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Vollblutunternehmerin mit Faible für Geschichte

Friederike Hehle beschäftigt sich gerne mit der ­Vergangenheit. Als Inhaberin der Geschichts-­Agentur „historizing“ verrichtet sie vor allem im Auftrag von Unternehmen Detektivarbeit.

Von Michael Steinlechner

Vor fünf Jahren hat sich Friederike Hehle etwas getraut. Sie hat mit „historizing“ den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Mit der Agentur für Geschichte wollte die 40-Jährige die Verantwortlichen von Unternehmen, Vereinen und anderen Institutionen ansprechen. Sie bot an, die Geschichte der Einrichtungen aufzuarbeiten und das Ergebnis der Recherche professionell zu präsentieren. Ebenso wollte sie dabei helfen, die Historie gezielt in der Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Und aus heutiger Sicht ist ihr Konzept aufgegangen. „Das erste Jahr war nicht einfach. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich Aufträge bekommen habe. Dann sind die Dinge jedoch gut in Fluss gekommen“, erzählt die Unternehmerin.

Zu Beginn ging es vor allem darum, die Bekanntheit ihrer Agentur zu steigern. Auch aus diesem Grund hat die Dornbirnerin 2014 an einem Videowettbewerb der Wirtschaftskammer für Ein-Personen-Unternehmen teilgenommen, den sie prompt gewonnen hat. Doch nicht nur von der Auszeichnung hat Hehle profitiert. Auch Mundpropaganda kam ihr zugute. Und natürlich ist sie selbst auf Unternehmer zugegangen. Beispielsweise hat sie sich angeschaut, bei welchen Betrieben ein Jubiläum ansteht und hat deren Verantwortliche angesprochen. Einfach war dies jedoch nicht, denn vielfach fehlte das Bewusstsein für die Bedeutung der eigenen Firmenhistorie. „Dabei ist die Geschichte eines Unternehmens ein Schatz, der frei zur Verfügung steht. Sie muss nur genutzt werden“, ist sich die 40-Jährige sicher.

History Marketing. Darum versucht sie, auch selbst einen Beitrag zu leisten, um die Bedeutung der Firmenvergangenheit aufzuzeigen. In Vorträgen oder Seminaren informiert die Dornbirnerin, die Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften studiert hat, zum Beispiel über History Marketing. Also die Möglichkeit, den Werdegang des eigenen Betriebs in der Unternehmenskommunikation einzusetzen. Ebenso betreibt Hehle einen Blog, in dem sie sich mit dem Thema auseinandersetzt. Auch Berichte über Besuche in Firmenmuseen sind zu lesen. „Ich war überrascht, wie viele solcher Ausstellungen es im Bodenseeraum gibt. Es ist gar nicht notwendig, weit zu fahren“, erzählt die Unternehmerin. Im Blog berichtet sie etwa vom Besuch im Museum des Spieleherstellers Ravensburger oder jenem des Wohnwagenherstellers Hymer in Bad Waldsee in Baden-Württemberg.

Die Einrichtung einer solchen Ausstellung ist natürlich mit einem gewissen (finanziellen) Aufwand verbunden. Für viele Klein- und Mittelbetriebe in Vorarlberg dürfte ein eigenes Museum daher wohl eher schwer umsetzbar sein. Doch darum geht es Hehle gar nicht. Sie möchte aufzeigen, welch vielfältige Wege es gibt, die Firmengeschichte zu nutzen. „Das kann schon damit beginnen, regelmäßig historische Fotos aus dem Unternehmensalltag auf sozialen Medien zu posten. Denn solche Bilder kommen in der Regel gut an“, erläutert die Expertin.

Zahlreiche Projekte hat sie in den vergangenen fünf Jahren für ihre Kunden realisiert. Darunter waren sieben oder acht Publikationen, die zu speziellen Anlässen herausgegeben wurden – etwa ein Buch zum 350-Jahr-Jubiläum der Stadt-Apotheke in Bregenz oder ein Kunstkalender zum elfjährigen Bestehen von Vpack. Daneben hat Hehle auch zahlreiche Rechercheaufträge durchgeführt. Freude bereiten ihr alle Arbeiten. Denn sie liebt es, sich wie ein Detektiv auf die Suche nach alten Dokumenten zu begeben und in Archiven zu stöbern.

