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Wenn aus Wünschen Realität wird

Sabine Frick hat den Traum vom eigenen Geschäft verwirklicht. Am Feldkircher Domplatz hat sich rund um eine alte Strickmaschine, mit der sie Hochwertiges zaubert, das „Kona“ gesellt. Eine Boutique mit pfiffigen Einzelstücken zum Anziehen und Dekoartikeln zum Verschönern.

Von Miriam Jaeneke

Begonnen hat alles mit einer Strickmaschine. Auf dieser können halbmechanisch alle möglichen Kleidungsstücke gestrickt werden: Schals, Pullover, T-Shirts, Röcke, Kleider. Und genau das tut Sabine Frick nun seit mittlerweile rund acht Jahren. „Ich hatte die Maschine bei einer Freundin entdeckt und sofort Feuer gefangen. Damals habe ich neben dem Muttersein Keramik gefertigt und auf Kunsthandwerkermärkten verkauft. Ich habe dieser Freundin dann einige Keramiksachen überlassen – und dafür die Maschine erhalten.“

„Zwei Monate lang ist bei uns zu Hause das Mittagessen ausgefallen, weil ich so vertieft und dabei war, alles Mögliche auszuprobieren“, blickt Sabine Frick auf die Anfänge ihrer Strick­leidenschaft zurück. Denn eine Anleitung hatte sie nicht, und die Strickmaschinen waren aus den Haushalten und Fabriken weitgehend verschwunden, deren Handhabung fremd geworden.

„Bevor ich ein neues Kleidungsstück beginne, muss ich viel rechnen“, erklärt die 53-Jährige. „Wie viel Wolle brauche ich, wie viele Maschen, wie viele Runden – je nach Länge des Stücks – muss ich stricken? Ich stricke alles in Form, inklusive der Armlöcher und so weiter, so wie man es von Hand auch macht.“ Allerdings entsteht jedes Teil einzeln, etwa Vorder- und Rückteil sowie Ärmel, am Schluss wird alles zusammengenäht. „Bevor ich beginne, muss ich zudem die Nadeln richten und den Anschlag, den Faden einfädeln. Dann wird der Schlitten hin- und hergeschoben, wobei jedes Rüberschieben eine neue Reihe erzeugt“, sagt Frick.

Jede freie Minute. Wie oft sie an der Strickmaschine sitzt? „Ich nutze eigentlich jede Minute.“ Ursprünglich war das Stricken als Ausgleich zum Muttersein gedacht, „um trotzdem noch was Eigenes zu haben“. Dann wurde daraus eine Mitgliedschaft im „extrigs“ in Feldkirch, wo sich rund zehn Kunsthandwerker in einem Laden zusammengeschlossen haben und dort ihre Sachen verkaufen. „Da habe ich gedacht: So ein Laden, das wär meins.“

Der Wunsch wurde Realität. Sabine Frick hatte Glück, fand ein frei stehendes Ladengeschäft neben dem Dom in Feldkirch, aus dem sie in nur drei Monaten das „Kona“ zauberte. „Das war eine wilde Sache, ein Familienprojekt. Meine Tochter, die Designerin ist, hat den Stil für die Einrichtung, das Logo, entwickelt. Mein Mann hat den Holzboden verlegt. Ein Schlosser hat die Regale, den Tisch angefertigt, das waren alles Sonderanfertigungen nach meinen Wünschen.“

Nur den alten Wandanstrich hinter der Strickmaschine haben sie belassen und in Szene gesetzt. Das unregelmäßige, abgelebte Apricot sehe fast aus wie ein Wandgemälde, meint Frick. Keine Frage, es hat Charakter. Genau wie der Laden, der so gar nicht wie eine Boutique daherkommt und doch mit lauter Einzelstücken aufwartet. Strickpullis, -jacken, -pullunder, -kleider, -schals und alles, was Frau auf Maß bestellt, nicht gemustert, sondern uni, dafür in den verschiedensten Farben. Die Garne dafür hängen in dekorativen, großen Rollen neben- und untereinander an der Wand. Es sind Merinowolle, Leinen oder Seide. „Bei mir gibt es kein Polyacryl oder künstliche Beimischungen“, sagt die Kreative. Darauf verzichtet sie bewusst, ihr geht es um ein gutes Tragegefühl.

