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Eine Diva auf dem Gletscher

Zu einem begeisternden Opernabend geriet Alfredo Catalanis „La Wally“ am Theater St. Gallen.

anna mika

Berühmter als der Komponist Alfredo Catalani ist die literarische Vorlage seiner Oper „La Wally“. Es ist der Roman „Die Geier-Wally“ von Wilhelmine von Hillern. Auch der Librettist Luigi Illica, der aus diesem eher schnulzigen Werk das Essentielle herausfilterte, ist sehr bekannt. Er lieferte nicht nur für einige der Meisteropern Puccinis den Text sondern auch für Umberto Giordanos „André Chenier“, die Bregenzer Seeoper 2011/12. Catalanis so feinsinnige wie aussagestarke Meisterpartitur von „La Wally“ wurde hingegen vergessen, auch weil der noch junge Komponist bald nach der Uraufführung an Schwindsucht starb. Wieder ist Bregenz zu erwähnen, denn 1990 zeigte man hier die Oper im Haus, mit der legendären Mara Zampieri als Titelfigur.

Sterben in den Alpen

In der Tat braucht es eine Sängerin von überragendem Format für diese Rolle, und die hatte St. Gallen bei der Premiere der Oper am Samstag aufgeboten: Die junge Amerikanerin Mary Elizabeth Williams besticht mit ihrer so stattlichen wie attraktiven Erscheinung und verfügt über einen dunkel timbrierten Sopran, der dramatisch aufleuchten und im anderen Moment ungemein zart klingen kann. Hat ihr selbstbewusstes Wesen dem Regisseur Guy Joosten zu seiner ziemlich aufgesetzt wirkenden Regieidee verleitet oder konnte sich der Flame einfach nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, für die alpine Regionen so anziehend sind, dass sie darin sterben wollen? Für ihn ist nämlich Wally, die so eigenständige Bauerstochter aus dem Ötztal, eine Frau, die nicht Gletscherregionen, sondern den einsamen Gipfel einer Opernkarriere anstrebt.

Optische Erlebnisse

So erlebt man sie bei Eis und Schnee in Seide und Nerz, mit Perlen behängt, und als schließlich ihr geliebter Hagenbach sie dort oben im Fels aufsucht, richtet sie ihr Make-up. Wenn auch diese Regieidee sich kaum anders als durch die im Programmheft abgedruckte Erklärung erschließt, so beschert sie wenigstens attraktive optische Erlebnisse. Für diese, nämlich das eindrucksvolle Bühnenbild und die wunderschönen Kostüme zeichnete Johannes Leiacker verantwortlich, von dem auch das weltberühmt gewordene „Auge“ der „Tosca“ in Bregenz stammte. Und nicht zuletzt kennt man den Tenor Arnold Rawls von der Bregenzer „Aida“. Er singt und spielt in St. Gallen einen beachtlichen Hagenbach. Stimmgewaltig präsentiert sich auch der Bariton Gabriel Suovanen als Gell­ner, und Publikumsliebling David Maze ist der Respekt gebietende Stromminger. In einer vom Stück her bereits schwierigen Rolle befindet sich Alison Trailer als Walter. Die anspruchsvolle Arie vom Edelweiß singt sie gut.

Fabelhaft singt auch der Chor, einstudiert von Michael Vogel, und wunderbar klingt das Sinfonieorchester St. Gallen. Die musikalische Gesamtleitung hatte Modestas Pitrènas in seinen Händen. Er hat einen beachtlichen Anteil daran, dass der Abend zu einem großen Erlebnis wird. Frenetischer Applaus und einige Buhs für die Regie.

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