Kirche

Hörbares Zeichen gegen den Hunger

30.07.2020 • 19:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hörbares Zeichen gegen den Hunger
Caritas

“Glocken gegen den Hunger“ heißt eine Aktion, die auf die Hungersnot aufmerksam machen soll.

Fünf Minuten lang werden heute um 15 Uhr die Kirchenglocken im ganzen Land läuten. Mit der Aktion „Glocken gegen den Hunger“ wollen die Verantwortlichen der Caritas und der österreichischen Bischofskonferenz wach rütteln. Es soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass weltweit täglich Menschen sterben, weil sie nicht genügend zu Essen haben. Während der gerade grassierenden Corona-Pandemie könnte in vielen Ländern Afrikas nicht die Krankheit selbst die bedeutendste Todesursache sein, sondern der Hunger aufgrund von sozialen Einschränkungen, Grenzschließungen und Ausgangsbeschränkungen, heißt es in einer Aussendung der Caritas (siehe auch Randspalte). Seitens der UN werde befürchtet, dass sich die Zahl der hungernden Menschen weltweit verdoppeln wird.

Die Auslandshilfe der Caritas Vorarlberg arbeitet seit Jahren unter anderem im Äthiopien, Mosambik und Ecuador mit Parternorganisationen vor Ort zusammen, um den Hunger zu bekämpfen. Durch die Kooperation mit lokalen Organisationen wisse man genau, wo die Probleme in den einzelnen Regionen liegen. Das Engagement wird mithilfe von Spenden finanziert. „Gerade jetzt brauchen die Menschen unsere Solidarität und Unterstützung. Viele sind in ihrer Existenz bedroht“, betonte Caritas-Direktor Walter Schmolly.

Wie viele Glocken in Vorarlberg insgesamt läuten werden, lässt sich nicht sagen. Denn die genaue Anzahl der im Ländle vorhandenen Kirchenglocken ist nicht bekannt, berichtet Michael Fliri, Leiter des Archivs der Diözese Feldkirch und Glockenreferent. Bei 150 Kirchen mit jeweils durchschnittlich vier Glocken und etwa 400 Kapellen mit einer Glocke komme man schätzungsweise jedoch auf insgesamt circa 1000.

Hörbares Zeichen gegen den Hunger
Katholische Kirche Vorarlberg/Rinner

Gallusglocke

In unseren Breiten sind Glocken beinahe untrenntbar mit dem Christentum verbunden, informiert Fliri. Erfunden wurde diese aber schon im dritten Jahrtausend vor Christus in China. Schon die iroschottischen Missionare hätten im fünften Jahrhundert nach Christus Gocken benutzt, um auf sich aufmerksam zu machen. „Und so kam mit den Missionaren Kolumban und Gallus im Jahr 610 auch die älteste bekannte Glocke nach Vorarlberg – die Gallusglocke, welche sich heute in der Kathedrale St. Gallen befindet“, erzählt der Diözesanarchivar.

Glocken dienen unterschiedlichen Zwecken

So werden sie etwa benutzt, um die Zeit zu verkünden. Dies war vor allem von Bedeutung, als noch nicht jeder eine eigene Uhr besaß und noch keine genormte Zeit benutzt wurde. Dazu kommen auch noch zahlreiche kirchliche Anlässe, an denen die Glocken geläutet werden. So wird beispielsweise täglich morgens, mittags und abends der sogenannte „Engel des Herren“ („Angelus“) geläutet. Dieses Läuten sollte die Arbeit unterbrechen und zum regelmäßigen Gebet einladen, erläutert der Fachmann. Dazu wird mithilfe von Glockengeläut zum Gottesdienst gerufen. Am Freitag um 15 Uhr soll das Erklingen der größten Glocke an die Sterbestunde Jesu erinnern. Samstags wird spätnachmittags der Sonntag eingeläutet. Dazu erklingen die Glocken auch zu besonderen Ereignissen wie etwa den Tod oder die Bestellung eines neuen Papstes. Bekannt ist auch die Pummerin im Wiener Stephansdom, die den Jahreswechsel signalisiert.

Der Klang von Glocken war nach Angaben von Fliri in früheren Zeiten einzigartig. je nachdem welche Botschaft verkündet werden sollte. Der Zweck spiegelte sich auch im Namen wider wie etwa bei der Totenglocke, der „Feuerin“, die bei Bränden geläutet wurde, oder die „Kantnerin“, mit der die Kantoren in die Kirche gerufen wurden. Später wurde dann damit begonnen, abgestimmte Geläute zu gießen. Die Glocken sollten einzeln und gemeinsam einen harmonischen Klang ergeben.

Keine Glocken

Die größte Glocke in Vorarlberg ist die Katzenturmglocke in Feldkirch. Die heutige Version ist bereits die vierte, die im Katzenturm hängt. Die erste Glocke wurde im Jahr 1665 installiert, nachdem der Turm, der Teil der Stadtbefestigung war, in einen Glockenturm umgewandelt worden war. Ein Kuriosum im Ländle ist die Kirche St. Josef in Rankweil. Denn im dortigen Turm hängt keine einzige Glocke. Ansonsten bemühen sich laut dem Diözesanarchivar alle Pfarreien um ein möglichst vollständiges Geläut. Immer wieder werden auch neue Glocken angeschafft wie etwa in den vergangenen Jahren in Nüziders und Schoppernau.