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Zeit-Lupe

Peter Natter

Der Große Krieg

An manchen Jubiläen, Jahres- oder Gedenktagen führt kein Weg vorbei, sofern man sich nicht gänzlich aus dem Zeitgeschehen und seiner medialen Vermittlung ausklinkt. Solche Abstinenz und Askese ist zwar verlockend und sollte wahrscheinlich in Maßen geübt werden, insgesamt jedoch sind wir Kinder unserer Zeit und bleiben es. Dem haben wir uns zu stellen. So habe ich einen der weihnachtlichen Gutscheine dafür verwendet, mich mit einem jüngst erschienenen Buch zum Ersten Weltkrieg zu beschenken. Geschrieben hat es Herfried Münkler, ein deutscher Politikwissenschaftler und Ideenhistoriker, Universitätsprofessor mit bewundernswerter wissenschaftlicher Laufbahn (kein Shooting-Star, sondern ein solider Arbeiter). Das Buch, erschienen im Rowohlt Verlag, trägt den so schlichten wie umfassenden Titel: „Der Große Krieg. Die Welt 1914–1918“. Der Große Krieg, so heißt der vor 100 Jahren ausgebrochene Erste Weltkrieg immer noch in Frankreich und in Großbritannien. Aber nicht um ihn geht es mir hier in erster Linie. Es geht um das Buch von Herfried Münkler. Über 900 Seiten stark, dezent bebildert mit exzellenten Fotografien, mit einer unerschöpflichen Literaturliste und einem Namensverzeichnis enzyklopädischen Ausmaßes. Die Lektüre wird mich in einem ersten Durchgang gut 50 Stunden beschäftigen. Das ist die Dauer einer Arbeitswoche. Sie wird mich aber weit über diesen Zeitraum hinaus belehren, befruchten, tragen, formen. Münkler will den ganzen Krieg in den Blick seiner Untersuchung nehmen, nicht irgendeinen Teilaspekt. Nur so, behauptet er nachvollziehbar, kann Verständnis entstehen. Nur wenn wir den Ersten Weltkrieg verstehen, wird uns das 20. Jahrhundert zugänglich, vom 21. ganz zu schweigen.

Wer wird dieses Buch lesen? Ein paar Spezialisten, Spinner, Professorenkollegen. Ich wünsche mir, dass alle es lesen, die irgendwo etwas zu sagen haben: Vom Kindergarten bis zum Nationalratspräsidium, vom Unternehmer bis zum Profifußballer, eben alle. Warum? Weil nur solche Bücher und solche Lektüren eine Ernsthaftigkeit befördern können, die dem/r Einzelnen und der Gesellschaft in all ihren Schichten und Ausformungen nottut; weil nur solche Bücher und das in ihnen verfügbare Wissen zu einer Ahnung von dem führen, was wir werk- und feiertäglich brauchen, um unser Menschsein zu kultivieren, zu erfahren. Die Wette gilt!

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