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Von Irrwegen und fliegenden Messern

Mira Valensky und deren Putzfrau Vesna Krajner ermitteln wieder. Den Auftrag dazu erhalten sie von Eva Rossmann. Die Erfolgsautorin stellte am Donnerstag ihren neuen Valensky-Krimi in Mäder vor.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie einen neuen Valensky-Krimi beginnen? Wie, wenn Sie ihn fertig haben?

eva rossmann: Ein Buch zu beginnen, ist keine Sache von heute auf morgen. Es braucht Zeit, bis ich das Thema im Kopf habe, dann recherchiere ich. Den tatsächlichen Schreibbeginn time ich sehr genau. Trotz all der Vorbereitungen ist das immer ein aufregender Moment. Denn ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wo genau die Reise hinführt, ob es gelingt. Und außerdem stehen dann immer einige ganz dichte Wochen vor mir, denn ich schreibe die erste Fassung in einem Zug durch – ohne Wenn und Aber. Ich setze mich am Vormittag hin und stehe nicht vor dem Abend auf.

War das vom ersten Buch an so oder haben Sie sich diese Disziplin antrainiert?

rossmann: Es ist von Buch zu Buch strenger geworden. Klassisch geschriebene Krimis wie meine brauchen, denke ich, Zug und Spannung. Das gelingt mir besser, wenn ich das auch selbst in einem Zug durchmache. Dann habe ich Monate des Überarbeitens vor mir. Und wenn der Krimi dann fertig ist, ist das erstmal befreiend. Allerdings ist dieser Zustand auch immer mit Zweifel verbunden. Der positivste Moment ist sicher immer der, in dem ich das erste Mal das Buch in der Hand halte. Da ist mir dann so richtig nach feiern!

Es ist eigentlich erstaunlich, dass Sie sich erst in Ihrem 15. Valensky-Krimi mit Frauen- und Männerrollen beschäftigen.

rossmann: Das ist gar nicht erstaunlich, weil es besonders schwierig ist, über Dinge zu schreiben, die einem besonders nah sind. Ich will ja nicht von mir erzählen, sondern von gesellschaftlichen Zuständen. Das, was ich am meisten hasse an Krimis, aber auch an anderer Literatur, ist der erhobene Zeigefinger. Es geht nicht an, dass ich den Menschen mein Weltbild aufdrücke. Ich muss etwas erzählen und die Leser müssen die Chance bekommen, sich selbst etwas dazu zu denken.

Die Frauenbewegung kommt in „Männerfallen“ teilweise ja nicht gut weg.

rossmann: Ja, diesen Luxus habe ich mir geleistet. Ich halte die Frauenbewegung für extremst wichtig – nach wie vor. Aber es sind nicht alle hehre tolle Heldinnen. Das spielt‘s eben nicht. Nirgendwo. Vielleicht macht das solche Bewegungen auch ein Stück weit normaler. Wenn man sieht, dass es da auch welche gibt, die sich ein wenig auf Irrwegen verlieren oder die von unserer Gesellschaft dazu gebracht werden, dass sie schlussendlich verzweifeln und durchknallen.

Gerade bei jüngeren Frauen kommt ein Bekenntnis zum Feminismus oft nicht gut an. Dabei hätten ohne Feminismus viele Frauen nicht die Möglichkeiten, die sie heute haben.

rossmann: Natürlich, aber das kann man ihnen so nicht erzählen. Das ist dann so ähnlich wie Aussagen, die man manchmal von der älteren Generation hört: ‚Mein Gott, bei uns war alles noch viel härter. Ihr habt es ja so gut.‘

Aber dieses Kämpfen für die Rechte der Frauen geht ja doch schon einige Generationen zurück.

rossmann: In Wirklichkeit ist das ein Prozess. Und alle sollten die Chance haben, in diesem Prozess ihren Platz zu finden. Da gilt es nichts aufzurechnen. Ich versuche auch in meinem Buch zu zeigen, dass junge Frauen vielleicht andere Wege haben, um etwas zu verändern, aber eben auch etwas verändern wollen. Diese Frauen gibt es schon auch. Aber die politisch aktiven Menschen sind sowieso die Minderheit – egal, welches Alter, egal, welches Geschlecht.

Österreich hat eine neue Bundesregierung. Was wäre politisch zu tun in Bezug auf Frauenrechte?

rossmann: Bewusstseinsbildung – und zwar quer durch alle Ressorts. Das Zweite ist eine Forderung, die wir schon beim Frauenvolksbegehren aufgestellt haben: Öffentliche Auträge und Förderungen sollten nur an solche Unternehmen gehen, die sich nachweislich um Chancengleichheit bemühen. Damit würde wirklich etwas weitergehen. Darüber hinaus wäre es ein Signal der Regierung, dass ihr Gleichstellung wirklich wichtig ist. Dringend notwendig wäre auch die langfristige Absicherung von Einrichtungen für Mädchen und Frauen. Auch solcher, die sich gesellschaftspolitisch engagieren. Natürlich mit einem intelligenten Evaluierungsprogramm. Auch wichtig: Eine intelligente Zusammen ren Ländern zu uns gekommen sind. Integration ist eigentlich das falsche Wort. Es sollte eine gegenseitige Befruchtung sein.

