Großmutter erbettelt hatte. „Deren Schwester war Schneiderin. Leider ist sie viel zu früh verstorben, ich habe sie nicht mehr gekannt. Und all diese wunderbaren Stoffe habe ich über die Jahre aufgehoben. Der älteste ist aus den 1920er-Jahren.“

Nähen beruhigte

Über viele Jahre brannte die Leidenschaft für das Nähen nur auf Sparflamme in der Mutter eines Sohnes und einer Tochter. Doch ganz erloschen ist diese nie. Schwere Zeiten waren es, die das Feuer wieder auflodern ließen. „Ein Krankheitsfall in meiner Familie war der Auslöser, dass ich meine Nähmaschine aus dem Keller holte und wieder mit dem Nähen begonnen habe. Diese Tätigkeit hat mir sicherlich durch diese schlimme Zeit geholfen“, ist sich die für einen Moment sehr nachdenkliche und in sich gekehrte Frau sicher.

Doch nicht nur Kleidungsstücke sollten von nun an durch die Fertigkeit von Barbara Schröder entstehen, sondern auch Taschen. Aber wieso entschied sie sich gerade für dieses Accessoire? Benötigte sie gerade eine Tasche? „Nein, nein, sicherlich nicht. Ich liebe Schuhe und ich liebe Taschen. Da bin ich absolut weiblich. Aber wieso ich damals gerade eine Tasche genäht habe, ich weiß es nicht“, sagt die Frau, die gerne mit ihren Händen arbeitet. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ihre Mutter aus den unterschiedlichen Aufbewahrungsaccessoires immer das soeben benötigte herausgezaubert hat. „Egal, was wir als Kinder brauchten, wenn wir unterwegs gewesen sind, meine Mutter hatte es in ihrer Handtasche. Aber diese öffnen und einen Blick hineinwerfen, das durften wir nie. Wir durften die Tasche nur bringen“, erinnert sich Schröder. Mittlerweile weiß sie selbst, dass sich in einer Handtasche das halbe Leben einer Frau verbergen kann.

Vor vier Jahren sei dann die Schmuck- und Taschenproduktion so richtig angelaufen. Bis vergangenen September arbeitete sie noch in ihren eigenen vier Wänden in Dornbirn. „Doch dort wurde es mir mit der Zeit zu eng. Und ich hatte nicht genügend Abstand, immer die Dinge vor Augen. Das war mit der Zeit nicht gut und brachte mich auch nicht weiter.“ Daher entschloss sie sich, einen passenden Raum zu suchen.

Keine Zwillinge

Sie wurde schließlich fündig und heute sind in ihrem Atelier die unterschiedlichsten Taschen ausgestellt, jede ist ein Unikat. „Selbst wenn ich wollte könnte ich oft keinen Zwilling herstellen: Denn von manchen Stoffen habe ich eben nur so wenig, dass es gerade für ein Stück reicht“, sagt Schröder.

Aber die kommunikative Frau ist nicht nur im Atelier anzutreffen, sondern ist auch viel auf Messen vertreten. „Allein im vergangen Jahr war ich auf 20 Ausstellungen. Das war viel zu viel und bei manchen war ich fehl am Platz. Das ist halt das Lehrgeld, das ich zahlen musste. Aber ich habe auch interessante Menschen kennengelernt“, erzählt sie. Mit direkter Kritik umzugehen, das musste sie auch lernen, als sie sich aus ihrer geschützten Umgebung hinaus in die Welt der Messen gewagt hat. „Denn da gab es schon auch Menschen, die einem direkt ins Gesicht sagten, dass ihnen die Krea­tionen nicht gefallen.“

Derzeit arbeitet Schröder an den Entwürfen für eine neue Kollektion. Für diese holt sie sich Inspiration bei alten Gemälden aus dem Mittelalter. „Bis zum Herbst hoffe ich, dass ich die Kollektion zu diesem Thema fertiggestellt habe. Aber es kann auch passieren, dass ich die Entwürfe auf ein Tablett lege, mit einem Tuch zudecke und erst nach einem Jahr wieder hervorhole. Denn so lange kann es dauern, bis ich wirklich zufrieden damit bin“, sagt sie und lächelt. Denn sie weiß, manchmal lassen sich ihre Vorstellungen nicht so einfach in die Realität umsetzen – zumindest nicht im Moment.

‚‚ In der Schule hat mich Nähen gar nicht interessiert. ‚‚

Barbara Schröder

Information

Schroederbags&
Accessoires

Inhaberin: Barbara
Schröder

Adresse: Bürogebäude „mono“ 2. Etage Lustenauer Straße 56, 6850 Dornbirn

Kontakt

Tel. 0650/464 85 20

E-Mail:
info@schroederbags.at

Website:
www.schroederbags.at

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