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Reisebriefe aus dem Heimathafen

Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom liest heute Abend in Bregenz. Ein starker Auftakt für das Lesungsprogramm 2014 des Felder-Archivs.

peter natter

Die Feiern zum 80. Geburtstag hat Cees Nooteboom (geb. am 31. Juli 1933) hinter sich gebracht. Ob sie seiner großen Leidenschaft, dem Denken, ebenso entgegengekommen sind wie seine zahllosen Reisen, darf bezweifelt werden. Zeitlebens kultiviert der Niederländer eine Erfahrung seiner Jugend: Die vom Schulbesuch bei Franziskanern und Augustinern ausgehende Abneigung gegen Dogmatik bei gleichzeitiger Sympathie für Zeremonialität. Oder waren es seine ausgedehnten Reisen durch das Europa der frühen 1950er-Jahre, die seine Sinne noch für die feinsten Nuancen menschlicher Grenzen und Möglichkeiten im Alltag geschärft haben? Eine Reise als Leichtmatrose schließlich, die ihn als Brautwerber in die Karibik geführt hat, erinnert an ein monumentales Werk der Literatur: Hans Henny Jahnns „Fluss ohne Ufer“: In einen solchen Fluss lässt Nooteboom uns Leser steigen.

Bei sich sein

Gedichte (sie sind Nootebooms wahre Herzgewächse), Prosa, Romane und Erzählungen, Essays und Feuilletons, Theaterstücke und natürlich Reiseberichte aus aller Welt, weil, „wer ständig reist, ist immer bei sich“, wie einer seiner Essays betitelt ist. Darin, in diesem Bei-sich-sein, scheint eines der großen, mit letzter Konsequenz und höchster Intensität betriebenen Projekte des Autors zu bestehen; oder anders gesagt, wieder in seinen eigenen Formulierungen: verstrichene Zeit zu bewahren, zum Notar des Verschwindenden zu werden, oder, besonders schön: „Ich möchte von links in die Landschaft gehen“: von links, so wie wir lesen.

Herrscher der Meere

Ebenso beeindruckend wie das Werk-Spektrum ist die Lis­te der Preise, die Cees Nooteboom für sein literarisches Wirken verliehen worden sind. Das beginnt 1957 mit dem Anne-Frank-Preis für „Das Paradies ist nebenan“ und reißt bis heute nicht ab, eingeschlossen der Österreichische Staatspreis für europäische Literatur 2003, diverse Ehrendoktorate, etc. Waren es 2011 Tagebücher einer Schiffsreise (Schiffstagebuch, Suhrkamp, 2011), so gilt das jüngste Buch des mittlerweile über 80-Jährigen dem Herrscher der Meere selbst: „Briefe an Poseidon“. Nooteboom tritt in einen schriftlichen und hämischen Dialog mit dem Gott, der zur Freude des Autors zum Schweigen verurteilt ist. So erzählt der Reisende ungeniert von seinen tagtäglichen Reflexionen und Begegnungen, er fabuliert im besten Sinn. Es sind die kleinen Dinge, in denen Nooteboom die großen Themen aufstöbert, mit dezenter, unspektakulärer Geste fixiert er das Bleibende im Vergehenden: Kann der kleine Junge am Strand die Weltsicht des alten Mannes spiegeln? Was bedeutet es für die Pflanzen, wenn der Gärtner sie mit der Übertragung aus Bayreuth beschallt? Die Leser müssen all das nicht beantworten; ihr Gewinn liegt darin, von Nooteboom an die Hand genommen und zu sich selbst geführt zu werden.

Termin: Lesung Cees Nooteboom, heute 20 Uhr, Theater am Kornmarkt Bregenz.

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