Glauben Sie, dass die Regierung davon etwas umsetzen wird?

rossmann: Es wird einzelne Frauen geben, die das durchaus möchten, aber die werden sich in dieser Konstellation nicht durchsetzen, befürchte ich. Da bin ich relativ desillusioniert. Im Regierungsprogramm ist die Frauensache ganz hinten in ein paar Absätzen verräumt. Ansonsten besteht ja das gesamte Regierungsprogramm nur aus diesem Nichtangriffspakt. Das einzig Wichtige ist, dass niemand mit jemand anderem etwas tun darf, denn sonst gäbe es automatisch Neuwahlen. Also tun beide sicherheitshalber nichts.

Sie schreiben in Ihrer Danksagung, dass die Thriller-Autorin Tess Gerritsen Sie gefragt hat, warum ‚Shades of Grey‘ ein solcher Erfolg werden konnte. Wissen Sie es?

rossmann: Ich glaube, es gibt ein paar Punkte, die diesen Erfolg ausmachen könnten. Der erste ist der Medienhype. Einem großen Verlag, der etwas pushen will, gelingt auch viel. Da steckt viel Geld dahinter. Das zweite sind Sehnsüchte nach kitschigen Liebesromanen. Wenn das mit Sex verbunden wird – etwas, das man lange nicht lesen durfte oder sollte – dann funktioniert das. Dieses Moment des Verbotenen und des Voyeuristischen. So blöd oder schlecht geschrieben kann es gar nicht sein, dass es nicht funktioniert.

Sie haben lange als Journalistin gearbeitet. Vermissen Sie die Hektik in der Redaktion oder holen Sie sich diese Hektik jetzt in der Küche von Buchingers Gasthaus zur Alten Schule, wo Sie seit Jahren mitkochen?

rossmann: An Hektik mangelt es mir nicht. Offenbar brauche ich das immer irgendwie, unmittelbare Action. Ein Jahr lang nur für mich allein an einem Buch zu arbeiten, das hielte ich nicht aus.

Ist es wirklich so schlimm, mit Küchenprofis zusammenzuarbeiten, wie das immer wieder zu lesen ist? Stichwort fliegende Messer.

rossmann: Nein. Es gibt sicher den einen oder anderen durchgeknallten Spitzenkoch. Aber ich glaube, da ist auch viel Mythos dran. Manchmal kann es in der Küche hektisch oder laut werden, sicher. Aber bei uns ist Buchinger eher der ruhige Typ, während ich mir erst mal das Fluchen abgewöhnen musste. Er hasst das wie die Pest.

Auf Ihrer Homepage kann man nachlesen, dass Sie Ihre eigenen Messer in Buchingers Küche mitgebracht haben. Buchinger kommentiert das dann folgendermaßen: „Schöne Messer ham’s ja, aber halten tun sies wie an Fön.‘ Wie darf man sich das vorstellen?

rossmann: Das habe ich ihn auch gefragt. Er hat es mir bis heute nicht erklären können. Nebenbei föne ich mich nicht, weiß also auch nicht, wie ich einen Fön halte …

Welche Rezepte schaffen es in Ihre Krimis?

rossmann: Diejenigen, die ich gerade selbst koche und die zur jeweiligen Location passen.

Das heißt, Leser Ihrer Krimis wissen, was Eva Rossmann im vergangenen Jahr gekocht hat?

rossmann: Ja, so ziemlich.

Wie sieht denn Ihre kulinarische Bibliothek aus?

rossmann: Da ist alles zu finden. Ich bin ein absoluter Kochbuchfreak. Von Molekularküche bis zu westindischen Kochbüchern ist alles da.

Zum Abschluss eine kleine Auswahl für Sie: Harry’s Bar oder Café de Flore?

rossmann: Harry´s Bar.

Hot Dog oder Kebab?

rossmann: Kebab.

Hercule Poirot oder Miss Marple?

rossmann: Miss Marple.

Jamie Oliver oder Yotam Ottolenghi?

rossmann: Nicht einfach … Jamie Oliver – aber den echten, nicht den vermarkteten.

Rolling Stones oder Beatles?

rossmann: Ganz schwer … ­Beatles in der zweiten Phase.

Interview: angelika drnek

„Das Regierungsprogramm besteht aus einem Nichtangriffspakt“ Eva Rossmann, Autorin

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