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Schneller Puls und Perspektivenwechsel

Beim Bregenzer Frühling verband das Australien Dance Theatre Tanz mit Videokunst.

katharina von glasenapp

Wieder einmal zeigt der Bregenzer Frühling neue Wege des Tanztheaters auf: Am ersten Abend des außergewöhnlichen Tanzfestivals im Bregenzer Festspielhaus bezog das Australian Dance Theatre (ADT) von Garry Stewart gemeinsam mit dem französischen Video-künstler Thomas Pachoud in hohem Maße Visuelles mit ein. In „Proximity“ wird man für eine Stunde hineingezogen in einen Strudel akrobatischer Körperbeherrschung, getragen von einem allerdings auf Dauer nervtötenden dunklen Pulsieren der Musik und vielfach erweitert durch Videoprojektionen und Perspektivenwechsel.

Hatte das ADT bei seinem Gastspiel vor zwei Jahren in „Be Your Self“ auf skurrile Weise ins Innere der Körper gelauscht, so werden jetzt die Gliedmaßen vervielfacht, Bewegungsabläufe gespiegelt, aus anderen Blickwinkeln gezeigt und im Detail vergrößert zu einem abstrakten Ganzen. Wieder bezieht Garry Stewart Texte über neuronale Erkenntnisse mit ein, die auf die Kleidungsstücke der Tänzerinnen und Tänzer aufgenäht sind und mit bedeutungsvoller Miene projiziert werden.

Mehrere Videokameras und die kunstvoll aufbereiteten Bildschöpfungen formen auf großen Leinwänden eine zweite Ebene: Der Betrachter muss sich entscheiden, ob er den „echten“ Tanz mit Elementen aus Akrobatik, Breakdance, Hip Hop und Modern Dance wahrnehmen will oder dessen Darstellung etwa aus der Vogelperspektive. Die Projektion lässt die Körper rotieren wie in einem Karussell, verschmelzen in Kampf oder Symbiose, Hände, Arme und Beine scheinen zu den vielarmigen indischen Gottheiten zu gehören.

Assoziationen

Detailvergrößerungen von Augen, Lidfalten, Hautporen und Fingerspielen setzen Akzente, Gegensätze von schnellem Puls und Zeitlupe, von Echtzeit und Veränderung lenken immer mehr den Blick auf das Visuelle, während die Ausdruckskraft der vier bunt gekleideten Tänzerinnen und fünf Tänzer wohl als selbstverständlich aufgenommen wird.

Natürlich entstehen durch die Videokunst faszinierende Bilder, die unterschiedlichste Assoziationen zulassen: Etwa wenn sich durch gespreizte Finger ein Sichtfenster für andere Aktionen auf der Bühne auftut, oder wenn Lichtfäden gleichsam ein Spinnennetz von Beziehungen zwischen weit voneinander entfernten Menschen formen. Bei aller Sogkraft, die durch die Verbindung von Bewegung, Bild und rhythmischem Puls entsteht, bleibt allerdings auch reichlich Verwirrung, Rätselhaftigkeit und emotionale Kühle.

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