Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Meisterhafter Schubertiadeabschluss

Zum Abschluss seines Schubertzyklus‘ tauchte Pianist Paul Lewis ein in die drei letzten Sonaten.

katharina von glasenapp

Was für ein Kosmos, was für eine Fülle an weit gespannten Melodien und inniger Lyrik! Die Klavierwerke der letzten Jahre und die drei großen Liederzyklen Franz Schuberts hatte der sympathische englische Pianist Paul Lewis in den vergangenen Jahren in mehreren Städten präsentiert. Natürlich auch bei der Schubertiade, für die er zu einem der prägendsten Künstler geworden ist. Als einer der Meisterschüler von Alfred Brendel versteht es Paul Lewis, analytisches Denken und musikantisches Fließen zu einem wunderbar organischen Ganzen zu verschmelzen. Sein Schubert hat Wärme, Poesie, zeigt Ecken und Kanten, ohne schroff zu wirken, sprudelt wie ein rauschender Bach, dem der Komponist in den Liedern so oft eine Stimme gegeben hat, oder erzählt von schicksalhaften Fügungen. Selbst wenn Lewis die Figuren manchmal in überschießendem Schwung davoneilen lässt – mit einem fein ausgehorchten Rubato holt er sie wieder zurück: Sein Spiel ist so natürlich, so reich an Beleuchtungswechseln und dabei so abgerundet, dass man nur staunen kann.

Meister der Oberstimmen

Was steckt nicht alles drin in diesen drei großen Sonaten, mit denen der Komponist sein Klavierwerk abschließt und die klassische Sonate mit den sprichwörtlich gewordenen „himmlischen Längen“ an ihre Grenzen führt! Da gibt es mächtige Akkorde voll rhythmischer Spannung in den ers­ten Takten, die gleich darauf von lyrischen Linien abgelöst werden. Paul Lewis ist ein Meister der Oberstimmen, doch die satte Grundierung und das Gewebe der Mittelstimmen machen sein Spiel zusätzlich facettenreich. Da gibt es die ungeheuer tiefgründigen langsamen Sätze, etwa in der mittleren der Sonaten, wenn aus dem schmerzlichen, ruhig atmenden Beginn ein apokalyptisches Seelendrama hervorbricht: Bei allem Kont­rast, allem emotionalen Feuer bleibt Lewis doch immer im Maß, konzentriert und kont­rolliert, dabei nie unterkühlt. Ebenso erstaunlich ist der langsame Satz der letzten, der B-Dur-Sonate: Eine leuchtende Melodie wird im unteren und oberen Register umspielt, dann, im Mittelteil, trägt es den Pianisten und sein Publikum fort in eine Klangwelt voll Wärme und tröstlicher Innigkeit.

Zweifler

Schubert stellte diese Sonaten in seinen letzten Lebensmonaten fertig, sie erzählen auch von den „letzten Dingen“, von Kämpfen, von Aufbegehren, aber auch von Versöhnung. Mit Paul Lewis unternimmt man eine Reise durch innere Welten, die Interpretationen des 40-Jährigen sind jugendlich vorwärtsdrängend und zugleich abgeklärt, die Begeisterung des Publikums nimmt er freundlich lächelnd, wenn auch immer ein bisschen zweifelnd entgegen.

Mit diesem großen Abend nach einer Reihe von Klavierkonzerten ging die Schubertiade für dieses Jahr zu Ende – man ist gesättigt an Schubertmelodien.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.