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interview

Evergreen im neuen Kleid

Das Musical West Side Story erobert mit der selten gezeigten Originalchoreo- grafie unter Joey McKneely die Bühne des Festspielhauses Bregenz.

Das Musical West Side Story feierte im Jahre 1957 Premiere in New York. Wie haben Sie als Regisseur und Choreograf die Show fit für das 21. Jahrhundert gemacht?

joey McKneely: Das Bühnenbild hat nun nicht mehr diesen typischen 50er-Jahre-Look. Stattdessen sieht man jetzt ein Set minimalistisch-realistischer Feuerleitern auf der Bühne. Die gleiche Modernisierung haben wir auch bei den Kostümen vorgenommen. Durch diese Verjüngungskur hat die Show jetzt einen modernen Anstrich und die darin enthaltene Emotionalität kann ein junges Publikum erreichen, ohne wie ein Stück aus dem Museum zu wirken.

Sie haben mit dem Choreografen der Original-Show, Jerome Robbins, zusammengearbeitet. Was haben Sie von ihm gelernt?

McKneely: Vor allem habe ich gelernt, bei einer Choreografie niemals Kompromisse einzugehen. Man muss die Tänzer fordern und versuchen, immer den höchstmöglichen Level zu erreichen. Allerdings muss man es auch erkennen, wann man zu viel von den Tänzern verlangt. Manchmal ist es auch notwendig, einen der Tänzer durch einen anderen zu ersetzen. Das ist nichts Persönliches, es dient lediglich der Show.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Treffen mit Jerome Robbins erinnern?

McKneely: Das erste Mal habe ich ich ihn eigentlich nur kurz bei einer Audition gesehen. Am besten kann ich mich aber an sein Lachen erinnern. Er konnte ziemlich viel lachen, wenn ich irgendetwas Komisches auf der Bühne aufführte. Ich glaube, das war ihm am liebsten.

Wie viel der Original-Choreografie ist noch übrig? Wo mussten Sie Neues einbringen?

McKneely: Ein Großteil der Original-Show blieb. Ich denke, dass meine Tänzer heute vielleicht höher springen … Und ich bekenne mich schuldig, dass manche Schrittfolgen etwas weiterentwickelt wurden, aber die Seele der Show ist immer noch dieselbe.

Wie ist das Gefühl, eine solch­ berühmte Arbeit eines Kollegen weiterzuentwickeln?

McKneely: Es ist großartig – und eine große Ehre. Natürlich ist damit auch viel Verantwortung verbunden. Ich habe auf die Choreografie genau so viel Wert gelegt wie Jerome Robbins. Diese Arbeit hat mein Leben verändert. Als Tänzer kann das nicht mehr besser werden und diese Emotionen möchte ich den nächsten Generationen von Tänzern weitergeben.

Was müssen denn junge Tänzer auf der Bühne zeigen, um Sie zu beeindrucken ?

McKneely: Das Allerwichtigste ist Technik. Die meisten haben ja zumindest ein gewisses Maß an Balletttraining hinter sich. Das Zweite ist die Energie, mit der getanzt wird. Auf Englisch sagt man: ‚Ich brauche Feuer im Bauch!‘ Es geht einfach um die Leidenschaft für den Tanz. Und wenn ich Tänzer für eine bestimmte Show suche, dann müssen die Tänzer natürlich der richtige Typ für die Rolle sein. Für West Side Story habe ich ein Ensemble zusammengestellt, das so jung wie möglich ist. Das ist wichtig, damit die Tänzer noch den rebellischen Spirit eines Teenagers ausstrahlen können.

Wo liegt Ihr Regie-Fokus bei West Side Story? Auf der Liebesgeschichte oder auf den verfeindeten Gangs?

McKneely: Mein Fokus liegt auf beiden Aspekten. Bei den verfeindeten Banden dreht sich alles um Kampf, Hass, um Angst, Gewalt und Scheinheiligkeit. Bei Maria und Tony geht es einzig und allein um die Liebe. Das ist ziemlich anstrengend!

Wie steht es um die Musik in West Side Story? Können Sie die Songs noch genießen oder haben Sie sie einfach schon zu oft gehört?

McKneely: Diese Songs werden mir niemals zuviel werden. Es ist so, als ob man seine Ehefrau nach 50 Jahren ansehen würde. Wenn du diese Frau liebst, kannst du sie ansehen und siehst immer noch das junge Mädchen, das du einst geheiratet hast. Ich habe so viele Erinnerungen an dieses Musical. West Side Story ist sozusagen meine Ehefrau.

Interview: angelika drnek

„Es geht einfach um die Leidenschaft für den Tanz.“

Joey McKneely, Regisseur und Choreograf von West Side Story

west side story

Uraufführung am 26. September 1957 in New York.

Idee und Choreografie von Jerome Robbins.

Musik von Leonard Bernstein.

Verfilmung im Jahr 1961: ausgezeichnet mit zehn Oscars.

Termine: 4. bis 8. Februar, Festspielhaus Bregenz (Österreich-Premiere).

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