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„Ich bin keine AuskunftsPerson“

Vor zwei Jahren haben wir uns schon einmal unterhalten. Damals waren Sie auch mit „Hader spielt Hader“ auf Tour und meinten, dass sich Ihr Programm laufend ändert, eine Art Standortbestimmung. Wie sieht Ihr jetziger Standort aus?

josef hader: Gemeint habe ich damals, dass ich im Laufe der Auftritte mit „Hader spielt Hader“ herausfinde, wie ein neues Programm aussehen könnte. Das weiß ich jetzt, sag’s aber nicht.

Sie haben damals Ihre Bühnenfigur als nicht mehr allzu jung beschrieben, als etwas grantig. Ist sie in den vergangenen zwei Jahren noch ein wenig grantiger geworden?

hader: Da müssten Sie in zehn Jahren wieder nachfragen. Die Bühnenfigur, die man von sich selber hat, macht den gleichen biologischen Alterungsprozess durch wie man selbst. Man wird ein bisschen älter, vielleicht ein bisschen zynischer, ein bisschen verzweifelter. Ich denke, es hat auch eine gewisse Art von Leichtigkeit, wenn ein Teil des Lebens schon vorbei ist. ‚Hader spielt Hader‘ ist ein Soloprogramm – und da versuche ich eigentlich, zwei Stunden lang zu verhindern, dass die Leute aus dem Saal rennen.

Sie haben aber auch schon gesagt, dass Sie gerne wieder ein Programm auf die Bühne bringen würden, bei dem die Leute den Saal verlassen.

hader: Das ist verkürzt wiedergegeben. Ein Programm muss so funktionieren, dass innerhalb einer langen Spielzeit hin und wieder jemand den Saal verlässt. Wenn nie jemand geht, dann habe ich vielleicht auch etwas falsch gemacht. Man sollte schon die Möglichkeit bieten, dass sich jemand aufregen kann. Sonst wäre das wie pasteurisierte Milch – im Unterschied zu Rohmilch. Ich möchte kein Programm machen, das dermaßen klinisch gesäubert ist, dass gar kein Widerspruch mehr möglich ist.

Schreiben Sie bereits am neuen Programm?

hader: Nein. Jetzt machen wir den neuen Brennerfilm („Das ewige Leben“), danach spiele ich bis Mitte 2015 noch in einigen anderen Filmen mit, erst dann wird es das neue Programm geben.

Über den letzten Brennerfilm haben Sie gesagt, dass es insgesamt neun Drehbuchfassungen gab. Vier davon von Ihnen. Wie sieht die Statistik diesmal aus?

hader: Vier von mir? Das müssten eigentlich mehr gewesen sein … diesmal sind wir gerade bei Fassung Nummer sieben. Jetzt entsteht die Drehfassung. Danach treffen sich noch die Schauspieler und lesen erst einmal. Danach wird auch noch geändert – auf Vorschlag der Schauspieler. Somit könnten wir doch wieder auf neun Fassungen kommen. Insofern kann man also beruhigt sein.

Die Filmfigur Brenner, die Sie verkörpern, raucht. Sie rauchen nicht. Haben Sie eine Rauchchoreografie eingearbeitet, wie angekündigt?

hader: Eine Rauchchoreografie gibt es eigentlich immer. Als Schauspieler muss ich ja wieder wegkommen vom Drehbuchschreiben. Man muss die anderen Figuren, die man ja auch sehr gut kennt, wegdrängen und wieder einzeln denken. Vielleicht hört Brenner auf, zu rauchen. So wie ich. Ich kann zwar problemlos eine einzelne Zigarette rauchen, aber bei den vielen Szenenwiederholungen würde ich eine Nikotinvergiftung bekommen. Eine Alternative wären auch Kräuterzigaretten. Vielleicht behaupte ich auch, dass Brenner nach seinem Kopfschuss die Zigaretten nicht mehr schmecken.

Wenn ich mich richtig an die Romanvorlage von Wolf Haas erinnere, schießt sich Brenner doch eine Kugel in den Kopf, weil er seine Migräne nicht mehr aushält, oder?

hader: Das ist eine der großen Fragen des Films. War es ein versuchter Selbstmord oder gab es einen Mörder, der seinen Mordversuch wie einen Suizid inszeniert hat? Aber das darf ich jetzt natürlich nicht verraten. Sonst kaufen alle die Zeitung und niemand geht mehr ins Kino.

Was lieben Sie am Drehen?

hader: Das Team. Da arbeiten alle so unheimlich intensiv zusammen. Die Abschlussfeier des Filmteams hat immer etwas von der Atmosphäre einer Maturaklasse, wenn sie auseinandergeht. Normalerweise bin ich ja immer allein unterwegs.

Und was hassen Sie am Drehen?

hader: Das frühe Aufstehen – oft notwendig wegen des Lichts.

Früh aufstehen heißt was?

hader: Fünf Uhr morgens …

Wenn man Ihren Namen bei Google eingibt, dann erscheinen die sogenannten ‚verwandten Suchbegriffe‘. Angeführt wird diese Liste von ‚Josef Hader Ehefrau‘, Platz zwei nimmt ‚Josef Hader Privatleben‘ ein, gefolgt von ‚Josef Hader verheiratet‘. Offenbar haben Sie eine ziemlich große weibliche Fangemeinde.

hader: Ihre Erklärung ist sehr schmeichelhaft, ich erkläre das aber anders. Weil man über diese privaten Dinge sehr wenig erfährt, wollen das die Leute einfach wissen. Ich führe ja kein Promileben und tauche nicht überall mit meiner Familie auf. Ich bin Künstler und ein Künstler muss sein Leben nicht auf den Markt tragen. Da entsteht einfach ein Vakuum an Wissen.

Aber denken Sie nicht, dass vor allem Frauen dieses Vakuum auffüllen wollen?

hader: Teilweise vielleicht. Es gibt, denke ich, nicht so viele Künstler, die dermaßen darauf achten, dass nichts von ihrem Privatleben an die Öffentlichkeit dringt. Aber ab jetzt kann ich ja Journalisten, die mich nach meinem Privatleben fragen, einfach sagen: ‚Schauen Sie auf Google nach, unter Josef Hader Ehefrau. Da finden Sie alles darüber. Ich bin keine Auskunftsperson!‘

Interview: angelika drnek

Termin: „Hader spielt Hader“ am 29. Jänner im SAL in Schaan. 20 Uhr.

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