Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Eigenwillig und fulminant: Igor Levit

Im ersten Abokonzert der Reihe Dornbirn Klassik spielte Starpianist Igor Levit. Simon Gaudenz dirigierte die Nordwestdeutsche Philharmonie.

anna mika

Nicht nur bei der Schubertiade Hohenems geben sich derzeit herausragende Pianisten die Klinke in die Hand, auch zwei weitere Konzerte in dieser Woche im Ländle warten mit großen Namen des Genres auf.

Bevor zwischen Donnerstag und Sonntag Alexander Lonquich mit dem Symphonieorchester Vorarlberg auftritt, hörte man am Dienstag den 25-jährigen Russen Igor Levit bei Dornbirn Klassik. Er kommt aus derselben Talenteschmiede wie „unser“ Aaron Pilsan, nämlich der Musikhochschule Hannover. Levit war eigentlich auch vorgesehen für einen Abend in Hohenems, dieser wurde aber schon vor einiger Zeit abgesagt. Dafür gastiert der bereits international Gefeierte mit demselben Konzert wie in Dornbirn noch heute in Mailand.

Levit scheint Schwierigkeiten keineswegs zu scheuen, das zeigte seine anspruchsvolle Zugabe, eines der „Petrarca-Sonette“ aus dem Zyklus „Années de pèlerinage“ von Franz Liszt wie auch das Klavierkonzert von Peter Iljitsch Tschaikowsky. Nein, nicht das berühmte, sondern das unbekanntere und sehr vielschichtige zweite in G-Dur Opus 44.

Ins Instrument kriechen

Überaus spannend, aber auch ziemlich eigenwillig legt Igor Levit das Werk an, er kriecht gleichsam ins Instrument, bohrt sich in die Tasten und erzeugt somit eine faszinierende Dichte des Anschlags.

Zauberhaft ist der zweite Satz, wo Levit im Verein mit den Orchestersoli Marion Vetter, Cello, und Takahiro Tajima, Violine, die Melodien verwebt, um dann im dritten Satz fulminant loszulegen. Was schon im Klavierkonzert zu erahnen war, wurde in der Dritten Symphonie Beethovens, der „Eroica“ offenkundig.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie ist ein solides Orchester, das sich allerdings weder durch eine besondere Finesse des Klanges noch einer gesteigerten Präzision bezüglich Zusammenspiel und Intonation auszeichnet. Das ändern auch die großen Namen in den Reihen vergangener Chef­dirigenten wie Hermann Scherchen oder Andris Nelsons nicht.

Differenzierte Dynamik

Der Dirigent dieser Tournee, der junge Schweizer Simon Gaudenz allerdings, scheint effektiv geprobt zu haben. Er hat eine differenzierte Dynamik erarbeitet und kann schwungvolle Tempi anschlagen. (Seine so lockere wie energiegeladene Dirigierweise brachte im ersten Satz bei Tschaikowsky sogar den Dirigentenstab zum Fliegen.)

So wurde das großartige Werk Beethovens schließlich zum Erlebnis, ebenso wie die Zugabe, das Scherzo aus der „Italienischen Symphonie“ von Mendelssohn. Langer Beifall.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.