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Ein Monument von Mannsbild

George Clooney im Interview: Über seinen neuen Film „Monuments Men“, Kunst, Gurlitt, Zerstörung und die Liebe.

Ihr Drama „Monuments Men“ basiert auf realem Hintergrund, nimmt sich gleichzeitig einige dramatische Freiheiten. Wo und warum haben Sie als Ko-Autor des Drehbuches und Regisseur die Trennlinie zwischen Fiktion und Wahrheit für notwendig erachtet?

george clooney: Auf die „Monuments Men“ bin ich durch das gleichnamige Buch von Robert Edsel gestoßen. Mir erscheint es wichtig, die Geschichte jener Männer und Frauen zu erzählen, die ihr Leben riskierten, um Kunstschätze, darunter Vermeer, Picasso, Rembrandt, Raphael, Dalí, vor der Vernichtung zu retten. „Monuments Men“ ist in erster Linie ein historisches Drama, inhaltlich stimmen 90 Prozent der Ereignisse.

Würden Sie für ein Kunstwerk Ihr Leben riskieren?

clooney: Nein. Und gerade deswegen habe ich großen Respekt vor diesen Männern. Wenn ich etwas retten würde, dann meine Familie und den Hund. An materiellen Dingen bestenfalls meinen Ordner, in dem ich die persönlichen Briefe von Paul Newman, Walter Cronkite und Gregory Peck aufbewahre.

„Monuments Men“ gewinnt insofern brisante Aktualität, als in den Münchener und Salzburger Wohnungen von Cornelius Gurlitt der bis dato größte Kunstschatz entdeckt wurde. Wie sollte Ihrer Meinung nach mit den Kunstwerken verfahren werden?

clooney: Ich verfolge den Fall. Zweifellos sollen jene Kunstwerke rückerstattet werden, wo eruierbar ist, dass die Eigentümer auf der Flucht ihre Schätze verkauften oder ihnen diese gestohlen wurden. Doch die Sache ist nicht ganz so einfach, denn denken wir an die 25 Millionen toten Russen, deren Kunstgegenstände im Krieg erbeutet wurden und wo die Nachforschungen fast unmöglich sind. Wenn Sie ein Museum in Europa besuchen, sehen Sie mehr Kunst aus Ägypten oder dem Nahen Osten als im Ursprungsland. Auch die Rückgabe aus Museumsbesitz wird immer wieder diskutiert, weil Museen Kunstwerke besitzen, deren Herkunft und Anschaffung nicht hundertprozentig ermittelbar sind. Die Bedeutung von Kunst besteht darin, dass Kunst die jeweilige Kulturgesellschaft identifiziert. Ich habe im Sudan mit eigenen Augen gesehen, wie Dörfer dem Erdboden gleichgemacht werden. Diese Kriegsstrategie ist nicht neu. Mit der Verbrennung wird die Identität eines Stammes ausgelöscht und die Rückkehr der Flüchtlinge unmöglich gemacht.

Besitzen Sie ein Kunstwerk, mit dem Sie sich identifizieren?

clooney: Die Bilder, die bei mir zu Hause hängen, stellen keinen besonderen materiellen Wert dar, sondern sind persönliche Reiseerinnerungen. Während meines ersten Aufenthaltes in Paris kaufte ich ein Landschaftsbild. Damals dachte ich, wer weiß, wann ich jemals wieder nach Paris zurückkehren werde. Das Bild hängt im Vorzimmer, und jeden Tag erinnert es mich an meine Zeit in Paris. Als ich vor einigen Jahren einen sehr bekannten Innenarchitekten mit der Umgestaltung meines Hauses beauftragen wollte, war das Paris-Bild eines der ersten, das er eliminieren wollte. Weil nicht repräsentativ genug. Stattdessen schlug er ein 50.000-Dollar-Schwarz-Weiß-Foto vor, zu dem ich wiederum null Bezug hatte. Ich möchte mich nicht mit Dingen umgeben, die einen Wert darstellen, zu denen ich aber keine Verbindung habe.

Wenn Kunst ein Hinweis auf die Identität ist, so ist die Überlieferung für die Nachwelt umso bedeutungsvoller. Was sollte Ihrer Meinung nach von unserer Generation der Nachwelt erhalten bleiben?

clooney: Vielleicht Justin Bieber. Nein, im Ernst: Schön wäre es, wenn der Nachwelt Jazz überliefert würde. Vielleicht sollten wir der Nachwelt aber auch eine Reality-Show hinterlassen. Mich würde da besonders interessieren, welche Rückschlüsse und Theorien dadurch über das 21. Jahrhundert gemacht würden.

In „Monuments Men“ reparieren Sie ein Radio. Wie gut eignen Sie sich im Alltag als Handwerker?

clooney: Erstaunlich gut. Ich wuchs in Kentucky auf, wo Stunden vergingen, bis ein Handwerker vorbeikam. Da hieß es: Selbst ist der Mann.

Bei der Verleihung der Golden Globes machten sich Tina Fey und Amy Poehler über Sie lustig. Sie meinten, George Clooney sterbe lieber im Weltall, als mit gleichaltrigen Frauen bei den Golden Globes zu sitzen. Was suchen Sie in einer Frau?

clooney: Ich mag Frauen! Mit jedem Jahr, das ich älter werde, verstehe ich das weibliche Geschlecht besser. Jeder strebt nach Liebe und Glück – die Suche geht weiter.

interview: barbara gasser

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