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Ferien für immer – in Sent

Angelika Overath zog von der Universitätsstadt Tübingen ins Unterengadin. Nun legt sie ein Tagebuch ihres ersten Schweizer Jahres vor.

peter natter

Im Jahr 2007 brechen der Literaturwissenschaftler und Autor Manfred Koch und die Schriftstellerin Angelika Overath ihre Zelte in der Universitätsstadt Tübingen ab. Sie beziehen mit ihrem siebenjährigen Sohn Matthias ein Haus im Unterengadiner 900-Seelen-Dorf Sent, wo sie zuvor über Jahre hinweg Sommer- und Winterferien verbracht haben. Nun liegt in einer wunderschönen handlichen Taschenbuchausgabe Angelika Overaths Tagebuch des ersten Jahres in der Heimat gewordenen Fremde vor.

Gleich vorneweg: Es ist ein berührendes Dokument, unverschnörkelt, dem Alltag mit der faszinierenden Natur und der unbekannten, sperrigen romanischen Sprache abgerungen; es verdankt sich den herzlichen Begegnungen mit den Dorfbewohnern und ihren Geschichten, die von Sent aus in die ganze Welt führen, den Festen und dem Kreislauf der Natur: dem Schnee, dem Garten, den Jahreszeiten, die den Rhythmus des Lebens bestimmen.

Wie es sich für ein Tagebuch gehört, erzählt Angelika Overath von ihrem ganz persönlichen Erleben: Von den zähen Klavierstunden und dem noch zäheren Erlernen der romanischen Sprache, mit der sich der kleine Matthias im Kreis seiner Schulkameraden und auch der Ehemann ganz leicht tun; vom Singen im Dorf-Chor, von den Spaziergängen mit dem Hund zu allen Tages-, Nacht- und Jahreszeiten; vom endlosen Winter und vom kurzen Sommer, von den Weintrauben, vom Gemüsegarten und von den Blumen; und immer wieder: von den Menschen, die es aus allen Ecken der Welt in dieses Dorf verschlägt und die aus dem Dorf hinaus in alle Himmelsrichtungen aufbrechen.

Das Senter Tagebuch ist ein literarisches, in erster Linie aber ein sympathisch-empathisches und ein durch und durch authentisches Dokument; es ist eine berührende Erzählung von der Wende, die eine fünfzigjährige Frau mit verblüffender Selbstverständlichkeit ihrem Leben gegeben hat. In überaus wohltuender Weise fehlt alles aussteigerisch Belehrende. Keine oberlehrerhafte Geste trübt das Lesevergnügen. Wenn die Autorin da und dort ganz leise einen zivilisations- und gesellschaftskritischen Ton anschlägt, tut sie es mit behutsamer Natürlichkeit, etwa indem sie Beobachtungen der spielenden Dorfkinder wiedergibt und sie dem polternden Verhalten der Touristen gegenüberstellt oder die Rolle des Geldes hinterfragt, das sich Dinge aneignet, von denen es keine Ahnung hat.

Termin: Lesung Angelika Overath, heute 20 Uhr, Stadtbücherei Dornbirn.

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