Eine Kundin kommt herein und sagt nach einem Griff in ein T-Shirt: „Oh, das ist eine gute Qualität.“ Sabine Frick geht zu ihr und sagt: „Wenn Sie das tragen, haben Sie das Gefühl, nichts anzuhaben. So luftig und leicht ist es.“ Die Kundin verschwindet mit dem Teil zur Anprobe. Währenddessen zeigt die Inhaberin ihre weiteren Schätze. „Hier habe ich noch Genähtes. Es sind einfache Schnitte, jedoch die bunten, individuellen Stoffe, die wirken. Baumwolle, Leinen, Viskose, ich suche die Stoffe nach Wertigkeit aus und nehme immer nur wenig mit, damit es Einzelstücke bleiben.“ Leichte, schlichte Sommerkleider mit grünen Tupfen, gestreiften Ärmeln oder T-Shirts mit einer blauen Spitzenborte.

Außerdem im Sortiment hat Frick Baby- und Kinderkleider aus Hanf von „Matona“, dem Label ihrer Tochter, sowie Geschirr und Dekosachen. Magnete mit der Aufschrift „Make cupcakes, not war“, Postkarten, Teelichthalter, Herzchen aus Holz und Vögelchen aus Messing. „Hauptsächlich sind es Frauen, die hereinkommen und fragen, ob sie sich mal umschauen dürfen. Inzwischen läuft ganz viel über Mundpropaganda.“

Nichts bereut. Mittlerweile ist es drei Jahre her, dass das Kona ein Modegeschäft für ältere Damen abgelöst und Licht, Luft und schlichtes Design in den charmanten, überschaubaren Raum gebracht hat. „Ich habe noch keine einzige Minute bereut“, sagt Sabine Frick. Und das, obwohl sie alle Hände voll zu tun hat. „An einem Pulli bin ich, mit den Unterbrechungen zum Beispiel durch Kundinnen, etwa drei Tage am Stricken. Und bevor ich ins Geschäft komme und wenn ich wieder zu Hause bin, sitze ich an der Nähmaschine. Insgesamt bin ich schon viele Stunden dran.“

Ohne sich zu beschweren, tut sie das Nötige. Vor Weihnachten etwa, wenn ihre Tage gefühlt doppelt so lang sind. Da freut sie sich einfach auf die Zeit im Jänner und Februar, wenn sie Ruhe und Zeit hat, neue Schnitte auszuprobieren und herumzuexperimentieren. Wie damals, als sie Keramiken gegen die Strickmaschine eingetauscht hatte und gleich wusste, daraus würde sich etwas entwickeln. In der Tat, das hat es.

Die Kundin kommt lächelnd aus der Umkleidekabine und sagt: „Fantastisch“. Sabine Frick bemerkt: „Freude an feinen, tragbaren Kleidern zu vermitteln, ist das, was mir den meisten Spaß macht. Zu sehen, wie glücklich die Frauen sind, wenn’s passt.“ Sie nimmt das Geld für den Kauf und hat vielleicht eine neue Kundin hinzugewonnen.

<p class="caption">Sabine Frick hat ihren Laden selbst gestaltet. Wert legt sie auf Qualität und gute Tragbarkeit. Miriam Jaeneke</p>

Sabine Frick hat ihren Laden selbst gestaltet. Wert legt sie auf Qualität und gute Tragbarkeit. Miriam Jaeneke

Kona

Kona – schöne Dinge

Sabine Frick, Domplatz 1,
Feldkirch, Tel. 0664/2180939, E-Mail: sabine@kona-
schoenedinge.at, Internet:
kona-schoenedinge.at,
facebook: konaschoenedinge.
Geöffnet Dienstag bis Freitag
9 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis
18 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr.

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