Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Nordlicht mit Leuchtkraft

Sebastian Knauer überzeugte erst im zweiten Teil seines Programms bei der Schubertiade.

Katharina von Glasenapp

Seinen ersten Soloabend hatte der 40-jährige Hamburger Pianist Sebastian Knauer nun bei der Schubertiade im Rahmen des kleinen Klavierschwerpunkts, im vergangenen Jahr hatte er hier mit seinem Kammermusikpartner, dem Geiger Daniel Hope, konzertiert.

Die Ehre, bei diesem von ihm so geschätzten Festival auftreten zu dürfen, mag ihn befangen gemacht haben. Denn so klar, wie er sonst zu artikulieren versteht, so blühend sich die Melodien etwa auf einer Mozart-CD entfalten, mochte es ihm im ersten Teil des Abends nicht von der Hand gehen. Allzu sehr hüllte er die Musik Schuberts mittels Pedaleinsatz in einen Klangteppich, der die zauberhafte „Ungarische Melodie“ fast mulmig klingen ließ. Auch im melancholischen Allegretto c-moll entstand auf diese Weise ein dicker Orgelklang, der erst im Mittelteil in eine andere Sphäre geführt wurde.

Umso seltsamer wirkt ­dies, als Sebastian Knauer doch über eine fein differenzierte Anschlagskultur verfügt und hochkonzentriert und ohne Mätzchen musiziert. Die Es-Dur-Sonate D 568 beließ der Pianist in ihrer Schlichtheit und Grundstimmung, blieb allerdings immer recht verhalten im Ausdruck, was auch damit zusammenhängen mag, dass er die Noten vor sich im Flügel liegen hatte und sich nicht von ihnen frei machen wollte. Schön in seiner wehmütigen Stimmung und dem etwas aufgerauten Mittelteil war der langsame Satz, der auch beim Werk des 20-jährigen Komponisten Todesnähe spüren lässt.

Mehr davon

Ungleich mehr Kern und Dynamik entwickelte Knauer im zweiten Teil seines Programms mit den vier Impromptus D 935. Hier mischte er nun Farben von großer Leuchtkraft in sein Spiel, gestaltete das As-Dur-Impromptu fließend, wenn auch etwas atemlos, und löste Thema und Variationen des dritten Stücks mit großer Eleganz in ihre Figurationen auf. Glitzernd, mit brodelnden Unisono-Passagen und sperrigen Akzenten schloss Knauer die Gruppe der Impromptus ab.

Noch mehr in seinem Element, noch freier und überzeugender gestaltete er schließlich das Es-Dur-Impromptu aus der ersten Gruppe als Zugabe – der Nordländer, der seine Pressefotos gern vor dramatischen Wolken im Hamburger Hafen aufnehmen lässt, schöpfte auf einmal aus dem Vollen. Beim nächsten Mal bitte mehr davon.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.