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Zeit-Lupe

Peter Natter

Melitta is back

Das gibt es doch nicht!, denkt sich der gelernte Pessimist. Also: Zuerst schleichen sich die Plattenspieler wieder in die Wohnzimmer. Wo’s doch fast keine Wohnzimmer oder gar Stuben mehr gibt, in die man sich noch vor wenigen Jahrzehnten zurückziehen konnte in eine Atmosphäre von Feierlichkeit und Muße; sondern nur noch lichtdurchflutete, also von allen Seiten einsehbare Kleinwohnungen mit starker Zentrierung auf den Flachbildschirmfernseher. Also Plattenspieler und Langspielplatten, auf deren Rückkehr anlässlich ihres Verschwindens anno dazumal niemand einen Schilling gewettet hätte. Jetzt sind sie wieder da. Das ist schön, vor allem für die, die sich ihre Plattenschätze erhalten haben: vom roten oder blauen Beatles-Album angefangen bis zu Verdis Requiem mit der Freni unter Karajan.

Aber dass jetzt der Kaffeefilter wieder Einzug hält in die Küchen und Kochnischen, Büroecken und was weiß ich, das gibt einem fast den Glauben zurück an das Gute in der Welt. Woher diese Revivals ihren Antrieb nehmen, will ich gar nicht so genau wissen. Vielleicht sind es nur geschickte Marketingstrategien. Es ist mir egal. Denn ich kann jetzt wieder in meiner Schreibstube sitzen und ganz alte Platten auflegen, während mir von der Küche her der Duft des Kaffees, der sich langsam seinen Weg durch den Filter in die Kanne bahnt, in die Nase steigt. Eine Kaffeemühle hat sich auch noch gefunden. So wird nachmittags, wenn sich langsam der Abend über den Tag legt, Kaffee gemahlen (elektrisch immerhin), in den Melitta-Filter gefüllt, reichlich, eine Prise Salz dazu, und dann das Wasser schön langsam spiralig eingegossen, mit Pausen natürlich.

Wie, so lange wollen Sie nicht auf Ihren Kaffee warten? Erstens muss ich eh grad die Platte umdrehen, um das Sanctus aus H. I. F. Bibers Missa Salisburgensis zu hören oder die Bee Gees in Massachusetts abzuholen; zweitens ist das kein Warten! Es ist ein Zusammensammeln, ein wunderbares Finden all meiner verstreuten Ichs, die sich in der Geschäftigkeit des Tages verloren haben. Ich bin gespannt, was noch alles zurückkommt: Fahrräder, die nur so viele Gänge (fünf ungefähr) haben, wie ein Mensch mit halbwegs Kraft in den Beinen braucht; Hosen und Mäntel, die man zehn Jahre lang tragen kann. Schön wär’s! Nur eines brauche ich nicht mehr, keinen Tag lang: die gute alte Zeit!

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