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Spirituelles und Kanoneneinschläge

Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) und Chorakademie musizierten gemeinsam beim dritten Abokonzert. Am Pult stand Markus Landerer.

anna mika

Wenn ein Orchester den Domkapellmeister zu Sankt Stephan in Wien, Markus Landerer, als Gast ans Dirigentenpult bittet, so liegt es nahe, dass spirituelle Musik auf dem Programm steht. Dieser Begriff kann sehr weit gefasst sein, reicht von liturgischen Kompositionen wie Haydns „Paukenmesse“ über ein Konzertstück mit geistlichem Text wie Arvo Pärts „Litany“ bis hin zu einer an allgemein menschliche Themen rührenden neuen Komposition von Richard Dünser. Doch die Reihenfolge des Konzerts war anders, es begann mit Arvo Pärt, und es ist die Frage, ob es gut war, dieses Werk, das von den Ausführenden höchste Konzentration und vom Publikum eine geradezu meditative Haltung erfordert, an den Anfang zu setzen.

Gerade durch seine Einfachheit, durch die lange liegenden Töne und die Anforderung, diese ohne Vibrato zu singen, stellt dieses Werk an Hörer wie Interpreten eine hohe Anforderung. Schließlich bringt aber doch eine eindrucksvolle Schlusssteigerung auch Spannung ins Geschehen. Nach naturgemäßem Einschwingen auf eine saubere Intonation wurden sowohl das Orchester als auch der Chor den besonderen Ansprüchen des Werks gerecht, und auch, mit unterschiedlicher Souveränität, die Solisten Judit Scherrer, Alt, Martin Mairinger und Andreas Weller, Tenor, sowie Günter Haumer, Bariton.

Letztgenannter war der berufene Interpret der „Süsskind-Szenen“ von Richard Dünser. Diese hatten schon in weniger umfangreicher und kleiner besetzter Form Aufführung erlebt, die Fassung für Bariton und Orchester hat nun im Rahmen dieses SOV-Abokonzerts seine Uraufführung. So unverwechselbar wie Pärts Klänge sind die von Dünser nicht, der aus Vorarl­berg stammende und an der Musikuni Graz lehrende Komponist bekennt sich freimütig zu den Wurzeln seiner Musik in der Wiener Jahrhundertwende und der Zweiten Wiener Schule.

Sinnfällig

Ein farbenreicher und klanglich üppiger Orchesterpart kommt uns da entgegen und unterstützt die Aussagen der bemerkenswerten Texte des Minnesängers Süsskind von Trimberg. Dessen jüdische Herkunft findet Niederschlag auch in der Orchestersprache, wenn ein jüdisches Volkslied intoniert wird und dann abrupt abreißt – eine betroffen machende und äußerst sinnfällige Art, die Auslöschung der jüdischen Kultur im 20. Jahrhundert in unseren Ländern darzustellen.

Unterschwellig bedrohliche Töne schlägt auch Haydns „Paukenmesse“ an, die vom Komponisten selbst „Missa in tempore belli“ – „Messe in Kriegszeiten“ genannt wurde. Obwohl die Pauke (Heiko Kleber) daher zu Recht wie Kanoneneinschläge klang und die Trompeten recht martialisch, so lag in der Interpretation durch Markus Landerer doch eine unglaubliche Innigkeit und ein Strahlen über dieser Musik.

Oft überraschende und ungemein flexible Temporückungen zeugen von intensiver Probenarbeit, die Landerer mit dem Chor leistete. Das Solistenquartett mit den Schwestern Letizia und Judit Scherrer sowie Andreas Weller, Tenor und Günter Haumer, Bass, klang wunderschön und sehr homogen, und Cäcilia Chmel erfreute im Gloria mit einem berückenden Cello-Solo. Der Jubel steigerte sich mit der Zugabe, einem Ausschnitt aus Haydns „Schöpfung“.

Termin: 3. Abokonzert SOV am Sonntag um 19.30 Uhr im Festspielhaus Bregenz.

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