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Alternativen zur Düsternis

Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“ hatte am Mittwochabend im Vorarlberger Landestheater Premiere. Das Ensemble wurde umjubelt.

anna mika

Es könnte ja so schön sein: glückliche Eltern am Morgen des Hochzeitstages ihrer einzigen Tochter, diese selbst recht verliebt in ihren Bräutigam und deswegen ebenso glücklich. Doch da gibt es den Prinzen Hettore Gonzaga, der in diesen Zeiten des absoluten Herrschens gewohnt ist, zu nehmen, was ihm gefällt. Er hat ein Auge geworfen auf Emilia Galotti und lässt seinem infamen Berater Marinelli freie Hand, sie ihm zuzuführen. Der schreckt nicht vor Mord und Menschenraub zurück, obwohl Emilia bald das sein wird, was die Gräfin Orsina jetzt schon ist, eine vom Prinzen Verlassene. Zu jener Zeit eine Schande, weshalb Emilias Vater Odoardo zum Äußersten greift.

Fröhliches Ende

So weit Lessing. Doch die Regisseurin Sigrid Herzog bietet einen zweiten Schluss an. Alle, ob getötet oder lebendig, kommen an die Rampe und singen einen Folksong. Also glücklich wie zu Beginn des Stücks? Man fühlt sich wie im „lieto fine“, im fröhlichen Ende einer Mozart-Oper, wie überhaupt das 1772 entstandene Trauerspiel von Lessing Vorbildwirkung hatte auf einiges, was in der Zeit danach fürs Theater und Musiktheater (bis hin zur demnächst am Kornmarkt gespielten Oper „Rigoletto“) geschrieben wurde. In diesem Sinne wäre das Glück oberflächlich oder fragil. Werden Emilias Eltern ihre Tochter je ihren eigenen Weg gehen lassen? Sehnt sich Emilia in Wirklichkeit nicht nach einem wilderen Liebesleben, als es ihr beschieden gewesen wäre in der Ehe mit Appiani? Wird der Prinz je zu einer ernsthaften Liebesbeziehung fähig sein und selbst Verantwortung übernehmen, anstatt sich Typen wie diesem Marinelli anzuvertrauen? Das ist nur die Oberfläche der Fragen, die Lessings Stück aufwirft und die in der höchst gelungenen Inszenierung von Sigrid Herzog Raum greifen.

Erstaunliches Ensemble

Im so einfachen wie funktionellen Bühnenbild von Simone Grieshaber und in den gut charakterisierenden Kostümen von Bettina Werner bleibt viel Raum für die Kunst der Schauspieler. Sie sind fast alle Absolventen der Otto-Falckenberg-Schule in München, wo Sigrid Herzog unterrichtet – und atemberaubend gut. Prinz Gonzaga, gespielt von Moritz von Treuenfels, ist jung und durchaus sympathisch, ein verspielter Junge, der sich ein neues Spielzeug wünscht. Hingegen spürt man die Durchtriebenheit von Marinelli, gegeben von Michael Stange, schon in seiner Körpersprache. Isabel Hindersin ist die temperamentvolle Mutter Claudia, etwas zurückgenommen hingegen wirkt der Vater von Marcus Calvin. Die erst 22-jährige Morgane Ferru gibt die Emilia eher herb und selbstbewusst. Einen echt starken Auftritt hat Laura Mitzkus als Gräfin Orsina, und Bastian Beyer ist der nette Bräutigam Appiani. Dass alle im Ensemble auch hervorragend singen können und zum Teil mehrere Instrumente beherrschen, ist erstaunlich. Somit ist eine Aufführung gelungen, die von einem Klassiker die Patina weggekratzt hat, ohne ihm Gewalt anzutun.

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