„Zu viel Blödheit, aber kein Kopfweh“

Kabarettist Joesi Prokopetz gastiert am Samstag in Feldkirch – und beschwert sich dabei über nichts Geringeres als die Schöpfung.

Sie waren und sind als Songwriter, Musiker, Autor und Kabarettist erfolgreich. Wollten Sie immer schon so vielseitig unterwegs sein oder hat sich das eher ergeben?

joesi prokopetz: Das hat sich ergeben. Ich habe nie Ziele ge­habt, ich habe immer gewartet, bis ein Ziel mich findet.

Welche Ihrer Tätigkeiten machen Sie am liebsten und warum?

prokopetz: Ich werde bei meinem Finanzamt als „Autor mit eigenem Vortrag“ geführt, soll also amtlich heißen, als Ers­tes bin ich Autor und der Vortrag, auch wenn es der eigene ist, kommt erst danach. Also, Schreiben ist mein Schönstes, obwohl es eine einsame Tätigkeit ist, keiner klatscht und jubelt, wenn man einen guten Satz geschrieben hat, und dennoch: Nichts ist berauschender als einen weißen, leeren Bildschirm – also gewissermaßen das Nichts – mit Inhalten zu „schwärzen.“

Sie gelten als Texter des Ambros-Hits „Da Hofa“ und unter anderem als einer der Väter des Austropop. Gibt es den Austropop noch?

prokopetz: Ich gelte nicht nur als der Verfasser des „Hofa“, ich bin’s wirklich und kann es beweisen (Achtung billiger Scherz). Ich bin heute auch nicht mehr der Vater, vielmehr der Großvater des Austropop. Ob’s den Austropop noch gibt? Sagen wir so: „Der Austropop ist noch nicht tot, aber er riecht schon komisch.“

Mit ihrem aktuellen Programm „Die Schöpfung. Eine Beschwerde“, mit dem Sie seit März letzten Jahres auf Tour sind, gastieren Sie am 11. Jänner in Feldkirch. Worum geht es im Programm?

prokopetz: Na ja, der Titel ist gewissermaßen Programm. Es gibt im Rahmen der Schöpfung eine Vielzahl von Gegebenheiten, die für den Menschen hoch unerfreulich sind: Zum Beispiel der Tod, die Natur, die dem forschenden menschlichen Geist und der menschlichen Schurkerei nicht gewachsen ist, dass in Wahrheit die meisten Tiere und Pflanzen entweder nur ganz unspannend aussehen, ja in hohem Maße sogar hässlich sind, dass man von zu viel Fett eine Gallenkolik bekommt, von zuviel Blödheit aber nicht Kopfweh, dass der Mensch die Schienbeine vorne hat obwohl man sich so selten das Wadenbein wo anhaut… Bei wem ich mich beschwere? Bei niemandem. Denn keiner will die Verantwortung für die Schöpfung explizit übernehmen. Aber Achtung: lustig!

Wie erarbeiten Sie Ihre Kabarettprogramme? Woher kommen Ideen, Anregungen, Inspiration?

prokopetz: Als Kabarettist (im Gegensatz zum „Comedian“)brauche ich zunächst einen reichhaltigen philosophischen Ansatz, der einen satirischen oder gar sarkastischen Blick auf die Welt freigibt… und dann habe ich „das Ohr am Verbraucher“, wie gesagt wird. Ich belausche ungeniert Gespräche an irgendwelchen Stammtischen, in Caféhäusern, in der U-Bahn, ich beobachte rücksichtslos Menschen und ihre kleinen Ticks, aber auch ihre Ungeheuer- und Abscheulichkeiten und ich beobachte mich selbst, meine eigenen Unzulänglichkeiten und Lächerlichkeiten.

Und aus dieser „Melange“ entsteht dann ein Programm.

Seit fünf Jahren sind Sie auch Professor. Wie war das, als Sie damals die Nachricht bekamen?

prokopetz: Zuerst hab’ ich gelacht, dann hab’ ich mich gefreut, dann hab’ ich mich ein bisschen geehrt gefühlt und dann hab’ ich ganz normal weitergelebt.

Wie schauen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Was haben Sie als nächstes vor?

prokopetz: Ich hab’ ja einen großen Teil meiner Zukunft schon hinter mir. Trotzdem: Aller Voraussicht nach wird es ab Herbst 2014 ein gemeinsames Programm und eine ausgedehnte Tournee mit Klaus Eberhartinger geben, Arbeitstitel „Prokopetz gegen Eberhartinger“. Und im Herbst 2015 kommt ein neues Buch, wobei das Buch auch weitgehend der Text meines neuen Programmes sein wird.

Der Titel lautet: „Ich bin neugierig, was ich gleich sagen werde.“ Vorletzte Worte, Teil 1.

Interview: b. kompatscher

Termin: Joesi Prokopetz „Die Schöpfung. Eine Beschwerde“ im TaS in Feldkirch. 11. Jänner, 20.15 Uhr.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.