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Streit um Neuauflage von Hitlers „Mein Kampf“

Wegen befürchteter „Negativschlagzeilen“ will Bayern nun doch auf Neuauflage verzichten.

Hitlers Propagandabuch „Mein Kampf“ hat knapp 90 Jahre nach der Erstveröffentlichung einen heftigen Streit in Bayern ausgelöst. Weil sie internationale Negativschlagzeilen fürchtet, stellt sich die Landesregierung nun doch gegen die geplante kommentierte Neuausgabe der Hetzschrift. „Das würde zum Schaden unseres Landes ausfallen“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch im Hochschulausschuss. Mit ihrem Nein setzt sich die Regierung über einen einstimmigen Landtagsbeschluss hinweg.

Die kommentierte „Mein Kampf“-Neuausgabe des Münch­ner Instituts für Zeitgeschichte wird es aber dennoch geben, auch wenn die Landesregierung dem Projekt ihre Unterstützung entzogen hat. Spaenle räumte ein, dass diese ihre Meinung geändert habe. Israelische Politiker bis hin zu Staatspräsident Schimon Peres ebenso wie KZ-Überlebende hätten sich gegen eine Neuausgabe im Staatsauftrag ausgesprochen, begründete er den Kurswechsel. „Dass das Institut von der Wissenschaftsfreiheit Gebrauch macht und Gebrauch machen wird, ist ebenso selbstverständlich“, sagte der Kultusminister. Bisher hat der Freistaat nach Angaben der Opposition die kommentierte Neuausgabe mit einer hal­ben Million Euro unterstützt – dieses Geld muss das Institut aller Voraussicht nach auch nicht zurückzahlen.

Hitler hatte den ersten Band 1925 herausgebracht, seit 1945 ist das Buch in Deutschland nicht mehr veröffentlicht worden. Denn der Freistaat ist Inhaber der Urheberrechte und verhindert bislang deutschsprachige Neuausgaben. Die Urheberrechte laufen aber im Jahr 2015 aus. Danach kann theo­retisch jeder interessierte Verleger das Buch veröffentlichen – läuft allerdings das Risiko von Strafanzeigen wegen Volksverhetzung. Spaen­le erklärte, auch ihm sei zunächst nicht völlig klar gewesen, welche Reaktionen eine Hitler-Edition im bayerischen Staatsauftrag bei den Überlebenden und ihren Angehörigen auslösen würde. Die Frage sei: „Kann man das den Betroffenen in dieser Form zumuten?“

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