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Frühlingskräuter

Brennnessel und Gundelrebe

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick: So schön schrieb es Johann Wolfgang von Goethe. Und überall ist jetzt sichtbar, was des Frühlings holder Blick kann: es grünt und blüht.

Von Katharina Waibel

Die ersten lauen Regengüsse lassen die Natur geradezu explodieren, alles grünt und blüht und es geht sehr schnell. Die Pflanzen streben ans Licht. Ungestüm geht es derzeit ums Wachsen und Entfalten. Symbolisch für diese Zeit steht die Jugend. Selbstfürsorge und Selbstpflege und sich selber kennenlernen stehen im Vordergrund.

Verantwortung und Inspiration. Die Energie des Frühlings lehrt, vor dem Aufbau einer Gemeinschaft zunächst Verantwortung für sich selber zu übernehmen. Inspiration gehört zum Frühling und vor allem das Feuer. Jetzt wachsen die Pflanzen, die nach einem langen Winter aufwecken und das innere Feuer im Menschen entzünden.

Frühjahrspflanzen braucht der Körper direkt und unmittelbar, roh oder den Speisen beigegeben. Weniger ist mehr, lieber immer wieder ein paar Pflanzen holen, statt diese körbeweise zu ernten. Der Körper braucht nur hin und wieder den Impuls der Pflanze.

Himmelschlüssel (Primula veris). Am Beginn ihrer hohen Zeit gibt die Natur dem Menschen einen Schlüssel in die Hand, den Himmelschlüssel. Der erste Himmelschlüssel des Frühlings schließt den Körper für alle folgenden Heilanwendungen auf. Achtsam und dankbar einfach eine Blüte essen. Diese Wildpflanzen wachsen in lichten Wäldern, auf feuchten Böden und gerne an Bächen, Gräben und an Quellen. Die Schlüsselblume ist eine geschützte Wildpflanze.

Zum Frühling gehören wie zu allen Neuanfängen Träume und Visionen. Die Schlüsselblume unterstützt das Träumen und hilft auch gegen hartnäckige Frühjahrserkrankungen. Ein Tee aus den Frühblühern ist schleimlösend, entzündungshemmend und schlaffördernd. Himmelschlüsselblüten in Milch gekocht und mit Honig ergänzt ergeben einen „Traumtee“ für Frühlingsmüde.

Alles sprudelt und fließt und auch der Mensch sollte nun „in Fluss“ kommen, dabei hilft die gute Brennnessel. Diese wächst überall in der Nähe menschlicher Behausungen.

Brennnesseln (Urtica dioica). Diese sind hautreizend, blutbildend, blutreinigend, stoffwechselanregend, blutdrucksenkend, wassertreibend und allgemein stärkend. Brennnesseln bringen alles wieder in Fluss. Sie schwemmt Gifte und alte Ablagerungen aus.

Die Brennnessel ist ein Allheilmittel, regt Niere und Galle an, löst Steine auf und vitalisiert Körper und Geist. Da die Pflanze sehr eisenhaltig ist, ist diese das Mittel gegen Erschöpfung.

Zu empfehlen ist, diese wertvolle Pflanze den ganzen Frühling hindurch als Tee, frisch und getrocknet, zu verwenden. Brennnessel kann Speisen, Suppen, Aufstrichen beigegeben, als Spinat, in Knödeln, auf der Pizza oder in die Käsfladen verarbeitet werden. Am besten ist es, die ganz frischen jungen Triebe, so wie diese jetzt zu finden sind, zu verwenden.

Damit es bei der Zubereitung nicht so brennt, die Brennnesseln zwischen zwei Geschirrtücher legen und mit dem Nudelwalker fest walken, so werden die Brennhaare zerstört. Obwohl – sich von der Brennnessel brennen zu lassen, schützt vor Rheuma und Gicht.

Der Legende nach pflanzten die Römer übrigens entlang der Wege Brennnesseln, weil diese fähig sei, die Moral einer Truppe zu heben und die Soldaten zu stärken. Die Brennnessel regt zudem die Nieren an. Bei Nierenerkrankungen, Schmerzen und immer wiederkehrenden Entzündungen sehr vorsichtig anwenden, denn dann können Brennnesseln schnell zu viel sein.

Gundelrebe (Glechoma hederacea). Es ist nicht notwendig, Hunderte verschiedene Heilpflanzen zu kennen, einige wenige Verbündete genügen, denn es gibt immer viele verschiedene Pflanzen für dasselbe Problem. Falls die Brennnessel zu sehr brennt oder die Niere etwas geschont werden sollte, dann hilft auch die Gundelrebe.

Diese wächst fast in jedem Rasen, ums Haus, immer in der Nähe der Menschen – weil sie viel gebraucht wird. Zum Würzen von Suppen, über Salate gestreut oder einfach auf dem Butterbrot: Die Gundelrebe löst ebenso Verhärtungen und Ablagerungen in Darm, Nieren, Gallenblase und in den Blutgefäßen.

„Gund“ bedeutet mittelhochdeutsch Eiter, gegen eitrige Erkrankungen. Dieses Kraut ist antibiotisch, lösend und hautpflegend. Umschläge mit in Gundelrebentee getunkten Tüchern heilen etwa eitrige Wunden und helfen auch bei Abszessen.

Vorsicht geboten. Nicht sicher bestimmte Pflanzen oder Pflanzenzubereitungen dürfen auf keinen Fall verzehrt werden. Bei jedem, auch noch so geringem Zweifel sollte der Rat einer Heilpflanzenexpertin unbedingt eingeholt werden. Es gibt immer wieder Pflanzenwanderungen, während denen theoretisches wie praktisches Wissen vermittelt wird.

Wichtig: Es handelt sich um Empfehlungen. Die Anwendung von Heilpflanzen ersetzt nie Arzt-Konsultationen.

Zur Person

Katharina Waibel

geboren 1964 in Bezau, lebt in Hohenems. Sie ist Heilpflanzen-Fachfrau und Autorin zweier Bücher (http://www.wildesweiberwissen.at/, https://www.facebook.com/Wildes-Weiber-Wissen). Ab sofort gibt die Fachfrau ihr Wissen auch an die NEUE-am-Sonntag-Leser weiter.

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