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Soldaten und Teufel: Gefesselt

Die Geschichte des Soldaten im Vorarlberger Landestheater: Zwischen Russland und Japan.

katharina von glasenapp

Kleine Besetzung, große Wirkung: Auf der nach hinten ansteigenden Bühne des Kornmarkttheaters kam am Donnerstag-Abend Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ zur Aufführung. Ein Sprecher, sieben Musiker, eine Tänzerin und ein Tänzer bringen in Zusammenarbeit des Vorarlberger Landestheaters mit dem Landeskonservatorium Feldkirch das knapp gehaltene Musiktheater des russischen Komponisten und des Schweizer Dichters Charles Ferdinand Ramuz. Die choreographische Umsetzung ist zwar auf ihre Art faszinierend, aber auch rätselhaft.

„Zwischen Chur und Walenstadt wandert heimwärts ein Soldat“ lautet die deutsche Übersetzung. Zum zackigen Marsch von Geige, Klarinette, Fagott, Trompete, Posaune, Schlagwerk und Kontrabass wandert der Soldat „über Stock und Stein, freut sich, bald daheim zu sein“.

Doch ach, es gibt Komplikationen: Der Teufel erscheint in Gestalt eines alten Mannes mit Schmetterlingsnetz, er schwatzt dem Soldaten seine Geige ab und gibt ihm dafür ein wundersames Buch, das in die Zukunft blickt und ihm etwa die Börsenkurse der kommenden Tage verrät. Die drei Tage, die er mit dem Mann verbringt, sind in Wirklichkeit drei Jahre, in seinem Heimatdorf kennt man ihn nicht mehr, seine Braut hat Mann und Kinder. Mit der Geige hat der junge Mann auch seine Seele verkauft und gegen zweifelhaften Reichtum eingetauscht, und selbst wenn der Soldat sein Instrument im Kartenspiel zurückkauft und mit seiner Musik die kranke Prinzessin heilt, bleibt er doch in der Hand des Teufels.

Verführerischer Teufel

Zwei russische Märchen hat Ramuz in seinem Text verbunden, Igor Strawinsky schuf ein äußerst konzentriertes Stück für ein kleines Ensemble. Mit Dirk Diekmann, dem Chefdramaturgen, Regisseur und Schauspieler des Vorarlberger Landestheaters, erlebt man einen Sprecher, der mit seiner Stimme virtuos zwischen knalligem, rhythmisch präzisem Rezitationston, heiser verführerischem Teufel und verunsichertem Soldaten wechselt und der natürlich auch in die Bühnenaktion eingebunden ist.

Bondage

Benjamin Lack führt die sieben vielseitigen Musikprofessoren des Konservatoriums, allen voran die Geigerin Karin-Regina Florey mit ihrem ebenso kernigen wie anspruchsvollen Solopart, temperamentvoll und klar durch Strawinskys farbige Partitur. Frecher Marsch, sanfter Walzer, Jazz, Tango oder Choral klingen pointiert und leicht schräg. Dazu entwickeln Dasniya Sommer und Jo Siska im Bühnenbild von Paul Lerchbaumer und den Kostümen von Andrea Hölzl eine wahrlich bestrickende Körpersprache, beherrschen sie doch die japanische Kunst des Shibari, der Seil-Bondage, in Verbindung mit klassisch-modernem Tanz: Diese immer neuen Fesselungen und Verstrickungen sind einerseits losgelöst von der Hauptgeschichte, beleuchten aber wohl die Abhängigkeit von Teufel und Soldat. Am Schluss schwingen sie ganz entspannt wie im Trapez und Dirk Diekmann bewegt das Seil wie einen Glockenschlegel – ein starkes, vieldeutiges Schlussbild.

Weitere Aufführungen: 18. und 25. 10. 10., 13. und 24.11 sowie im Mai 2013

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