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Zeit-Lupe

Peter Natter

Boris Becker betet

Niki Lauda philosophiert. So nennt er das wohl, wenn er darüber spekuliert, was unsereiner verstehen kann und was nicht. Wenn er noch dazu den Lieben Gott ins Spiel bringt, nachdem er vorher über Jahrzehnte sinnlos im Kreis gerast ist, und nur Kapperlsponsoren oder WM-Titel etwas gegolten haben in seinem Universum, fragt man sich, welcher Teufel ihn reitet. „Ihm kann jetzt allein der liebe Gott helfen, er entscheidet Dinge, die wir nicht verstehen können“, sagt der durchs Feuer Gefahrene über einen verunfallten Kollegen. Interessieren würde es mich, wie er zu solchen Einsichten gelangt.

Die Sportfamilie bangt ebenfalls, wie die Medien schreien. Wer ist die Sportfamilie? Sind das die, die foulen und treten, sich gegenseitig im Dopen übertreffen, sich ins immer frühere Sportkrüppeltum treiben, einander die Gagen neidig sind oder auch nur den um zwei Luken kürzeren Anlauf, die um des Wett-Erfolgs willen Wettkämpfe manipulieren? Wie hat kürzlich einer der leicht verwirrten Sportfamilienopas im Fernsehen gesagt? Es gebe kein Feld, auf dem die Völker so einträchtig miteinander verbunden sind, wie das Feld des Sports. Es spiele auch keine Rolle, von welchen politischen Zuständen ein solches Feld umgeben sei. Dem, der solches von sich gegeben hat, fehlt gründlich der Blick auf die gesellschaftlichen, auf die menschlichen Notwendigkeiten. Ihm fehlt jeder Maßstab, was die scheinbar wichtigste Nebensache der Welt betrifft. Das mag er ja sein, der Fußball(sport) oder der Sport überhaupt; aber wie unendlich weit auch noch die wichtigste Nebensache von den wirklich wichtigen Phänomenen des Menschseins entfernt ist, das sollte stets berücksichtigt werden. Tut es viel zu wenig.

Auch Boris Becker betet. Das ist schön. Er sollte dabei bleiben. Andererseits ist es unerträglich und idiotisch, wenn einer, der sich über Jahre hinweg auf die haarsträubendste Weise öffentlich bloßgestellt hat, nun sein Beten ausposaunt. Da stimmt etwas nicht. So einfach darf man es sich mit dem Beten nicht machen. So billig ist das Leben und Sterben der Menschen nicht. Es verlangt eine Art Ernst, der dem Sport grundsätzlich abgeht. No sports: Zumindest wenn es darum geht, den wesentlichen Bereich des Menschlichen zu regeln. Wer aufs Beten nur dann zurückgreift, wenn der Hut brennt, hat nichts kapiert.

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