Minigolfplatz. Zwei Aufträge sind der Unternehmerin in besonderer Erinnerung geblieben. So hat sie die Geschichte des Golfer-Stübles beim Dornbirner Minigolfplatz aufgearbeitet. Immerhin gibt es das Lokal bereits seit über 120 Jahren. Für die Neu-Eröffnung im Juni des vergangenen Jahres hat Hehle dann für die neue Pächterin Barbara Gant­ner den Text zur Historie für eine Wandbeklebung mit Fotos geschrieben. Für die grafische Umsetzung hat die Historikerin mit der Agentur sägenvier zusammengearbeitet. An dem Projekt gefällt ihr, dass die Firmengeschichte auf eine andere Art präsentiert wird als in einem Buch.

Ein solches hat die Expertin im Auftrag des Bauunternehmens Wilhelm+Mayer in Götzis gestaltet. Im Hinblick auf die 80-Jahr-Feier im vergangenen Jahr wurde sie mit der Aufarbeitung der Historie beauftragt. Dazu hat sie zahlreiche Zeitzeugengespräche geführt. Aber sie ist auch noch weiter in der Zeit zurück gereist als nur die vergangenen 80 Jahre. Hehle hat die Geschichte der Familie Wilhelm, die bereits in sechster Generation dem Baugewerbe treu ist, bis zum Jahr 1802 zurückverfolgt. Dabei hat sie auch zahlreiche Bauten im Land entdeckt, die von den Wilhelms errichtet worden sind.

Doch nicht nur in Sachen Aufträge hat sich in den vergangenen fünf Jahren bei „historizing. Agentur für Geschichte“ viel getan. Auch das Unternehmen selbst hat sich weiterentwickelt. So ist Hehle mittlerweile nicht mehr als Einzelkämpferin tätig. Sie hat eine Mitarbeiterin eingestellt, die sie bei der Arbeit unterstützt, indem sie den Social-Media-Auftritt betreut, Blog-Beiträge online stellt oder sich um die Werbung kümmert.

Weiters ist die Dornbirnerin mit ihrer Agentur im vergangenen Herbst in ein Büro im Coworking Space des Campus V in der Messestadt umgezogen. Seitdem muss sie ihre Auftraggeber nicht mehr im Wohnzimmer ihres Hauses empfangen. „Das Büro bietet ein professionelleres Umfeld. Außerdem kann ich hier gut arbeiten“, meint die 40-Jährige. Sie schätzt zudem den Austausch mit den Nutzern des Coworking Space, auch wenn diese in anderen Branchen aktiv sind.

Eigenes Archiv. Hinsichtlich der eigenen Firmenhistorie geht Hehle mit gutem Beispiel voraus. Wichtige Meilensteine notiert sie sich in einem eigenen Buch. Broschüren, Flyer und viele andere Schriftstücke werden archiviert. Für die Historikerin ist dies eine Frage der Glaubwürdigkeit. Schließlich bemüht sie sich darum, anderen Unternehmern die Bedeutung der Geschichte ins Bewusstsein zu rufen. Doch natürlich hat sie auch Interesse daran, immer wieder einen Blick in die eigene Vergangenheit werfen zu können.

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat die Dornbirnerin nicht bereut. „Ich bin eine Vollblutunternehmerin. Ich erledige sogar die Buchhaltung gerne“, sagt sie und lacht.

historizing – Agentur für Geschichte

gegründet von der diplomierten Kunsthistorikerin und promovierten Wirtschaftswissenschaftlerin Friederike Hehle im März 2013

Angebot: Recherche der Unternehmensgeschichte, Geschichten von Mitarbeitern, Kunden und Partnern erfassen, Nutzung der Firmengeschichte für Marketing und Kommunikation, Vorträge und Seminare zum Thema

Internet: www.historizing.at

Blog: www.historizing.at/blog

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