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Wenn Streicher Funken schlagen

Die Bregenzer Meisterkonzerte holten das Bostoner Orchester „A far Cry“ zum ersten Mal nach Europa. Ein sensationelles Debut mit Solist Markus Schirmer.

katharina von glasenapp

Jung sind die 18 Musikerinnen und Musiker aus Boston mit vielfältigen musikalischen und ethnischen Wurzeln, sie arbeiten ohne Dirigent und wechseln sich an den Stimmführerpositionen ab. Sie kommunizieren auf höchst erfrischende Weise untereinander, sie lächeln, strahlen und lassen den berühmten Funken aufs Publikum überspringen.

Schon beim ersten Akkord von Osvaldo Golijovs „Last Round“ wirkte es am Donnerstagabend im Festspielhaus, als würde das Ensemble um sein Leben spielen: So intensiv ist die rhythmische Spannung in dem Stück des Argentiniers, der mit neun Streichern das herzzerreißende Spiel eines Bandoneons nachzeichnet und im zweiten, langsamen Teil eine Klage auf den Tod des Tango-Meisters Astor Piazzolla anstimmt.

Den stärksten Kontrast dazu bildet Arvo Pärt mit seinen „Fratres“: Große Trommel und zwei Klangstäbe grundieren sachte die aus dem Nichts aufsteigende Prozession von Mönchen. Feinste Dynamik, ein großer Bogen im Wachsen und Vergehen der Musik – bei A Far Cry wird sogar der gemeinsame Bogenstrich zur faszinierenden gruppendynamischen Übung.

Der Pianist Markus Schirmer und A Far Cry haben sich vor drei Jahren in Boston kennengelernt, auch bei ihnen hat es sichtlich und hörbar gefunkt. Inzwischen spielten sie eine CD mit zwei Mozart-Konzerten und einer Kirchensonate ein, die dieser Tage auf den Markt kommt.

Primus inter pares

Auf der gemeinsamen Tournee, die jetzt noch nach Wien, Leoben, Villach, Kufstein und natürlich Graz führen wird, musizieren sie Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 415 in einer wunderbar entspannten, kammermusikalischen Weise. Der Grundklang ist weich, dabei klar und spritzig mit den fein ziselierten Figuren, den langen, abgerundeten Trillern und den scherzenden Verzierungen. Schirmer ist der primus inter pares im ständigen Dialog mit den quicklebendigen Streichern. Im Andante entsteht eine sacht begleitete Arie voll Ruhe und Atem in großer Schlichtheit, trotzdem ist Raum für die dramatische Verdichtung.

Quirlige Spielfreude, Spannungsklänge, Eintrübungen, Passagen voll Eleganz und in feinem Pianissimo prägen das Hell-Dunkel des Finales und zeigen noch einmal die enge Verbindung von Solist und Orchester.

Mit dem kernigen „Grazer Galopp“ seines Lieblingskomponisten Franz Schubert verabschiedete sich Markus Schirmer – bei der Schubertiade war er schließlich auch schon zu Gast.

Mit der klangsatten Streicherserenade von Peter Tschai­kowsky zeigte A Far Cry nochmals neue Facetten: Auch hier brannte und brodelte es, hörte man fein gestochene Artikulation und sensibles Rubato in den Mittelsätzen und im feurigen Finale.

Gershwins butterweiches „Embraceable you“ und eine wilde „Turceasca“, wieder von Osvaldo Golijov, waren die mitreißenden Zugaben in diesem sensationellen Europadebüt.

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