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„Ich gebe zurück, was ich von anderen erhalte“

Pascale Marthine Tayou im Gespräch über Kamerun, das Universum und die Zukunft.

Es gibt die Ausdrücke Welttheater und Weltmusik. Ist Ihre Arbeit so etwas wie Weltkunst?

pascale marthine tayou: Ich habe mit dieser Ausstellung versucht, das zu teilen, was ich liebe – als Mensch. Das Leben ist ein großes Theater, ein großes Spiel. Manchmal ist es schön, dann wieder traurig. Ich habe versucht, einen Teil meiner Geschichte zu zeigen – als Wanderer, als Reisender. Die Schau hier ist mit „I love you“ betitelt, weil ich das Gefühl habe, dass mich die Menschen lieben. Das möchte ich zurückgeben. Wenn jemand „Hallo“ zu mir sagt, antworte ich auch mit „Hallo“.

Der Satz „I love you“ erinnert an den zumindest hier bekannten Kirchenspruch „Jesus liebt dich“. Ist Ihr Satz ein Versprechen oder eine Drohung?

tayou: Es könnte beides sein. „I love you“ steht für diesen Moment, in dem man sich in eine andere Person verliebt. Aber die Liebe ist eine lange Reise. Ich habe mir die Frage gestellt, ob es heute noch möglich ist, „I love you“ zu sagen. Ich glaube schon. Natürlich gibt es in der Liebe auch immer wieder Schwierigkeiten, aber wichtig ist doch, dass man einen anderen so liebt, wie er ist. Und dass mich andere lieben, wie ich bin.

Ihre Kunst thematisiert sowohl die afrikanische als auch die europäische Tradition. Wirken Sie als Vermittler zwischen den beiden Kontinenten?

tayou: Ich bin, was ich bin. Geboren wurde ich in Kamerun und daher arbeite ich auch mit einer Art Resonanz Kameruns. Da ist dieser starke Eindruck von dem Ort, aus dem ich komme und dann gibt es die zahlreichen Einflüsse jenes Ortes, auf den ich mich jeweils zubewege. Es geht eben immer auch um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich hoffe einfach, dass ich ein Universal-Kameruner bin.

Liegt Ihnen der Dialog zwischen Afrika und Europa am Herzen?

tayou: Nun, Europa und Afrika sind sehr unterschiedlich. Sowohl geschichtlich, als auch was die Kunst anlangt… Aber schlussendlich sind wir alle nur Menschen. Was ich tue, hat nicht nur mit meiner Herkunftsfamilie zu tun, meine Familie ist heute viel weitschichtiger. Ich möchte die Chance ergreifen, die Welt als einen Ort der größeren Offenheit zu begreifen. Mein Land, mein Territorium ist viel universeller als ein geografisch begrenzter Raum.

Ihr „I love you“ ist also die Antwort auf Liebe, die Sie von anderen erfahren. Wie verhält sich das mit der Kunst? Antworten Sie gerne auf die Kunst anderer? Ein Beispiel hierfür wäre vielleicht die Säule, die derzeit im vorarlberg museum zu sehen ist und die an Brancusis „endlose Säule“ erinnert.

tayou: Diese Säule ist eine Pascale-Säule, eine sehr persönliche Arbeit. Und es ist natürlich so: Nur weil andere Brot essen, höre ich nicht plötzlich auf, Brot zu essen.

interview: angelika drnek

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