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Von der Sehnsucht nach Nähe

Langanhaltenden Premieren­applaus gab es am Donnerstag im sehr gut besuchten Theater Kosmos für Wolfgang Mörths neues Stück „Lampedusa“.

peter bader

Wolfgang Mörths dichter Text ist ein durchkomponiertes Kammerspiel für zwei Personen. In zwei Akten werden unter der Regie von Augustin Jagg eine Vielzahl von Gedanken angerissen, die vor allem ein zentrales Thema umkreisen: das Fremdsein und die Sehnsucht nach Nähe. Es wird ausgiebig über jene Dinge nachgedacht, die verbinden und jene, die trennen. So wird etwa das Rauchen zum tragenden Leitmotiv.

Das Publikum erlebt hautnah das Scheitern von menschlicher Kommunikation. Zum einen ist da der Versuch eines Gesprächs zwischen den zwei Personen im Wartesaal eines kleinen Flughafens. Zum anderen sind da die Handy-Telefonate zwischen Tochter und Mutter, die ständig unterbrochen werden, weil das Netz zusammenbricht.

Ein Mann um die Fünfzig, dargestellt von Bernhard Majcen (beherrscht in seiner Geistes- und Körperhaltung) trifft im besagten Wartesaal auf eine junge Frau, verkörpert von Diana Kashlan (unruhig und emotional bis zur Schrei-Attacke). Sie sitzen hier fest („Streik, Stromausfall“) und haben ein gemeinsames Ziel: Lampedusa, wo das Begräbnis des Vaters der jungen Frau stattfinden soll. Der Vater: ein (Jazz-)Pianist. Und: ehemaliger Freund des Mannes. Lampedusa, das Ziel so vieler Flüchtlinge aus Afrika.

Spannend ist, wie man im Laufe des Abends immer mehr Details über die Vergangenheit des verstorbenen Vaters und auch seines Freundes erfährt. Etwa über den Umstand seines Todes beim Segeltörn mit seiner Geliebten, einer Insassin eines Flüchtlingslagers. Ein Törn, der auch ein politisches Statement ist.

Vor der Urne

Zwischen den beiden Menschen im Wartesaal findet eine Annäherung statt, in erotischer Hinsicht, ohne aber wirkliche Nähe entstehen zu lassen. Manches ist derb.

Manches sorgt für Lacher im Publikum. Eine Art Conclusio findet im zweiten Akt in der Leichenkapelle vor der Urne statt.

Wie wichtig die Live-Musik für den Fortgang des Stückes ist, zeigt der Umstand, dass der Theaterabend von der äußerst disponierten Band um den Vorarlberger Jazzpianisten David Helbock eingeleitet wird. Die Band (Herwig Hammerl: Kontrabass, E-Bass; Alfred Vogel: Schlagzeug; Filippa Gojo und Michael Hartinger: Gesang) agiert effektvoll erhöht im Hintergrund. Dies mit viel Sinn für Dynamik und Dramatik. Die Musiker reagieren in Real Time auf den Text. Einerseits etwa durch die Beantwortung einzelner von den Darstellern gesprochenen Sätzen mit musikalischen Mitteln, andererseits aber noch viel stärker durch die textliche Bezugnahme auf zentrale Themen des Stückes. So singen Hartinger und Gojo etwa „Ich rauche Kette“. Natürlich hat Helbock im Vorfeld das Stück gelesen. Denn seine Songtexte sind Extrakte daraus. Seine Musik ist schön, scheut aber auch Dissonanzen nicht; und sie ist virtuos. Stichwort: Unisono-Linien. Als moderner Jazz-Musiker bezieht Helbock auch elektronische Effekte in seine Arbeit ein.

Das Thema Afrika reflektiert der 28-jährige Komponist Helbock musikalisch etwa durch Piano-Riffs, die an den afrikanischen Pianisten Abdullah Ibrahim (Dollar Brand) gemahnen, aber auch ganz generell durch Einsatz von entsprechenden afrikanischen Rhythmen.

Langanhaltender Premierenapplaus für ein fähiges Ensemble.

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